Dinkla war über eine Leiter auf das Dach der Tagungshalle geklettert und hatte sich dort vom Fehlen einer wirksamen Wärmedämmung überzeugt. Er war in den Keller gestiegen und hatte sich die maroden Rohre angesehen. Der CDU-Mann, von Haus aus Tischlermeister, kennt jeden Winkel, jedes undichte Fenster. Sein Urteil ist seit Monaten klar: Hier muss ganz viel ganz gründlich saniert werden, und das ganz schnell.
Doch die politische Rückendeckung für diesen Plan hat der Landtagspräsident offenbar verloren. Am Dienstag ist der Tag der Wahrheit, am Dienstag entscheiden die Landtagsfraktionen. Am Abend dürfte klar werden, dass die von Dinkla seit seinem Amtsbeginn vor zwei Jahren verfolgten Neubaupläne gescheitert sind. Der alte Plenarsaal von Dieter Oesterlen, den Dinkla gern abgerissen hätte, wird wohl weitgehend unverändert stehen bleiben – obwohl viele Abgeordnete und Besucher die Arbeitsverhältnisse in der muffigen, abgeschotteten und tageslichtfreien Halle für unzumutbar halten. Noch vor gut zwei Wochen fühlte sich Dinkla ganz nah am Ziel, beim Architektenwettbewerb kürte die Jury einen mutigen Entwurf zum Sieger: Abriss des alten Plenarsaals, Neubau eines gläsernen Tempels und damit ein Bekenntnis zu einer architektonischen Akzentsetzung in Hannovers Innenstadt. Doch während die Jury noch jubelte, lag das Projekt schon im Sterben. In Hannover ist ein solches Vorhaben wohl nicht durchsetzbar.
Warum nicht? Ist die Stadt zu provinziell für ein architektonisches Wagnis? Oder ist das Verhältnis der Bürger zur eigenen Volksvertretung gestört? „Für die Eisbärlandschaft im Zoo ist Geld da, für das Sprengel Museum gibt man gern 25 Millionen Euro aus. Aber sobald es um das Parlament geht, das wichtigste Gebäude der Demokratie, kommen gleich die Einwände – das Geld könne für Straßen- und Schulsanierung sinnvoller eingesetzt werden“, klagt ein Abgeordneter. In einer anderen Landeshauptstadt sei Vergleichbares kaum vorstellbar. Allerdings gab es in Erfurt, Dresden oder Kiel auch kein Baudenkmal aus den frühen sechziger Jahren wie den Oesterlen-Plenarsaal, der zwar klotzig und wenig einladend wirkt, aber trotzdem in Hannover eine leidenschaftliche Anhängerschaft hat, gerade bei Älteren.
Dinkla ist nicht der erste Landtagspräsident, der an dieser Mischung aus Unverständnis für die Wünsche der Abgeordneten und Verehrung für den Oesterlen-Bau scheitert. Seinen beiden Vorgängern ging es ähnlich. Als vor acht Jahren Rolf Wernstedt stolz die Entwürfe des damaligen Wettbewerbs vorstellte, verzichteten sowohl die amtierende SPD-Alleinregierung als auch die wenig später folgende CDU/FDP-Koalition darauf, den Umbau im Haushaltsplan abzusichern. Dann wurde Jürgen Gansäuer (CDU) Landtagspräsident, der erkannte, wie wenig durchsetzbar ein solches Vorhaben in Hannover ist, und entschlossen die Sache vertagte. Als ihm 2008 Hermann Dinkla folgte, sollte der Umbau des Parlaments die große und tragende Aufgabe seiner Amtszeit werden.
Dinkla ist kein glänzender Rhetoriker, kein Freund großer Worte. Seine Sitzungsleitung im Parlament wirkt manchmal mühsam, und als Repräsentant fällt er nicht groß auf. Umso mehr Ehrgeiz steckte der 67-Jährige in die Umbauplanung. Dies sollte sein Meisterwerk als Präsident werden. In der Sache, so wird ihm bescheinigt, hat er danach fast alles richtig gemacht: Eine Baukommission wurde eingesetzt, Landtage in anderen Ländern wurden besichtigt, eine Bestandsaufnahme wurde veranlasst, und sogar das Geld wurde diesmal in den Etatentwurf geschrieben. Der Grünen-Abgeordnete Enno Hagenah, selbst Architekt, sieht allerdings einige entscheidende Versäumnisse: Das Raumprogramm, das der neuen Architektenausschreibung zugrunde lag, sei viel zu üppig gewesen. Der Wille von Dinkla, den alten Plenarsaal abzureißen, habe den Wettbewerb zu stark vorbestimmt. Deshalb hätten sich einige Architekten gar nicht beteiligt, die womöglich kleinere und kostengünstigere Varianten hätten liefern können oder wollen.
Dinkla hätte die Situation womöglich noch retten können, wenn er die Werbetrommel für den Neubau des Plenarsaals gerührt hätte. Zwar traf er sich mit den Kritikern, die etwa auf den Denkmalcharakter des Oesterlen-Baus hinwiesen – allerdings nur hinter verschlossenen Türen. Der zurückhaltenden Art des Präsidenten entsprach es nicht, flammende Reden in öffentlichen Veranstaltungen zu halten. So spielte das Thema über Monate öffentlich nur am Rande eine Rolle, und viele hatten die Umbaupläne fast schon vergessen, bis schließlich nach dem Ergebnis des Architektenwettbewerbs die Oesterlen-Befürworter wieder alarmiert waren. Wutentbrannte Leserbriefe füllten diese Zeitung. Wieder wirkte die Landtagsverwaltung in Dinklas Umgebung von der Leidenschaft des Oesterlen-Fanklubs überrascht. Dabei hätten sie es ahnen können, denn es wiederholte sich nur etwas Altbekanntes.
Die Beteiligten organisierten Schritt für Schritt ihren Rückzug. Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, der den mit dem ersten Preis ausgezeichneten Glastempel zunächst gelobt hatte, spürte Gegenwind aus der rot-grünen Ratsmehrheit. Er sei ja „nicht der bessere Architekt“, deutete Weil kürzlich an und signalisierte so sein Einlenken. In der SPD-Landtagsfraktion sind die Befürworter des Siegerentwurfs mittlerweile in der Minderheit. Eine Mehrheit will den zweiten Preisträger, der die äußere Hülle des Plenarsaals weitgehend erhalten möchte und deshalb vom Oesterlen-Fanklub weniger scharf angegriffen wird. Grüne und Linke sind sowieso skeptisch gegenüber den Neubauplänen, und die Diskussionslage bei CDU und FDP ist inzwischen völlig diffus.
Die Vertreter von Christ- und Freidemokraten in der Jury waren zunächst vom ersten Preisträger angetan und verteidigten diesen. Aber als man spürte, dass die angepeilte breite Mehrheit gemeinsam mit der SPD scheitern würde, gingen die ersten Vertreter auf Distanz. Dass Ministerpräsident Christian Wulff kürzlich für eine „bescheidene Lösung“ warb, gilt als wegweisend: Die Koalition will den unpopulären Beschluss zum Abriss des Oesterlen-Baus nicht allein verantworten und sich nicht hinterher von der SPD angreifen lassen – zumal der Bau bis zur Landtagswahl 2013 nicht beendet sein wird. „Ein unfertiger Bau mit Kostensteigerungen wäre dann eine Steilvorlage für die Opposition im Wahlkampf“, heißt es aus der CDU.
Dass der zweite Preisträger zum Zuge kommt, wie es die SPD wohl bevorzugt, ist wenig wahrscheinlich. Viel spricht dafür, dass CDU und FDP heute die Sache ganz zu den Akten legen. Von einer „Sparvariante“ ist die Rede: Ein neues Glasdach auf den Plenarsaal, ein heller Anstrich für die Bretterwand, ein paar neue Stühle und Tische – und vielleicht eine neue Klimaanlage als der maximale Luxus. Der Preis wäre vielleicht nur zehn Millionen anstelle der bisher geplanten 45 Millionen Euro – und ein Landtagspräsident, der beschädigter denn je ist.
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Kommentare
Streiten sie nicht- es ist ganz einfach Bürger – 02.03.10
Parameter für die Entscheidungsfindung und EmpfehlungSehr geehrter Herr McAllister
A.Erscheinungsbild: Norddeutsche Zurückhaltung wäre ein angemessener Ausdruck. B. Klarheit, Sachlichkeit, Rationalität sind weitere Leitlinien für die Architektur. C. Die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes ist ein wichtiges Ziel, das mit dem Entwurf erreicht werden soll. Das beinhaltet mehrere Faktoren. 1. Die Baukosten, 2. die Flächenwirtschaftlichkeit, 3. ganz besonders die laufenden Betriebskosten. Kostenschätzungen nach DIN, sowie erste Kostenberechnungen sind von externen und unabhängigen Planungsbüros einzuholen.
Vielen Dank
Carsten nochmals ich – 02.03.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen: www.haz.de/nutzungsbedingungenLandtag ich – 02.03.10
Wenn Ihnen unsere noch schöne Stadt nicht gefällt, dann ziehen Sie bitte gleich in ein anderes Bundesland!!Innehalten Bürger – 02.03.10
Bestandsaufnahme betreiben. Noch einmal überlegen. Funktion und Nutzung sind das Thema, damit sollte man sich planerisch auseinandersetzen und Leistungsbilder ausschreiben. Erst aus diesen konkreten und präzise formulierten Ansprüchen sollten Konzepte entwickelt werden. Welche Zukunftsentwürfe sind tragfähig und finanzierbar und wo muss dafür eingespart werden.Das Verhalten von Wulff ist nicht akzeptabel Sebastian – 02.03.10
Das Verhalten von Wulff hinsichtlich des LT-Neubaus ist unmöglich. Noch vor zwei Wochen war in der HAZ zu lesen, dass es eine breite Mehrheit für den Neubau gäbe. Zwei Tage vor der Kommissionssitzung nun bewusst in der Medienlandschaft eine Nachricht zu streuen, man sei für einen bescheidenden Bau ist politisch unfair. Die Medienlandschaft wird nun wieder, wie leider auch hier, behaupten, dass Präsident Dinkla beschädigt sei. Dabei konnte er dafür nichts, da er selbst von der Mehrheit für den Neubau ausgehen musste. Wulffs Verhalten ist nicht akzeptabel. Es ist wie immer in der Politik. Um die Sache selbst, den Landtag, geht es nicht. Es geht um die Wahl und dass sich die CDU nicht angreifbar zeigen will. Der Preis ist hoch. Dass der Umbau günstiger als der Neubau ist, ist darüberhinaus eine reine Spekulation. Wer einmal sein eigenen Haus vollständig saniert hat weiß, dass ein Neubau sich mehr rentiert. Zu gerne wird vergessen, dass es sich um ein Projekt in die Zukunft handelt. Neues, umhüllt von Altem, bleibt alt und damit konstant sanierungsbedürftig. Dies wird Hannover teurer zu stehen kommen.Zukunft? Arnulf Neumann – 02.03.10
die Entscheidung über die weitere Ausgestaltung des Landtages wird hoffentlich nicht weiter Herrn Dinkla überlassen bleiben, auch wenn der Artikel das hier so vortäuschen will (!)Andererseits: "Nur nicht den 'Palast' bauen - und alles andere ist dann schon fast egal(?)" -das wird nicht reichen, zumindest nicht für Architektur (!)
Wegen Unzufriedenheit mit dem Ergebnis des 1. Wettbewerbes (Koch Panse) war seinerzeit mit stichhaltigen Argumenten ein weiterer Wettbewerb ausgelobt worden. An dieser Unzufriedenheit hat sich zumindest bei mir nichts geändert!
Sollte nun am Ende aus juristischen Gründen etwa doch noch ein 'unbefriedigendes Ergebnis' reale Gestalt gewinnen? Ein Ergebnis, welches sich dem Denkmalschutz-Gedanken einfach nur noch total unterwirft, obwohl es dazu eine überzeugende architektonische Alternative gibt, nämlich den 2. Preis?
Was wäre das für ein Fortschritt (!)
Funktion und Nutzung Bürger – 02.03.10
Das Architektur im öffentlichen Raum auch immer etwas mit Politik zu hat, gilt für jedes bauliche Vorhaben. Das die Entscheidungsträger jetzt von Formfragen (Symbolik etc.) hin zu Funktionsfragen (baulicher Aufwand/Wirtschaftlichkeit) kommen, ist sehr zu begrüßen. Funktion und Nutzung sind das Thema, damit sollte man sich planerisch auseinandersetzen und Leistungsbilder ausschreiben. Erst aus diesen konkreten und präzise formulierten Ansprüchen sollten Konzepte entwickelt werden. Die Bürgerinnen und Bürger haben doch ganz hervorragend reagiert. Was ist denn der Ausgangspunkt einer Stadtgesellschaft? Sich nicht darauf zu beschränken eine komponierte Szenerie (hier die Tempelarchitektur) abgeben zu wollen. Stadt bedeutet nämlich nicht die Durchsetzung von Partikularinteressen, auch nicht von Politikern, sondern die Etablierung tragfähiger Konzepte und Gleichgewichte. Der planerische Umgang damit ist doch die eigenliche Fehlleistung, verursacht durch die Auslober dieser Wettbwerbe.beleidigte Leberwurst (?) Arnulf Neumann – 02.03.10
Was ist das für eine unqualifizierte Bericht-Erstattung (!)Oder wurde dieser Artikel gleich direkt von einem schlechten Verlierer in die Feder diktiert(?) nach dem Motto: "wenn ich mein Paläst'le schon nicht bekomme, bekommt zur Strafe gar niemand irgend etwas - nicht!
Herr Wallbaum versteht es leider auch nicht Mike – 02.03.10
man muss nicht Mitglied in irgend so einem "Oesterlen-Fanklub" sein, um den Sinn des Denkmalschutzes zu verstehen!Finanzarchitektur Bürger – 02.03.10
Also, Herr Wallbaum, jetzt wird es absurd. Zunächst sollte man sich vor Augen führen, dass Politiker Verantwortung haben, auch gegenüber ihrem eigenen Gewissen. Sie müssen auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen mitbedenken und verantworten.Bei so vielen politischen Fehlleistungen, die wir als Bürger ertragen müssen, ist Kritik mehr als berechtigt. Der Neubau ist doch nur ein Symbol für weitere Geldverschwendung, die die Bürger aufbringen müssen, nicht die Politik.
Mut und Stärke Marc Ferrum – 02.03.10
Vorab: Ein seltsamer Artikel. Zuviel Meinung und Überspitzung für einen Bericht, zu viel Nachricht für einen Kommentar oder eine Glosse.Zur Sache: Es ist erschreckend zu sehen, wie sich der Prozess um eine Erneuerung des Plenarsaals in ein Debakel verwandelt und wie das Parlament, Architekten und die Stadt Hannover Schaden nehmen. Es entsteht der Eindruck, dass weder Akteure, noch Berichterstatter einen Überblick behalten haben, wer denn was möchte in diesem Verfahren. Wie also sieht es aus?
Fakt ist, der aktuelle Plenarsaal von Dieter Oesterlen ist sanierungsbedürftig. Die Substanz ist angegriffen, die Technik muss erneuert und das Bauwerk den heutigen energetischen Forderungen angepasst werden. Das könnte erreicht werden durch eine Sanierung, einen Umbau oder einen Neubau. Getan werden muss auf jeden Fall etwas.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist, die Nutzer, also die Parlamentarier sind nicht mehr mit den Arbeitsbedingungen zufrieden. Sowohl der Plenarsaal selbst, als auch die angrenzenden Besprechungsräume entsprechen nicht den Platzanforderungen und einem zeitgemäßen Arbeitsklima. Hier wird also eine Veränderung gewünscht. Diese kann durch Umbau oder durch Neubau erreicht werden.
Ein dritter Punkt: das Plenarsaalgebäude steht unter Denkmalsschutz, als wichtiges Werk der Nachkriegsarchitektur und es gibt in Niedersachsen ein Gesetz, das solche Bauwerke schützt. Nur wenn ein „überwiegendes öffentliches Interesse“ vorliegt, kann das setzt werden. Sanierung oder Umbau sind allerdings möglich.
Nun gibt es verschiedene Interessengruppen. Einige Parlamentarier um den Landtagspräsidenten Hermann Dinkla möchten einen Neubau, da ein tiefgreifender Umbau sowieso notwendig wäre und es zudem dem Plenarsaalgebäude in seiner heutigen Form an Repräsentanz und Wahrnehmung mangelt. Ein Aspekt, der nicht falsch ist. Es gibt viele Hannoveraner die das Gebäude nicht grade ansprechend finden, andere wissen nichts von seiner Funktion.
Die sogenannten Oesterlen-Befürworter dagegen verweisen auf die Bedeutung des Gebäudes aus architektonischer und historischer Sicht, als Symbol der neu entstandenen Demokratie in Niedersachsen. Dabei geht es ihnen aber gar nicht um eine exakte Erhaltung, sondern um einen angemessenen Umgang mit dem Bauwerk. Das bedeutet, ein Umbau ist durchaus okay, wenn der den Ideen und Grundlagen der bestehenden Architektur folgt. Die größere Offenheit des Saals war in den Entwürfen von Oesterlen vorgesehen und wurde vom damaligen Parlament abgelehnt.
Viele Hannoveraner und Niedersachsen, die sich mit diesem Thema nur am Rande beschäftigen, stolpern einfach über die Zahl von 45 Millionen Euro, die ein Neubau kosten dürfte. Die anderen Bedingungen sind ihnen meist nicht bewusst. Und so wird auch immer wieder das „Schulsanierungs-“ Argument aufgeworfen, allerdings findet man das inzwischen in so gut wie jeder Diskussion, in der es um öffentliche Gelder geht.
Wir haben also unterschiedliche Vorbedingungen und wir haben eine Reihe unterschiedlicher Akteure, was nun noch hinzu kommt um die Sache komplizierter zu machen: es gibt zwei Architektenwettbewerbe.
Der erste stammt von 2002 und hatte nur den Umbau des Plenarsaals zur Vorgabe. Der zweite, aktuell entschiedene dagegen sollte ursprünglich nur für einen Neubau ausgelegt sein, wurde dann aber „ergebnissoffen“ durchgeführt.
Warum zwei Wettbewerbe? Nun, der erste sollte zeigen, was im Bestand mit einem zurückhaltenden Eingriff möglich ist, der zweite hingegen sollte ein umfangreiches Raumprogramm unterbringen. Wohl zu umfangreich für den Bestand, denn fast alle Teilnehmer haben, so wie auch der Sieger, auf einen Neubau gesetzt. Allerdings, dem Zweitplatzierten gelingt es, innerhalb der Gebäudehülle zu bleiben.
Wenn also der erstplatzierte Entwurf in der Bevölkerung durch fällt, und der Zweitplatzierte in Oesterlens Gebäudehülle bleibt, müsste dann nicht dieser gebaut werden und alle wären glücklich?
Nein, auf Grund des großen Raumprogramms, das für diesen zweiten Wettbewerb gefordert wurde, wird die innere Struktur des Plenarsaalgebäudes weitestgehend zerstört. Architektur ist aber weit mehr als nur die Hülle eines Gebäudes. Daher sind die „Oesterlen-Befürworter“ auch nicht glücklich über den zweiten Platz, sie fordern statt dessen, dass dem siegreichen Architekturbüro von 2002 die Möglichkeit gegeben wird, ihren Entwurf weiter zu entwickeln, unter anderem weil dieser Entwurf ihrer Meinung nach Oesterlens Ideen weiter führt. Auch aus Kostengründen erscheint dieser Vorschlag sehr sinnvoll.
Das wir heute an einen Punkt gelangt sind, in der die Parlamentarier zurück schrecken, weil die Öffentlichkeit überwiegend negativ auf die vorgestellten Pläne reagiert, ist einer fehlerhaften Kommunikation und eines mangelnden öffentlichen Dialogs im Vorfeld zu verdanken. Trotzdem muss man von den Fraktionen in ihren Diskussionsprozessen am heutigen Dienstag Mut und Stärke verlangen. Den Mut, sich Fehler einzugestehen und die Stärke, nicht völlig auf Veränderungswillen zu verzichten. Dann nach diesem ganzen Theater wäre die schlechteste aller nur denkbaren Lösungen, in politischer wie in architektonischer Sicht, die im Artikel angesprochene "Sparlösung".
Ääähm... nochmal zum Mitschreiben: Carsten – 02.03.10
Der Erhalt des Oesterlen-Plenarsaals gemäß zweitplaziertem Entwurf (oder meinetwegen auch Koch/Panse aus 2002) wäre genauso teuer wie ein Totalabriss. Nur sähe es eben nicht danach aus.Hinter der Oesterlen-Verehrung steckt ohnehin zu 90% die typisch hannöversche kleinbürgerliche Missgunst der Regierung gegenüber, und nur zu 10% architektonischer Sachverstand. Da kommen einem ein paar Bauhistoriker, die den Granitbunker über den grünen Klee loben, gerade recht. Über einen Abriss des Historischen Museums (ebenfalls von Oesterlen) würde wohl niemand jammern, obwohl es sich deutlich harmonischer in die Umgebung einfügt als diese Krebsgeschwulst am Leineschloss.
Aber fürs Stadtbild Hannovers ist eben jeder Cent zuviel. Wenn die Mehrheit der Bürger so denkt, dann ist eben auch klar warum die Stadt so aussieht, wie sie aussieht.
Gedanken zum Neubau Skipper – 01.03.10
Ist es nicht einsehbar, dass sich in Zeiten leerer Kassen und anderweitiger Finanzverschwendung das Verständnis der Bürger für die Notwendigkeit eines Totalabrisses arg in Grenzen hält? Das Gebäude wird nun mal nicht als Gebäude an sich gesehen, sondern immer in Verbindung mit dem Geschehen in seinen Mauern. Wenn dort in allzu vielen Fällen in der Vergangenheit Mist gebaut worden ist, dann kann man den Bürger nur schwer davon überzeugen, dass die hohe Politik für all ihr Versagen auch noch durch einen Neubau belohnt werden soll.Unsere Volksvertreter fühlen sich doch seit langem durch das Volk eher gestört - da ist ein Plenarsaal ohne Fenster eigentlich ganz passend. Warum also neu bauen und - oh Schreck! - am Ende noch das ganze Elend draußen vor der Tür während der Arbeit mit eigenen Augen sehen müssen?
Landtag ich – 01.03.10
Ja, so ist das im Leben, man bekommt nicht immer das, was man unbedingt haben will. So einfach an dem Willen der Hannoveraner vorbei zu gehen, das gibt es nicht!! Außerdem besteht Denkmalschutz und den kann auch ein Oberbürgermeister oder ein Landtagspräsident nicht so mir nichts dir nichts abschaffen!!