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Niedersachsen Lehrer wollen nur noch 22 Stunden unterrichten
Nachrichten Politik Niedersachsen Lehrer wollen nur noch 22 Stunden unterrichten
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00:22 04.12.2015
Eine geringere Unterrichtsverpflichtung sei die zentrale Stellschraube, um die Arbeitsbelastung der Lehrer zu reduzieren, heißt es in einer Resolution, Quelle: dpa
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Hannover

Das niedersächsische Kultusministerium sieht dafür jedoch keinen finanziellen Spielraum. „Es ist legitim, dass Gewerkschaften Maximalforderungen stellen“, sagte ein Ministeriumssprecher der HAZ. „Wir nehmen das zur Kenntnis. Allerdings bewegen wir uns in der realen Welt mit einem realen Haushalt.“

Auch Eberhard Brandt, Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht nicht davon aus, dass die 22-Stunden-Forderung kurzfristig realisiert wird. Er sprach von einer Utopie – „aber Gewerkschaften brauchen Utopien, auf die man hinarbeiten kann“. Die Pflichtstundenzahl solle vor allem in den Schulformen verringert werden, in denen Lehrer bisher am meisten unterrichten müssten, sagte Brandt. Dies betrifft die Grund- und Hauptschullehrer. Gerade an Grundschulen ist der Unmut besonders groß. Mehr als 300 Beschwerden von Grundschullehrern sind beim Kultusministerium eingegangen. Viele fühlen sich beim Thema Inklusion – also dem gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Handicap – alleingelassen.

Noch bis Ostern 2016 läuft eine landesweite Arbeitszeitstudie der GEW, bei der mehr als 4000 Pädagogen an 160 Schulen minutengenau ihre Arbeitszeit erfassen. Das Ministerium hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass es alle Lehrer befragen wolle, welche Aufgaben sie besonders belasten. „Dazu brauche ich keine Online-Befragung“, sagte Brandt, „das ist dem Land seit Jahren bekannt“. Dazu gehörten beispielsweise unsinnige Vergleichsarbeiten. Aus seiner Sicht sei die Befragung nur der Versuch des Landes, auf Zeit zu spielen.

Lehrer an Grundschulen haben mit einer Wochenstundenzahl von 28 die höchste Unterrichtsverpflichtung im Land. Bei Hauptschullehrern sind es 26 Wochenstunden. Die niedrigste Stundenverpflichtung haben Gymnasiallehrer mit 23,5 Stunden. Der Versuch der rot-grünen Landesregierung, die Pflichtstundenzahl an den Gymnasien auf 24,5 Stunden anzuheben, ist gescheitert. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hat Lehrern recht gegeben, die gegen das Vorhaben geklagt hatten. Es könne auch nicht sein, dass Gymnasiallehrer an Integrierten Gesamtschulen weiterhin 24,5 Stunden je Woche unterrichten müssen, während die Pflichtstundenzahl für die Gymnasien per Gerichtsurteil wieder gesenkt worden sei, kritisiert die GEW.

Wichtig sei auch, Lehrer mit besonderen Aufgaben stärker von der Unterrichtsverpflichtung freizustellen, sagte Brandt. Dies könnten Klassenlehrer oder Lehrer an Brennpunktschulen sein sowie Pädagogen, die sich um die Schulbuchausleihe kümmern oder besonders korrekturaufwendige Fächer wie Deutsch in der Oberstufe unterrichten. Jede Schule solle selbst über einen Pool von Anrechnungsstunden verfügen.

Arbeitszeiten in der Schule

Arbeitszeit ist mehr als Unterricht: Lehrer in Niedersachsen haben – wie andere Landesbeamte auch – eigentlich eine 40-Stunden-Woche und sechs Wochen Urlaub. Die Schulferien machen die Berechnung der Arbeitszeit allerdings kompliziert. Nicht in der kompletten unterrichtsfreien Zeit (Oster-, Pfingst-, Herbst-, Sommer- und Weihnachtsferien) haben Lehrer tatsächlich frei. In den Schulwochen kommen sie oftmals auf deutlich höhere Arbeitszeiten als eine 40-Stunden-Woche. Nach Zählung von Lehrergewerkschaften sind 50 bis 60 Stunden keine Seltenheit; gearbeitet werde oft bis spätabends und auch am Wochenende, sagen sie.

Eine kleine GEW-Studie zur Arbeitszeit an der Tellkampfschule in Hannover ergab, dass die Pädagogen im Schnitt auf eine 49-Stunden-Woche kamen; die unterrichtsfreie Zeit eingerechnet. Neben dem Unterricht im Klassenraum sowie der Vor- und Nachbereitung gehören zur Tätigkeit der Lehrer auch Korrekturen, Konferenzen, Elternabende, das Verfassen individueller Lernberichte und Zeugnisse, aber auch die Begleitung bei Klassenfahrten oder Schulausflügen. Das Kultusministerium verweist stets darauf, dass Lehrer ihre Arbeitszeit außerhalb des Schulunterrichts frei einteilen könnten. Wer zu viele Vorgaben mache, schränke die pädagogische Freiheit ein.

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