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Lehrerverbände fordern Notfallplan für Schulen

Schulpflichtige Flüchtlingskinder Lehrerverbände fordern Notfallplan für Schulen

In diesem Jahr werden rund 30.000 Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter nach Niedersachsen kommen. Die Lehrerverbände schlagen deshalb Alarm und fordern mehr Hilfe seitens der Politik. Die Landesregierung hat bereits Gespräche angeboten.

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Flüchtlingskinder in der Schule: „Wir brauchen auch Dolmetscher und Sozialarbeiter“.

Quelle: dpa (Archiv)

Hannover. Angesichts von rund 30.000 schulpflichtigen Flüchtlingskindern, die in diesem Jahr nach Niedersachsen kommen, fordern die Bildungsverbände dringend mehr Hilfe für die Schulen. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept des Landes“, sagt Eberhard Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die GEW entwickelt derzeit mit anderen Verbänden einen entsprechenden Forderungskatalog an Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Am Dienstag sollen Eckpunkte des Papiers vorgestellt werden. Viele Instrumente etwa zur Sprachförderung seien schon vorhanden, sie müssten jetzt aber an die neue Dimension der Flüchtlingszahlen angepasst werden, so Brandt.

„Es ist immer hilfreich, größere Herausforderungen gemeinsam anzugehen und gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden“, sagt Ministerin Heiligenstadt dazu auf Anfrage der HAZ. Sie wolle in den kommenden Wochen die Verbände zu gemeinsamen Gesprächen einladen. „Niedersachsen hat viele Vorbereitungen getroffen und die Grundlagen für die Beschulung von Flüchtlingskindern gelegt. Doch wir haben es hier mit einer besonderen Situation zu tun, in der viele Köpfe und Hände gefragt sind.“

„Wir brauchen auch Dolmetscher und Sozialarbeiter an den Schulen“, fordert Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes. „Das Thema wird uns auch in den nächsten Jahren begleiten“, sagt Wolfgang Schimpf von der Direktorenvereinigung. Viele der syrischen Familien beispielsweise blieben sicher dauerhaft in Deutschland. Die Integration von Flüchtlingen ist das Hauptthema zu Beginn des neuen Schuljahres.

Wer soll den Sprachunterricht geben?

Neue Sprachlernklassen in Hannover: Ursprünglich sollte die Landeshauptstadt, in der bis Ende 2016 rund 2500 schulpflichtige Flüchtlingskinder erwartet werden, nur mit einer Sprachlernklasse zusätzlich ins neue Schuljahr starten. Jetzt steuert die Landesschulbehörde nach und genehmigt fünf weitere Sprachlernklassen an Grundschulen – und zwar an den Standorten Fuhsestraße im Stadtteil Leinhausen, Beuthener Straße (Mittelfeld), Hägewiesen und Tegelweg im Sahlkamp und Kurt-Schumacher-Grundschule in Anderten.

Möglich sind kurzfristig fünf weitere Sprachlernklassen an anderen Schulen, wenn entsprechend geschulte Lehrkräfte vorhanden sind. Infrage kommen dabei das Kurt-Schwitters-Gymnasium in Misburg und die Helene-Lange-Schule in Linden. Wer eine Sprachlernklasse unterrichtet, muss nach den geltenden Vorschriften in „Deutsch als Zweitsprache“ ausgebildet worden sein. Mit den vorhandenen Lehrern dürfte dies unmöglich sein, viele Pädagogen müssten eine Fortbildung machen – wenn es bei der Regel bleibt. Schulen können eine Sprachlernklasse beantragen, wenn sie mindestens zwölf Schüler ohne Deutschkenntnisse haben.

Aber auch sonst stehen die Schulen vor großen Herausforderungen:

Sinkende Schülerzahlen: Die Zahl der Schüler in Niedersachsen geht weiter zurück - von 850 000 Schülern im vergangenen Jahr auf 838 000, auch die Zahl der Erstklässler geht zurück. Am Sonnabend werden etwa 68 000 Kinder eingeschult, 2000 weniger als 2014. Steigende Schülerzahlen verzeichnet dagegen Hannover, hier entstehen zwei neue Grundschulen.

Zurück zu G 9: An den Gymnasien wird wieder das Abitur nach 13 Jahren eingeführt. Alle Schulen mussten ihre Lehrpläne umstellen, viele Fächer werden jetzt nur noch halbjährlich und nicht mehr durchgängig unterrichtet. Klarer Gewinner ist das Fach Politik/Wirtschaft mit deutlich mehr Stunden.

Keine Laufbahnempfehlung mehr: An den Grundschulen entfällt künftig die Empfehlung für Haupt-, Realschule oder Gymnasium am Ende der 4. Klasse. Stattdessen gibt es ein Beratungsgespräch für Eltern.

Weniger Unterricht: Gymnasiallehrer müssen ab sofort wieder nur 23,5 Stunden in der Woche unterrichten. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte das Land zur Rücknahme der Unterrichtsverpflichtung gezwungen.

Mehr Inklusion: Schüler mit Handicap, die in die Jahrgänge 1, 2, 3 sowie 5, 6 und 7 gehen, haben jetzt einen Rechtsanspruch auf Unterricht an einer Regelschule.

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