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Niedersachsen Lernte Anis Amri bei Hildesheimer Salafisten?
Nachrichten Politik Niedersachsen Lernte Anis Amri bei Hildesheimer Salafisten?
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06:00 12.01.2017
Nach dem Anschlag wurde Anis Amri in Brüssel fotografiert.  Quelle: Federal Police/dpa
Hildesheim

In nur wenigen Jahren ist Hildesheim zu einem bundesweiten Anlaufpunkt für Salafisten und Dschihadisten geworden. Auch der Berliner Attentäter Anis Amri war dort zu Gast und wurde mindestens einmal von den Sicherheitsbehörden zweifelsfrei identifiziert. Wie wichtig war die Station in der Domstadt bei der Radikalisierung des Tunesiers? Seit wann wissen die Sicherheitsbehörden, dass die Moschee ein Anlaufpunkt für Radikale und Gefährder ist - und warum haben sie nichts dagegen unternommen? Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist vom „Deutschsprachigen Islamkreis“ (DIK) in Hildesheim bekannt?

Im Jahr 2011 wurde der DIK in Hildesheim gegründet. Innerhalb weniger Jahre wurde er zu einer der wichtigsten Adressen der radikalen Islamisten in Deutschland. 2012 bekannte er sich laut niedersächsischem Verfassungsschutzbericht zur salafistischen Ideologie. Im selben Jahr begannen die Initiatoren des Vereins, Kontakte zu bekannten Hasspredigern der Szene zu knüpfen. Darunter war auch der Deutsch-Iraker Abu Walaa, der spätestens ab März 2013 Seminare in der Hildesheimer Moschee anbot. Im Juli 2016 durchsuchte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die Moschee. Eine weitere Razzia gab es im August. Im November wurden Abu Walaa und vier Mitstreiter verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, Männer für den Krieg in Syrien vorbereitet zu haben. Niedersachsen prüft aktuell ein Verbot des Moscheevereins.

Hat Anis Amri in Hildesheim für seinen Anschlag trainiert?

Das ist nicht eindeutig geklärt. Die Sicherheitsbehörden haben im Landtag bestätigt, dass Amri im Februar 2016 in Hildesheim fotografiert worden ist. Nach Berichten von „Süddeutscher Zeitung“ (SZ), NDR und WDR hat Amri möglicherweise aber länger in Hildesheim gewohnt und eine Art Ausbildung bekommen. So soll er an Gewaltmärschen mit schweren Rucksäcken teilgenommen haben, um fit für einen möglichen Kriegseinsatz für den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien zu werden - offiziell bestätigt wurden die Berichte nicht. Der Zeitung zufolge haben Zeugen erklärt, dass Amri in Hildesheim häufig von Anschlagsplänen geredet haben soll.

Gehörte Amri zum Kreis des Top-Islamisten Abu Walaa, der im November in Hildesheim verhaftet wurde?

Anis Amri hatte nach „SZ“-Berichten bereits 2015 erste Kontakte zu Abu Walaas Netzwerk aufgenommen und war seinetwegen nach Hildesheim gereist. Als der innere Führungskreis von Abu Walaa verhaftet wurde, wusste der Generalbundesanwalt auch von Amri, ließ ihn aber laufen, weil er ihn nicht zu den Vertrauten des Hasspredigers rechnete. Stattdessen wurde die Berliner Staatsanwaltschaft beauftragt, gegen Amri wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat zu ermitteln.

Hatte Amri bei seinem Anschlag Unterstützer aus Hildesheim?

Es gab eine Person in Hildesheim, zu der Amri Kontakt hielt. Hinweise auf einen Unterstützer, der ihm beim Anschlag geholfen hat, gibt es aber bislang nicht. Ein Bericht, wonach Amri noch im Dezember in Hildesheim gesehen worden sein soll, gilt als nicht verlässlich. Es gibt zudem kein Anzeichen, dass Amri bei seiner Flucht aus Berlin in Richtung Niederlande einen Stopp in Hildesheim eingelegt hat.

Warum haben die Behörden den Verein so lange unbehelligt gelassen?

Verfassungsschutz und Landesregierung betonen, dass sie den Verein schon sehr früh beobachtet haben. Experten weisen zudem darauf hin, dass es mitunter schwer sein kann, gerichtsfeste Beweise für radikales Verhalten zu bekommen. So wüssten die meisten Prediger sehr genau, wie weit sie in der Öffentlichkeit gehen könnten, und würden nur in sehr kleinem Kreis strafrechtlich relevante Botschaften verbreiten. Kritiker meinen aber, dass die Landesregierung zu zögerlich war. „Ganz offensichtlich hat Innenminister Boris Pistorius den DIK Hildesheim und dessen Bedeutung für die Islamistenszene unterschätzt“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Nacke.

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