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Mädchen darf Nikab in der Schule tragen

Vollverschleierung im Unterricht Mädchen darf Nikab in der Schule tragen

Der Fall einer Zehntklässlerin, die seit Jahren voll verschleiert zum Unterricht erscheint, beschäftigt das niedersächsische Kultusministerium und die Landesschulbehörde. In der Politik wird der Vorgang kontrovers diskutiert. Die Schülerin aus Belm bei Osnabrück darf vorerst weiterhin am Unterricht teilnehmen.

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Das Tragen eines Nikab im Unterricht wird in der Politik kontrovers diskutiert.

Quelle: dpa

Belm. Der Fall ist sensibel. Im Sommer 2013 kam das Mädchen unvermittelt mit dem Gesichtsschleier aus den Ferien. Der Nikab lässt nur einen Schlitz über den Augen frei. Die Schule ließ die Schülerin über Jahre gewähren, obwohl die Vollverschleierung nach Angaben des Kultusministeriums in öffentlichen Schulen nicht zulässig ist. Alle Versuche, das Mädchen und dessen Mutter zu einem Sinneswandel zu bewegen, scheiterten. Da die Schülerin noch der Schulpflicht unterliegt, habe man den Nikab toleriert, erklärte gestern ein Sprecher von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Die Schulleiterin hatte den Fall erst im August der Landesschulbehörde gemeldet – nachdem das Verwaltungsgericht Osnabrück einer 18-Jährigen mit Nikab den Besuch eines Abendgymnasiums verwehrt hatte. 

Kultusministerin Heiligenstadt wollte sich auf Anfrage der HAZ nicht äußern. Ihr Sprecher teilte mit, es werde weiter „intensiv in Gesprächen daran gearbeitet, dass der Nikab abgelegt wird“. Es habe drei ähnliche Fälle gegeben, in denen dies auch gelungen sei. Die Landesschulbehörde erklärte, man habe den Nikab auch deshalb toleriert, damit für die Schülerin der Weg zu einem Schulabschluss offen bleibe. Es sei zu keinen Störungen des Schulfriedens gekommen.

Die politischen Reaktionen auf den Vorgang fielen unterschiedlich aus. Bernd Althusmann, designierter Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl, sagte der HAZ, er wundere sich, dass die Vollverschleierung der Schülerin erst nach Jahren problematisiert werde. „Es muss an Schulen selbstverständlich sein, dass Gesicht gezeigt wird“, sagte Althusmann. Davon müsse man das Mädchen überzeugen. Mit dem Bildungsauftrag von Schule sei die Vollverschleierung rechtlich und pädagogisch nicht zu vereinbaren. Althusmann war früher selbst Kultusminister. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Jens Nacke, befürchtet eine Störung des Schulfriedens. Der Nikab sei „weder Mitschülern noch Lehrern zuzumuten“. Auch Björn Försterling (FDP) rügt das späte Tätigwerden der Schulverwaltung. Er warnte davor, das Mädchen vom Unterricht auszuschließen: „Damit liefe man Gefahr, sie in die Radikalisierung zu treiben.“ Man müsse nach dem Fall der hannoverschen Schülerin Safia S., die im Hauptbahnhof einen Polizisten verletzte, sensibel sein.

Die Grüne Julia Willie Hamburg erklärte dagegen, es sei „brandgefährlich, einen pauschalen Zusammenhang zwischen Schleier und Radikalisierung zu konstruieren“. Der Nikab sei kein Hinweis auf eine Radikalisierung.

Von Karl Doeleke und Saskia Döhner

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