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Niedersachsen McAllister geht bei Schlesiertreffen vorzeitig
Nachrichten Politik Niedersachsen McAllister geht bei Schlesiertreffen vorzeitig
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14:16 27.06.2011
Von Klaus Wallbaum
David McAllister ging etwa zur Halbzeit der Pawelka-Rede. Quelle: dpa
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Hannover

Zuvor hatte McAllister die Vertriebenen ermuntert, „eine Brücke zwischen Deutschland und Polen zu bauen“.

Regelmäßig alle zwei Jahre kommen mehrere Tausend Heimatvertriebene aus Schlesien und ihre Nachkommen in Hannover zusammen, Niedersachsen ist das Partnerland der Landsmannschaft. Immer wieder hatte es im Vorfeld dieser Treffen Misstöne wegen der Auftritte Pawelkas gegeben. McAllisters Vorgänger Christian Wulff pflegte 2007 und 2009 deshalb schon vor Beginn der Pawelka-Rede zu gehen. In diesem Jahr verzichtete Wulff als Bundespräsident auf eine Grußbotschaft für das Treffen auf dem Messegelände.

Die Hauptkundgebung des Schlesiertreffens am Sonntag begann mit der Mahnung McAllisters, für ein besseres Miteinander von Deutschen und Polen zu arbeiten. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein Unrecht und müsse auch so genannt werden. Aber man dürfe das Leid „nicht aufrechnen“, rief McAllister. Er hoffe auf eine Verständigung über eine zentrale deutsche Ausstellung zur Vertreibung, die von der Bundesstiftung erarbeitet werden müsse.

Nach McAllister sprach Pawelka, der sich in seiner einstündigen Rede fast ausschließlich mit Einschätzungen zur deutsch-polnischen Geschichte beschäftigte. Die Polen seien in den zwanziger Jahren im oberschlesischen Annaberg eingefallen, die Deutschen hätten sich „nur verteidigt“. In der Debatte über ein Zentrum gegen Vertreibungen werde „die polnische Gewaltpolitik vor 1939 nicht erwähnt“. Pawelka erwähnte, dass in Deutschland „90-jährige Männer vor Gericht gestellt werden“, die für das NS-Regime gewirkt hatten. „Ich würde es begrüßen, wenn sich wenigstens auch die Leiter der Todeslager, die Massenmorde an Deutschen begangen haben, verantworten müssten.“
Wenig später sagte der Vorsitzende der Landsmannschaft, auch die Polen seien „am Holocaust beteiligt“ gewesen, da Überlebende der Konzentrationslager zu Opfern der Vertreibung zählten. Er erwarte eine „offizielle Entschuldigung von Polen und Tschechien für die Vertreibung“, fügte Pawelka hinzu.

McAllister ging etwa zur Halbzeit der Pawelka-Rede. Er trat den Weg zu seinem nächsten Termin an – dem Besuch der deutschen Polo-Meisterschaft in Maspe bei Hannover. Dort zeigte sich der Ministerpräsident sehr verstimmt über den Auftritt des Schlesier-Vorsitzenden. McAllister sprach von einer „wirren Rede“.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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