Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Trotz Klagen

Mega-Schlachthof in Wietze nimmt Produktion auf


Kein Festakt mit den örtlichen Honoratioren, keine Blaskapelle, kein Band, das symbolisch zerschnitten wird – in aller Stille hat am Montag der umstrittene Geflügelschlachthof in Wietze bei Celle seine Produktion aufgenommen.
Das Gelände in Wietze ist von einem hohen Zaun umgeben

Das Gelände in Wietze ist von einem hohen Zaun umgeben

© Müller

Wietze. Wie der zur Rothkötter-Gruppe gehörende Betreiber, die Celler Land Frischgeflügel mitteilte, schlachten, zerteilen und verpacken seit Montagmorgen 325 Arbeiter in Wietze Hähnchen. Weitere Arbeitsplätze seien in der Verwaltung, der Lagerung und im Transport entstanden. Der überwiegende Teil der neuen Mitarbeiter stamme aus der Region, sagte Geschäftsführer Franz-Josef Rothkötter im emsländischen Haren. Es sind nach Angaben von Rothkötter keine Billigjobs, die in Wietze geschaffen wurden. Für alle Mitarbeiter würden Sozialabgaben fällig.

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann (CDU) erhofft sich von dem Schlachthof daher auch einen positiven Effekt für die Entwicklung seiner Gemeinde: „Nach zum Teil langjähriger Arbeitslosigkeit haben über 300 Arbeitnehmer wieder eine Beschäftigung und Lebensperspektive gefunden“, sagte der Bürgermeister. Für den Ort rechnet er mit neuen „finanziellen Handlungsspielräumen“ durch steigende Steuereinnahmen. Im Vollbetrieb sollen in Wietze einmal bis zu 2,6 Millionen Hähnchen in der Woche verabreitet werden. Unter der Voraussetzung würden laut Bürgermeister Klußmann bis zu 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Damit stünde Europas größte Schlachtanlage im Kreis Celle.

Gegner des riesigen Schlachthofes, dem oft ein „Mega“ vorangestellt wird, kritisierten den Produktionsbeginn, da derzeit noch Klagen gegen den Bebauungsplan und gegen die Genehmigung des Landes anhängig sind. „Das ist der Versuch, Fakten zu schaffen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative Wietze, Uschi Helmers.

Die Bürgerinitiative aus Anwohnern und Tierschützern bekämpft den Schlachthof von Beginn an. Rund 15 Mitglieder versammelten sich am Werkstor zu einer Mahnwache. Die Kritiker fürchten neue Belästigungen durch zusätzlichen Verkehr und Belastungen, die von neuen Hähnchenmastanlagen in der Region ausgehen könnten, sowie die Beeinträchtigung der Aller durch Schlachtabwässer. Gegen das Projekt haben sich mehr als 20 Bürgerinitiativen gegründet. Sie wenden sich bis in den Raum Peine südlich von Hannover gegen neue Mastanlagen, die ausschließlich für den Wietzer Schlachthof produzieren sollen. Von bis zu 400 neuen Ställen mit jeweils 40 000 Hähnchen ist die Rede.

Nach Einschätzung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Christian Meyer, geht die Planung nicht auf. Es sei „hochgradig fraglich“, ob der Schlachthof eine Zukunft habe.

In Deutschland würde bereits jetzt Hähnchenfleisch über den Bedarf hinaus produziert. Der Agrarpolitiker hält den Bebauungsplan außerdem für fehlerhaft und die anhängigen Klagen daher für aussichtsreich. „Sie können das vorzeitige Aus bedeuten“, sagte der Grüne. Rothkötter stehe schon jetzt unter Druck: Fänden sich keine 400 Landwirte, die für den Schlachthof mästen wollten, müsste das Unternehmen 6,5 Millionen Euro Fördergeld an das Land zurückzahlen.

Karl Doeleke

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Artikel

Anzeige

Politik kompakt

Aus meinem Papierkorb

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Testen Sie Ihr Wissen

Madsack im Gespräch

Das Madsack-Hauptstadtstudio.

Unsere Redakteure im Hauptstadtbüro führen TV-Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

Angst vor Austritt
Foto: Die Angst vor dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone belastet die europöäische Währung.

Auch an den Devisenmärkten wächst die Sorge um einen möglichen Euroaustritt Griechenlands. Anleger flüchten in sichere Häfen, der Euro geht auf Talfahrt. Wann und wo diese endet, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Wahlen in Griechenland ab - und vom Erfolg der Brandmauern.

Anzeige


Top