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Auslaufmodell Förderschule?

Inklusion Auslaufmodell Förderschule?

Immer mehr Kinder mit Handicap besuchen Regel-, statt Förderschulen. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt spricht von einem „Erfolgsmodell“. Die Opposition rügt, dass Eltern oft keine andere Wahl hätten, da ihre Kinder an Förderschulen nicht mehr betreut werden können.

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„Eltern wollen und wählen das Erfolgsmodell inklusive Schule“, ist Kultusminsterin Heiligenstadt überzeugt.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Immer mehr Eltern von behinderten Kindern entscheiden sich für eine Regelschule. Wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Freitag in Hannover mitteilte, liegt der Anteil der Kinder in den Jahrgängen 1 bis 7, die ein Handicap haben und keine Förderschule besuchen, mittlerweile bei 58,5 Prozent. Im vergangenen Schuljahr waren es noch 44,9 Prozent. „Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen ist ein Erfolgsmodell“, sagte die SPD-Politikerin. Knapp 15 400 der insgesamt 26 300 behinderten Kinder wurden an einer Regelschule angemeldet, für eine Förderschule entschieden sich 10 900. „Eltern wollen und wählen das Erfolgsmodell inklusive Schule“, ist die Ministerin überzeugt.

Während Alfred Bauer vom Sozialverband vom Land mehr Tempo beim Ausbau des gemeinsamen Unterrichts fordert, sehen Lehrerverbände, Eltern- vertreter und Opposition wenig Grund für Euphorie. Familien entschieden sich nicht aus freien Stücken für die Regelschule: „Die Statistik spiegelt kein Bild des Wollens, sondern zum Großteil ein Bild des Müssens wider“, sagte etwa FDP-Schulexperte Björn Försterling.

Denn die Hälfte der Kinder, bei denen ein Förderbedarf festgestellt werde, hätte eine Lernschwäche, und genau diese Förderschulen liefen langsam aus. Eltern von Erst-, Zweit- oder Drittklässlern, deren Kind eine Lernschwäche habe, könnten nur noch eine Regelschule wählen, weil diese Jahrgänge an Förderschulen gar nicht mehr unterrichtet würden. Auch Anika von Bose vom Arbeitskreis Inklusion des Stadt- und Kreiselternrats Celle sprach von Schönfärberei. Heiligenstadt entgegnete, selbst im fünften Jahrgang, in dem es noch entsprechende Förderschulen gebe, wählten 59 Prozent der Eltern eines lernschwachen Kindes die Regelschule. Kai Seefried (CDU) forderte dennoch den Erhalt der Förderschulen Lerrnen: „Eltern wollen Wahlfreiheit.“

Die meisten Schüler mit Handicap gehen auf Grund-, Gesamt, oder Hauptschulen, kaum eines besucht das Gymnasium. Von 77 700 Schülern in den Jahrgängen 5 bis 7 an den Gymnasien haben nur 39 eine Lernschwäche, immerhin 124 sind verhaltensauffällig, dazu gehören etwa Schüler mit Autismus oder einem Asperger-Syndrom.

Die Pädagogen an den Regelschulen würden mit der Situation alleingelassen, kritisierte Manfred Busch vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte. Und auch Matthias Ahäuser vom Regionselternrat Hannover sah wenig Anlass für Zufriedenheit. Angesichts der schlechten Unterrichtsversorgung an den Förderschulen und dem Mangel an Sonderpädagogen könne man nur mit Vorsicht von einem Erfolg sprechen, sagte er.

Heiligenstadt verwies darauf, dass die Zahl der Studienplätze für Sonderpädagogen auf 400 verdoppelt worden sei und es berufsbegleitende Fortbildungen für Lehrer gebe. Elternrat Anhäuser hielt dagegen: Ein paar Wochen Fortbildung könnten kein jahrelanges Studium ersetzen.

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