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Niedersachsen „Der Menschenhandel ist familiär organisiert“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Der Menschenhandel ist familiär organisiert“
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16:55 05.04.2018
Berliner Sexarbeiterinnen haben am Freitag (08.12.17) vor dem Rathaus Schoeneberg gegen ihre Zwangsregistrierung protestiert.   Quelle: Christian-Ditsch.de
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Hannover

 Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung ist ein Verbrechen, das schwer zu verfolgen ist. Zwischen 400 und 500 Fälle werden pro Jahr in Deutschland davon aktenkundig. Eine neue, bisher unveröffentlichte Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) hat sich mit der Frage beschäftigt, wer die Täterinnen und Täter sind. Antwort: Sie sind arm, ungebildet und viele von ihnen kommen aus dem Osten. „Der Menschenhandel ist meist familiär organisiert“, sagt Bettina Zietlow, die mit dem Kriminologen Dirk Baier die Studie verfasst hat.

Das Forschungsinstitut hat für seine Studie eine umfangreiche Aktenanalyse der polizeilich zwischen 2009 und 2013 registrierten Fälle von Menschenhandel erstellt, sowie Zuhälter als auch Freier befragt – ein bisher bundesweit einmaliges Projekt. 27 Prozent der Täter sind Deutsche, doch zieht man Täter aus Bulgarien (17 Prozent), Rumänien (10,7 Prozent), Ungarn (5,8 Prozent) dem ehemaligen Jugowslawien und Albanien (5,6),  der ehemaligen Sowjetunion (3,9) und dem restlichen Ostmitteleuropa (6,3 Prozent) hinzu, kommen die meisten Täter aus dem Osten. Meist sind es Männer (73,4 Prozent), die Frauen zur Prostitutition zwingen, wobei dies nach Zietlow ein schleichender Prozess ist. Nicht selten arbeiteten die Frauen zunächst freiwillig als Prostituierte, dann aber kehrten sich schnell die Verhältnisse um und würde aus dem freiwilligen Akt die Zwangsprostitution – erzwungen durch rohe Gewalt, Schikanen, Geldentzug oder das Verschwindenlassen von Ausweisen und Dokumenten.

Die Zuhälter seien in den meisten Fällen Einzeltäter, organisiertes Verbrechen bleibe entgegen allgemeiner Ansicht eher die Ausnahme, sagt Zietlow. „Was mich überrascht hat bei diesem Studium der Akten und Interviews, wie banal diese Delikte beginnen.“ Oft reisten Paare „ganz zivil“ aus einem östlichen Land aus und gingen die Frauen auch angesichts fehlender anderer Perspektiven in Bordellen oder für die Prostitution angemieteten Wohnungen „arbeiten“. Aus dem ehemaligen Freund oder Mann werde ein Zuhälter. In Deutschland sei auch durch die liberale Gesetzgebung, die erst in letzter Zeit durch das Prostituiertenschtzgesetz etwas verschärft worden sei, der Menschenhandel relativ einfach. „Man braucht keinen Keller, kein Verließ, keine falschen Pässe.“ Die Gesetzgebung habe dazu beigetragen, dass der Menschenhandel eher zu-  als abnehme.

Wegen der engen Beziehungen zwischen Tätern und Opfern sei die Strafverfolgung schwierig – ähnlich wie bei Fällen häuslicher Gewalt. In 42, 9 Prozent der Fälle erstatten die Opfer Anzeige, in 36,8 Prozent der Fälle die Polizei. Je besser die Polizei das Milieu kenne, desto erfolgversprechender die Strafverfolgung. Zietlow sagte, es sei prekär, dass es in Deutschland nur eine einzige Staatsanwaltschaft gebe, die sich ausschließlich auf Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung spezialisiert habe. Man brauche wesentlich mehr Fachdienstellen wie sie etwa die hannoversche Polizei eingerichtet habe.

Von Michael B. Berger

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