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Meyer will neue Antibiotika verbieten

Tiermast in Niedersachsen Meyer will neue Antibiotika verbieten

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer will bestimmte Antibiotika aus der Tierhaltung jetzt völlig verbannen. Dabei geht es um sogenannten Reserveantibiotika.

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„Die Wirkstoffe sollten für die Humanmedizin reserviert werden“: Neue Antibiotika sollen aus niedersächsischen Tierställen verschwinden.

Quelle: dpa

Hannover. Sie sollen laut einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Humanmedizin vorbehalten sein. Die Mittel kommen immer dann zum Einsatz, wenn herkömmliche Antibiotika nicht mehr gegen Infektionen wirken, weil die Keime Resistenzen gegen sie gebildet haben.

Der Forderung der WHO schließt sich Niedersachsens Landwirtschaftsminister nun an. „Die neueren Wirkstoffe der dritten und vierten Generation sollten für die Humanmedizin reserviert werden“, sagte der Grünen-Politiker der HAZ. „Daher sollte man in Betracht ziehen, Reserveantibiotika für den Einsatz in der Massentierhaltung zu verbieten.“ Das gelte um so mehr, „wenn sie lediglich schlechte Haltungsbedingungen kaschieren sollen“.

Nach jüngsten Erhebungen sterben in der Europäischen Union jedes Jahr rund 25.000 Menschen, weil Antibiotika bei Infektionen nicht mehr anschlagen. Ärzte und Tierärzte machen dafür auch die Tierhaltung verantwortlich. Zuletzt war der Medikamenteneinsatz nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zwar gesunken - zugleich wurden aber mehr Antibiotika der jüngeren Generation auch in der Tiermast eingesetzt.

Nach Informationen der HAZ sind besonders Tierärzte und Landwirte in Niedersachsen für die Entwicklung verantwortlich. Das ist ebenfalls aus den Zahlen des Bundesamts zu entnehmen. Demnach hat der Verbrauch der Reserveantibiotika zwischen 2011 und 2013 bundesweit um rund vier Tonnen zugenommen - wobei allein die Hälfte der zusätzlichen Mittel an Tierärzte im Postleitzahlenbereich 49 ging. Dort im Emsland und in Südoldenburg befinden sich die großen Tierställe.

Für viele Ärzte und Tierärzte ist das eine alarmierende Entwicklung. Durch den zunehmenden Einsatz werde weitere Resistenzentwicklung befördert, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Tierärzteblatts. Seit Beginn der Datenerhebungen durch das BVL im Jahr 2011 sei der Verbrauch der wichtigen Reserveantibiotika um 25 bis 60 Prozent je nach Wirkstoffgruppe gestiegen. „Wir wiederholen daher unsere Forderung, diese unverzichtbaren Antibiotikaklassen unverzüglich für den exklusiven Einsatz in der Humanmedizin zu reservieren“, teilt die „Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung“ mit.

Zusätzliche Brisanz erhalten die Zahlen des BVL dadurch, dass die Reserveantibiotika der jüngeren Generation wesentlich geringer dosiert werden. Für den früheren südoldenburger Amtsveterinär Hermann Focke ist die Entwicklung „nicht überraschend“: Der Gesamtrückgang bei der Gabe von Antibiotika von knapp 170 Tonnen zwischen 2012 und 2013 sei mit der Gabe der Reservemittel „erkauft“ worden. „Die Anzahl der mit Antibiotika behandelten Tiere ist dabei gleich geblieben.“ Focke spricht von der „Antibiotikalüge“ und warnt vor einer gefährlichen Entwicklung.

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