Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Minister will Namen beschuldigter Betriebe veröffentlichen
Nachrichten Politik Niedersachsen Minister will Namen beschuldigter Betriebe veröffentlichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 28.02.2013
Von Karl Doeleke
Christian Meyer will im Betrugsskandal um falsch deklarierte Eier so schnell wie möglich die Namen der beschuldigten Betriebe veröffentlichen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen etwa 150 Betriebe aus Niedersachsen. Damit steht jeder fünfte Eierproduzent des Landes unter Verdacht des systematischen Etikettenschwindels.

Den Haltern wird unter anderem Betrug vorgeworfen, weil sie mehr Hühner eingestallt haben sollen als erlaubt. Betroffen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft sowohl Käfigeier als auch Boden-, Freiland- und Bio-Eier. Die Eier wurden falsch deklariert und teurer verkauft. Bio-Eier sind zum Beispiel 10 bis 15 Cent teurer als etwa Eier aus Bodenhaltung.

„Namhafte Unternehmen“ stehen auf der Liste

Sollte die Liste der Beschuldigten veröffentlicht werden, dürften auch bekannte Größen der Branche unter Rechtfertigungsdruck geraten. Es befänden sich „namhafte Unternehmen“ darauf, hieß es am Montag. So ist nach Informationen der HAZ aus Justizkreisen auch gegen den Vorsitzenden des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Wilhelm Hoffrogge, ein Ermittlungsverfahren eröffnet worden.

Hoffrogge betreibt in Dötlingen im Landkreis Oldenburg einen großen Hof mit Ackerbau, Pferdezucht, Schweinehaltung und Legehennen in Boden- und Freilandhaltung. Der Landwirt ist außerdem Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. Hoffrogge war am Montagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Lindemann weist Vorwürfe zurück

Zuvor hatte er in einem generellen Interview gegenüber der  Nachrichtenagentur dapd von Fehltritten einzelner Halter gesprochen. Diese würden überbewertet. Die Wettbewerber im Ausland böten viel schlechtere Haltungsbedingungen. Zu dem Betrugsvorwurf wollte sich der Geflügelwirtschaftsverband mit Sitz in Oldenburg nicht äußern: „Zunächst einmal muss die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungsergebnisse vorlegen“, sagte Geschäftsführer Dieter Oltmann der HAZ.

Der frühere Agrarminister Gert Lindemann (CDU) wies am Montag den Vorwurf zurück, die Verbraucher seien zu spät informiert worden. „Die Staatsanwaltschaft hat uns um Stillschweigen gebeten. Wir hatten kein Interesse, die Ermittlungen zu stören“, sagte Lindemann. Der Leiter der Staatsanwaltschaft in Oldenburg bestätigt das: „Wir waren bei unseren Durchsuchungen sehr erfolgreich, weil niemand damit gerechnet hat“, sagte Oberstaatsanwalt Roland Herrmann. Wären diese publik geworden, wären wohl Unterlagen vernichtet worden. „Es bestand keine Gesundheitsgefahr, und der finanzielle Schaden für den Einzelnen war relativ gering“, so Herrmann.

Agrarminister Meyer kündigte am Montag weitere Schritte an. So will er auch prüfen lassen, ob den Beschuldigten die Zulassung entzogen werden kann.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Niedersachsens neuer Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fordert einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Die Vorschläge von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) zu einem neuen Endlagersuchgesetz stimmten ihn „zutiefst misstrauisch“, sagte Wenzel der HAZ.

Michael B. Berger 23.02.2013

Die alten Minister haben ihre Büros geräumt, die neuen sind schon eingezogen. Aber viele Büros sind noch karg. Zum Einräumen fehlt den neuen rot-grünen Machthabern noch die Zeit.

Klaus Wallbaum 24.02.2013

Nach dem schlechten Abschneiden der NPD bei der Landtagswahl steht in Niedersachsen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes die Gründung eines Landesverbandes der Partei Die Rechte bevor. Unzufriedene NPD-Mitglieder wollten sich der neuen Partei anschließen, teilte der Verfassungsschutz am Donnerstag mit.

21.02.2013
Anzeige