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Niedersachsen Ministerin tadelt Hochschulpräsidentin
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00:16 21.08.2016
Von Michael B. Berger
Quelle: Gossmann/Heidrich
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Hildesheim

Der Zentralrat hatte sich bereits vor einem Jahr über ein Seminar zur „Sozialen Lage der Juden in Palästina“ beschwert, in dem antisemitisches Gedankengut vertreten werde. Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) verteidigte das Vorgehen ihres Hauses und kritisierte im Landtag das Kommunikationsverhalten von Hochschulpräsidentin Christiane Dienel in der Affäre, die der Hochschule sogar den Vorwurf eintrug, eine „Hass-Fabrik“ zu sein. Dienel hatte auf die Hassvorwürfe aus dem israelischen Außenministerium mit trotzigen Reaktionen im Kurznachrichtendienst Twitter geantwortet.

Das hätte die Hochschulpräsidentin besser unterlassen, sagte Heinen-Kljajic. „Aber die Professorin Dienel hat aus ihren Fehlern gelernt. Sie wäre glücklicher geworden, wenn sie über ihre Antwort eine Nacht geschlafen hätte“, sagte die Ministerin. Die Ministerin verteidigte aber das Vorgehen ihres Hauses, das bereits Ende Juli 2015 erstmals mit der Sache zu tun bekam. Denn zu dem damaligen Zeitpunkt hatte sich der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland mit besorgten Anfragen an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gewandt, der die Sache an das Wissenschaftsministerium weiterleitete.

Im Zuge der monatelangen Auseinandersetzung, die erst in diesem Sommer durch die „Jüdische Allgemeine“ öffentlich wurden, hatte die Hochschule zunächst eine „Neujustierung“ der einseitigen Lehrveranstaltung versprochen. Sie bestand darin, die Palästina-Veranstaltung mit einem Seminar über jüdisches Leben in Deutschland zu koppeln, zu dem es zunächst gar nicht kam, weil die vorgesehene Dozentin Rebecca Seidler eine Mitwirkung an dieser Veranstaltung ablehnte und die Seminarunterlagen durch die Antonio-Amadeu-Stiftung begutachten ließ. Die bezweifelte stark den wissenschaftlichen Charakter der Veranstaltung und bescheinigte ihr antisemitische Tendenzen. Die im Mai 2016 eingeschaltete Ethikkommission der HAWK sah hingegen keine unzulässige antisemitische Propaganda und ließ das Seminar weiterlaufen.

„Wir haben das Schreiben des Zentralrates sehr ernst genommen“, sagte Heinen-Kljajic am Donnerstag: „Es war zwingend notwendig, sich seitens der Fakultät mit diesem Seminar zu befassen. Allerdings, und das gehört ebenso zwingend zu der Bewertung: die Qualität von Texten und Quellenmaterial allein lässt keine abschließenden Aussagen über die Qualität einer Lehrveranstaltung zu.“ Deshalb habe man jetzt ein Gutachten des Zentrums für Antisemitismusforschung angefordert.

Heinen-Kljajic betonte, es sei unbestritten die Aufgabe der Fakultät einer Hochschule, für die hohe Qualität eines Lehrangebots einzustehen und diese auch ständig zu überprüfen – was nach Ansicht der Kritiker der HAWK über Jahre versäumt wurde. Das umstrittene Seminar ist inzwischen aus dem Vorlesungsverzeichnis gestrichen worden.

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