Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Kein Platz mehr für psychisch Kranke
Nachrichten Politik Niedersachsen Kein Platz mehr für psychisch Kranke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 14.07.2015
Von Karl Doeleke
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Hannover

Das geht aus dem aktuellen Bericht des Psychiatrieausschusses für das Jahr 2014 hervor. Bei den Kontrolleuren handelt es sich um Ehrenamtliche, die vom Landtagsausschuss in die Kliniken geschickt werden. Sie berichten von Menschen, die ohne richterlichen Beschluss an ihren Betten fixiert oder eingeschlossen wurden, von Patienten, die auf Klinikfluren übernachten mussten, oder von unerlaubter Videoüberwachung der Zimmer. Meist waren Personalmangel, Überbelegung oder ungeeignete Räumlichkeiten die Ursache für die Beanstandungen.

Vermehrt wendeten sich Mitarbeiter von Einrichtungen, aber auch Patienten und Angehörige an den Ausschuss, heißt es in dem Bericht. Jährlich werden etwa 100.000 Menschen mit psychischen Störungen stationär in Niedersachsen behandelt.

Dauerhafte Überbelegung

Ein zentrales Thema der Prüfer bleibt die dauerhafte Überbelegung der psychiatrischen Stationen in den Kliniken in Hannover. Hohe Belegungszahlen „führen zeitweilig zu deutlichen Einschränkungen der Versorgungsqualität der Patienten“. Einzelne Einrichtungen werden im öffentlichen Bericht nicht genannt. Nach HAZ-Informationen ist aber die Psychiatrie im Krankenhaus in Langenhagen gemeint, das zum Klinikum der Region Hannover gehört, sowie die Psychiatrie der Medizinischen Hochschule. In beiden Einrichtungen sei die Überbelegung der Regelfall, heißt es.

Stefan Bleich, ärztlicher Direktor der MHH-Psychiatrie, sagte der HAZ: „Es ist richtig, dass es in Spitzenzeiten zu Überbelegungen kommt.“ Die Flurbetten würden aber so schnell wie möglich abgebaut. Vom Regionsklinikum gab es am Freitag auf Anfrage keine Äußerung.

Reduzierung des Personals

Beim Ameos-Klinikum in Hildesheim wird über Konflikte in der Belegschaft berichtet, die darauf beruhen sollen, dass Pflegekräfte in eine Beschäftigungsgesellschaft ausgegliedert wurden. „Um Lohnkosten zu sparen“, werde ein Arbeitsklima erzeugt, das „den Erfordernissen therapeutischer und pflegerischer Arbeit entgegensteht“.

Aber auch in anderen Landesteilen lässt sich den Prüfern zufolge der Trend zu weniger Personal bei wachsender Patientenzahl und einem eingeschränkten therapeutischen Angebot beobachten. „Kritisch musste auch die Situation in einem Pflegeheim in Göttingen gesehen werden.“ Dort mussten sich offenbar demente Patienten in einem Raum mit einem sogenannten Trickschloss aufhalten, den sie ohne fremde Hilfe nicht verlassen konnten – sie wurden also quasi eingesperrt. Der Grund ist offenbar, dass es keinen Nachtdienst für die Station gab. In einem Heim in Wildemann im Harz stellten die Kontrolleure fest, dass ein Patient – offenbar ebenfalls aus Personalmangel – in seinem Zimmer am Bett fixiert und per Video überwacht wurde, was das Sozialministerium schon vor Jahren für grundrechtswidrig erklärt hat.

Ein Sprecher von Sozialministerin Cornelia Rundt sagte, die Zahl der Kritikpunkte sei zurückgegangen. Der Psychiatrieausschuss mache wichtige Arbeit, denn so würden Fehler frühzeitig aufgedeckt. Einzelne Einrichtungen seien zu Stellungnahmen aufgefordert worden.

Lob für Wunstorf und Wahrendorff

Gute Noten für zwei Krankenhäuser in der Region: „Erfreulicherweise gibt es Kliniken, die durch professionell betriebenes Belegungsmanagement in der Lage sind, Flurbetten und Überbelegungen nahezu vollständig zu vermeiden“, heben die Kontrolleure in ihrem Besuchsbericht für das Gebiet Hannover hervor. Hier seien das Klinikum Wahrendorff sowie die zum Klinikum Region Hannover gehörende Psychiatrie Wunstorf „positiv herauszuheben“, heißt es weiter.

Insbesondere im Fall der Psychiatrie in Wunstorf war das in der Vergangenheit anders. Das Haus war vor zwei Jahren vom Psychiatrieausschuss schwer kritisiert worden. Bei einem nächtlichen Besuch waren die Kontrolleure auf eine große Zahl dementer Senioren gestoßen, die die Nacht unter Neonlicht in einem Gemeinschaftsraum verbringen mussten. Das Regionsklinikum erklärte die Missstände damals damit, dass die Klinik zur fraglichen Zeit überbelegt gewesen sei.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Niedersachsen Niedersachsen startet Marktwächter-Portal - Neues Portal prangert Energie-Betrug an

Vertragsabschlüsse am Telefon, nicht gezahlte Prämien oder falsche Abrechnungen - manche Energieversorger arbeiten mit dubiosen Praktiken. Niedersachsen hat zusammen mit der Verbraucherschutzzentrale eine Anlaufstelle eingerichtet, die Beschwerden sammelt und Firmen abmahnen und verklagen kann.

13.07.2015
Niedersachsen Neue Koalition in Niedersachsen? - CDU-Fraktionschef wirbt um die Grünen

In einer Umfrage liegen Rot-Grün und die Opposition gleichauf. Das sei aber kein Patt, meint der Fraktionschef der CDU im Landtag, Björn Thümler - denn ein Bündnis aus CDU und Grünen hätte eine klare Mehrheit.

13.07.2015

Ursula von der Leyen hat bei ihrere Rede im Saal der CDU-Landtagsfraktion die aktuelle Flüchtlingssituation rund um das Mittelmeer dargestellt. Die Verteidigungsministerin berichtete über frappierende Zustände auf den Booten und verdeutlichte dies mit Hilfe von Bildern.

12.07.2015
Anzeige