Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Kein Platz mehr für psychisch Kranke

Missstände in Niedersachsens Kliniken Kein Platz mehr für psychisch Kranke

Eingesperrte Patienten, Betten auf Fluren und zu wenig Personal: In jeder vierten psychiatrischen Einrichtung in Niedersachsen haben Kontrolleure des Landtags zum Teil erhebliche Mängel gefunden.

Voriger Artikel
Neues Portal prangert Energie-Betrug an
Nächster Artikel
SPD und Grüne setzen Koalition in Bremen fort
Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Psychiatrieausschusses für das Jahr 2014 hervor. Bei den Kontrolleuren handelt es sich um Ehrenamtliche, die vom Landtagsausschuss in die Kliniken geschickt werden. Sie berichten von Menschen, die ohne richterlichen Beschluss an ihren Betten fixiert oder eingeschlossen wurden, von Patienten, die auf Klinikfluren übernachten mussten, oder von unerlaubter Videoüberwachung der Zimmer. Meist waren Personalmangel, Überbelegung oder ungeeignete Räumlichkeiten die Ursache für die Beanstandungen.

Vermehrt wendeten sich Mitarbeiter von Einrichtungen, aber auch Patienten und Angehörige an den Ausschuss, heißt es in dem Bericht. Jährlich werden etwa 100.000 Menschen mit psychischen Störungen stationär in Niedersachsen behandelt.

Dauerhafte Überbelegung

Ein zentrales Thema der Prüfer bleibt die dauerhafte Überbelegung der psychiatrischen Stationen in den Kliniken in Hannover. Hohe Belegungszahlen „führen zeitweilig zu deutlichen Einschränkungen der Versorgungsqualität der Patienten“. Einzelne Einrichtungen werden im öffentlichen Bericht nicht genannt. Nach HAZ-Informationen ist aber die Psychiatrie im Krankenhaus in Langenhagen gemeint, das zum Klinikum der Region Hannover gehört, sowie die Psychiatrie der Medizinischen Hochschule. In beiden Einrichtungen sei die Überbelegung der Regelfall, heißt es.

Stefan Bleich, ärztlicher Direktor der MHH-Psychiatrie, sagte der HAZ: „Es ist richtig, dass es in Spitzenzeiten zu Überbelegungen kommt.“ Die Flurbetten würden aber so schnell wie möglich abgebaut. Vom Regionsklinikum gab es am Freitag auf Anfrage keine Äußerung.

Reduzierung des Personals

Beim Ameos-Klinikum in Hildesheim wird über Konflikte in der Belegschaft berichtet, die darauf beruhen sollen, dass Pflegekräfte in eine Beschäftigungsgesellschaft ausgegliedert wurden. „Um Lohnkosten zu sparen“, werde ein Arbeitsklima erzeugt, das „den Erfordernissen therapeutischer und pflegerischer Arbeit entgegensteht“.

Aber auch in anderen Landesteilen lässt sich den Prüfern zufolge der Trend zu weniger Personal bei wachsender Patientenzahl und einem eingeschränkten therapeutischen Angebot beobachten. „Kritisch musste auch die Situation in einem Pflegeheim in Göttingen gesehen werden.“ Dort mussten sich offenbar demente Patienten in einem Raum mit einem sogenannten Trickschloss aufhalten, den sie ohne fremde Hilfe nicht verlassen konnten – sie wurden also quasi eingesperrt. Der Grund ist offenbar, dass es keinen Nachtdienst für die Station gab. In einem Heim in Wildemann im Harz stellten die Kontrolleure fest, dass ein Patient – offenbar ebenfalls aus Personalmangel – in seinem Zimmer am Bett fixiert und per Video überwacht wurde, was das Sozialministerium schon vor Jahren für grundrechtswidrig erklärt hat.

Ein Sprecher von Sozialministerin Cornelia Rundt sagte, die Zahl der Kritikpunkte sei zurückgegangen. Der Psychiatrieausschuss mache wichtige Arbeit, denn so würden Fehler frühzeitig aufgedeckt. Einzelne Einrichtungen seien zu Stellungnahmen aufgefordert worden.

Lob für Wunstorf und Wahrendorff

Gute Noten für zwei Krankenhäuser in der Region: „Erfreulicherweise gibt es Kliniken, die durch professionell betriebenes Belegungsmanagement in der Lage sind, Flurbetten und Überbelegungen nahezu vollständig zu vermeiden“, heben die Kontrolleure in ihrem Besuchsbericht für das Gebiet Hannover hervor. Hier seien das Klinikum Wahrendorff sowie die zum Klinikum Region Hannover gehörende Psychiatrie Wunstorf „positiv herauszuheben“, heißt es weiter.

Insbesondere im Fall der Psychiatrie in Wunstorf war das in der Vergangenheit anders. Das Haus war vor zwei Jahren vom Psychiatrieausschuss schwer kritisiert worden. Bei einem nächtlichen Besuch waren die Kontrolleure auf eine große Zahl dementer Senioren gestoßen, die die Nacht unter Neonlicht in einem Gemeinschaftsraum verbringen mussten. Das Regionsklinikum erklärte die Missstände damals damit, dass die Klinik zur fraglichen Zeit überbelegt gewesen sei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neue Zimmer in MHH eingerichtet
Prof. Peter Hillemanns (von links), die Eltern Sabine und André Lau mit Thore und Enna sowie Cornelia Rundt.

Die Medizinische Hochschule Hannover bietet Müttern und ihren Babys noch mehr Platz zur Erholung nach der Geburt. Am Montag ließ sich Sozialministerin Cornelia Rundt die fünf neuen Patientenzimmer zeigen.

mehr
Mehr aus Niedersachsen

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.