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Schwere Vorwürfe

Mobbing per Twitter bei der Piratenpartei

Von Klaus Wallbaum

Die Piratenpartei rühmt sich für ihren offenen, transparenten und vertrauensvollen Umgangsstil – doch jetzt wird intern ein Mobbingvorwurf erhoben. Der Hannoveraner Jörg Pfannschmidt, der am Wochenende bei den Wahlen zum Landesvorstand unterlegen war, sieht sich als Opfer einer Intrige.
Foto: Innerhalb der Piratenpartei gibt es den Vorwurf von Mobbing per Twitter.

Innerhalb der Piratenpartei gibt es den Vorwurf von Mobbing per Twitter.

© dpa

Hannover. Parteiinterne Gegner hätten sich während des Parteitags über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ verabredet und ein Mitglied vorgeschickt, das ihm dann bei der Kandidatenbefragung schwulenfeindliche Tendenzen unterstellte. „Das war meine Hinrichtung“, erklärt Pfannschmidt. Man habe ihn wohl für seine Kritik an hohen Funktionsträgern der Piraten abstrafen wollen.

Der Vorgang hat inzwischen in der Piratenpartei heftige Diskussionen ausgelöst. Pfannschmidt gilt als Kritiker des früheren Bundesvorsitzenden und hannoverschen Ratsherrn Dirk Hillbrecht, erst vor wenigen Wochen waren beide heftig aneinandergeraten. Pfannschmidt wirft Hillbrecht „Vetternwirtschaft“ vor, weil zu den Mitarbeitern der Rathausfraktion die Ehefrau eines Parteifreundes gehöre. Diese sei noch dazu im Ehrenamt Fraktionschefin der Grünen in einem hannoverschen Stadtbezirksrat. Hillbrecht weist die Anschuldigung von Pfannschmidt zurück. Die Personalpolitik sei rechtens. Er teilt auch den Mobbingvorwurf nicht. Ein Parteifreund, Wolf Liebetrau, zeigt allerdings Verständnis für die Verletztheit von Pfannschmidt. Tatsächlich sei die Befragung der Beisitzerbewerber beim Parteitag ausgeufert. „Dieses Kandidaten-Grilling ist nicht okay, wir müssen das aufarbeiten“, sagt Liebetrau. Manche Fragen seien „wie Schläge unter die Gürtellinie“ gewesen.

Einige in der Piratenpartei führen die schlechte Stimmung auf zwei Entwicklungen zurück. Zum einen seien nach der Kommunalwahl viele neue Mitglieder hinzugekommen, sogenannte „Neu-Piraten“, die nun am Erfolg politischer Aufsteiger teilhaben wollten. Eine Unsitte sei zudem die Eigenart, während der Parteitreffen unentwegt über Twitter, Facebook und andere Formen zu kommunizieren. „Wenn Piraten sich treffen, gibt es mindestens so viele Notebooks wie Teilnehmer“, sagt ein Vorstandsmitglied. Pfannschmidt spricht von einem „demokratischen Defizit“: „Man widmet sich mehr den Computern als den Menschen.“

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