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Niedersachsen Christiansen stärkt Glaeseker den Rücken
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00:15 14.02.2014
Von Klaus Wallbaum
Auf dem Weg ins Landgericht Hannover: TV-Talkerin Sabine Christiansen. Quelle: dpa/Archiv
Hannover

Ein Auftritt von 30 Minuten – und alle Punkte sind geklärt, alle Seiten sind zufrieden. Die Richterin unterbricht die Sitzung, die Fenster werden geöffnet, es wird mal durchgelüftet. Man ist gut gelaunt im Saal.

Am Dienstag hat Sabine Christiansen im Korruptionsprozess gegen den früheren Regierungssprecher Olaf Glaeseker ausgesagt. Die frühere „Tagesthemen“-Moderatorin und Talkmasterin, die sich als „Unternehmerin und Produzentin“ vorstellte, kennt Glaeseker schon länger, und mit dem ebenfalls angeklagten Eventmanager Manfred Schmidt ist sie sogar eng befreundet. Für das Landgericht Hannover war das ein guter Grund, ihre Kenntnisse über das Verhältnis von Schmidt und Glaeseker näher zu erfragen. Wenn es denn stimmt, dass beide gute Freunde sind, dann wären gegenseitige Einladungen womöglich ein üblicher Brauch zwischen ihnen – und der Vorwurf, es sei um Geschenke für dienstliche Leistungen Glaesekers gegangen, könnte im anderen Licht erscheinen.

Am Landgericht Hannover hat der Korruptionsprozess gegen den früheren Sprecher von Ex-Bundespräsident Christian Wulff begonnen. Olaf Glaeseker muss sich wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im Amt als Regierungssprecher in Niedersachsen verantworten.

Tatsächlich läuft es so. Christiansen spricht davon, dass Schmidt „keinen Geburtstag seines Freundes Glaeseker versäumen“ wollte, dass er immer Glaeseker treffen wollte, wenn er mal in Deutschland war. „Vertrauensvoll und warmherzig“ seien beide miteinander umgegangen. Hin und wieder sei der Eventmanager auch bei Glaeseker zu Hause in Steinhude gewesen – „zum Ausspannen, weg vom Trubel der Mediengesellschaft“.

Auch ein zweiter Vorwurf steht im Raum: Glaeseker habe als Gegenleistung dafür, dass er aus der Staatskanzlei heraus Sponsoren für die „Nord-Süd-Dialoge“ beschaffte, Urlaube auf Schmidts Anwesen in Spanien und Südfrankreich verbracht. Von „Luxusurlauben“ war die Rede. Christiansen kennt die Domizile, und sie äußert sich eher nüchtern über deren Ausstattung. „Hektisch und laut“ sei es auf der Finca in Spanien zugegangen. Einen längeren Aufenthalt in der Wohnung in Frankreich habe ihr Ehemann abgelehnt, fügt die Zeugin hinzu: „Mein Mann kannte den Ort und sagte: Dort gibt es nur eine Durchgangsstraße und einen schwarzen Strand.“ Außerdem hätte man bei Schmidt „auf Euro-Paletten und Matratzen schlafen müssen“, fügt Christiansen in lockerem Plauderton hinzu und sagt „’tschuldigung“ mit Blick zu Schmidt auf der Anklagebank. Anschließend herrscht im Gerichtssaal allgemeine Heiterkeit – auch bei Schmidt, der dem Prozess in den vergangenen Wochen nur still und stumm gefolgt war.

Vor dem Landgericht Hannover geriet am Dienstag noch die in Stuttgart gepflegte Legende ins Wanken, man habe aus der baden-württembergischen Staatskanzlei die Sponsorensuche für die „Nord-Süd-Dialoge“ deutlich zurückhaltender betrieben als in Niedersachsen. Der damalige Regierungssprecher Christoph Dahl trat als Zeuge auf und erklärte zunächst, man habe eine Lehre aus der „Traumschiff-Affäre“ rund um den einstigen Ministerpräsidenten Lothar Späth gezogen. Folglich sollten die Unternehmen aus der Staatskanzlei nicht direkt angesprochen werden. Dies gehe auf den damaligen Regierungschef Günther Oettinger zurück, der sein Umfeld ermahnt habe mit den Worten: „Birne einschalten, keine Fehler machen!“

Dass in Baden-Württemberg die Abläufe wirklich so viel anders waren als in Niedersachsen, wird aber durch einige Akten erschüttert, die von der Verteidigung verlesen wurden: Mehrere Unternehmen hatten offenbar ein Schreiben von Oettinger erhalten mit der Bitte, sich am „Nord-Süd-Dialog“ zu beteiligen. Das Büro des Regierungssprechers soll diese Liste sogar „abtelefoniert“ haben. Der Vorgang belegt, dass die von Glaeseker geübte Praxis, sich aktiv in die Suche nach Sponsoren für die von Schmidt organisierte Veranstaltung einzumischen, offenbar auch in Baden-Württemberg gepflegt wurde. Auch dieser Punkt könnte für Glaeseker entlastend sein.

So verläuft der Tag für die Angeklagten im Korruptionsprozess angenehm und hoffnungsvoll. Schon die Aussage von Christian Wulff am Montag, obwohl sie langatmig war und auf komplizierten Satzkonstruktionen aufbaute, war für Glaeseker und Schmidt entlastend.

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