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Autobahn 2

Neue Debatte über "Todesautobahn"

Von Karl Doeleke

Die beispiellose Unfallserie auf der Autobahn 2 hat zu einer neuen Debatte über Sicherheitsmaßnahmen auf Niedersachsens wichtigster Transitstrecke geführt.
259 Autos kollidierten auf der A2.

259 Autos kollidierten auf der A2.

© Stefan Simonsen/ddp

Am Sonntagabend waren zwischen Braunschweig und Lehrte binnen 20 Minuten 259 Fahrzeuge kollidiert. 66 Menschen wurden verletzt, 21 schwer. Zehn Unfallopfer schwebten vorübergehend in Lebensgefahr.

Die Polizei sprach am Montag von der größten Karambolage in der Geschichte der A 2. „Wir brauchen auf allen Transitstrecken in Niedersachsen eine elektronische Verkehrssteuerung mit flächendeckender Kameraüberwachung“, sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Enno Hagenah am Montag in einem Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Das kostet einige Millionen Euro, würde aber sofort zu mehr Verkehrssicherheit führen.“

Hagenah betonte, es sei dringender, in die Sicherheit der großen Transitstrecken zu investieren, als den Autobahnbau in der Lüneburger Heide, an der Küste und östlich von Osnabrück voranzutreiben. Die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie auf der A 2 seien auf der A 1 und auf der A 7 notwendig. Nach der Unfallserie vom Sonntagabend blieb die Autobahn 2 von Braunschweig-Nord an in Fahrtrichtung Hannover bis Montagmorgen gesperrt.

Nach Erkenntnissen der Polizei waren etliche Fahrer trotz Starkregens viel zu schnell unterwegs gewesen und hatten dabei einen zu geringen Abstand eingehalten. Viele seien zugleich durch die tief stehende Abendsonne geblendet worden. Eine Bilanz der insgesamt 73 einzelnen Unfälle konnte erst am Montagmorgen gezogen werden. Mehr als 350 Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdiensten waren im Einsatz. Die Feuerwehr richtete am Rand der Autobahn in zwei Zelten Verletztensammelstellen ein, von denen aus Hubschrauber und Krankenwagen die Opfer auf die Krankenhäuser der Region verteilten.

Schon in der Vergangenheit hatten Unfälle auf der bundesweit als Todesautobahn verrufenen A 2 die Politik beunruhigt. Bereits Ende 2008 hatte der damalige Landesverkehrsminister Walter Hirche (FDP) die Ausstattung der A 2 mit weiteren Verkehrsregelungssystemen in Aussicht gestellt. Der Bau von 19 neuen elektronischen Anlagen für eine variable Vorgabe des Tempolimits ist für 2010 vorgesehen. Schon seit dem Mauerfall hat der Verkehr auf der A 2, die unter anderem Rhein und Ruhr mit Berlin und Osteuropa verbindet, massiv zugenommen – was auch die Zahl der Unfälle steigen ließ.

Am Sonntag hatten die Opfer noch Glück im Unglück: Trotz der ungewöhnlich hohen Zahl von Unfallbeteiligten blieben die Zufahrten für die Rettungsfahrzeuge frei. Und wegen des Lkw-Fahrverbots am Sonntag fuhr nicht auch noch der Schwerlastverkehr in die bereits ineinander verkeilten Personenwagen.

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  • @ Neutraler Beobachter Hans – 21.07.09
    Enno Hagenah kann meiner Meinung nach keine ideologischen Grenzen überschreiten - dazu ist er viel zu sehr in seinen eigenen Grenzen limitiert und kennt beim Thema Strassenverkehr nur Bevormunden und Manipulieren der Bürger.
    Der Mann hat von den notwendigen Dingen für die Verbesserung der Sicherheit auf der A2 als Politiker schlicht keine Ahnung.
  • Politikerwahn Neutraler Beobachter – 21.07.09
    Da wird jemand von einer Partei zum "Verkehrsexperte der Grünen" gewählt. Man sollte meinen, das dieser Enno Hagenah ideologische Grenzen überschreitet und objektiv urteilen kann, wegen es Probleme im Strassenverkehr geht. Was sagt dieser Mann: "Überall Kameras und Verkehrsleitsysteme". Die Polizei sagt: Ursache sind extremer Starkregen, der plötzlich aufgetreten ist, kurz darauf starker Sonnenschein, der stark geblendet hat. Zusätzlich gab es noch einige Verrückte, die zu schnell gefahren sind. Punkt 1: Kein Verkehrsleitsystem der Welt hätte hier etwas ausrichten können, die bestehende Anlage rund um Hannover zeigt in der Regel Blödsinn an (Tempo 80 bei freier Autobahn, Tempo 120 bei starkem Schneefall) ich fahre dort jeden Tag und ärgere mich über die verschwendeten Millionen. Punkt 2: Selbst wenn eine sehr gut funktionierende Anlage Tempo 60 angezeigt hätte, wäre es zu den Unfällen gekommen, weil man einfach in der beschriebenen Situation nichts mehr sieht. Stehen bleiben wäre die einzige Variante gewesen - das ist aber auf der Autobahn unverantwortlich und verkehrstechnisch nicht machbar. Fazit: Dieser Unfall, so tragisch es ist, war nicht zu verhindern - die plötzlichen Wetterkapriolen sind nicht berechenbar und überfordern vielleicht auch den einen oder anderen Autofahrer. Zu meinen "wie bauen ein Verkehrsleitsystem und dann wird alles gut" ist im hohem Maß fahrlässig (hier wird eine Schein-Sicherheit vorgegaukelt) und muss bei den unverschuldeten Opfern dieser Katastrophe wie Hohn klingen.
  • Echte Polizisten sind wohl effektiver... LD-50 – 21.07.09
    ...als nahezu unsichtbare Kameras und eine elektronische Verkehrsüberwachung, die schon heute nur unzureichend funktioniert - eines von vielen beispielen war das Teilstück der A2 zwischen Bothfeld und Lahe Richtung Berlin,auf dem am Freitag nachmittags die Geschwindigkeit auf 80 begrenzt wurde, obwohl alle 3 Fahrspuren verhältnismäßig frei waren und demzufolge fast alles, was schneller fahren konnte, dies auch tat.

    Wäre ein Fest für die Autobahnpolizei geworden...natürlich nur dann, wenn sie auch vor Ort gewesen wäre. Aber dank der unsinnigen Einsparwut der Regierungen, die lieber Milliarden für sektfeiernde Banker ausgeben, anstelle auch nur einen Cent mehr als notwendig in die Sicherheit der Bürger zu investieren, haben schrottreife LKW und Raser mit Pferdeanhängern eben auch auf der A2 nahezu freie Fahrt, und daran werden auch Kameras nichts ändern.
    Wie denn auch, wenn niemand da ist, der die Daten auswertet...

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