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USA-Reise

Neue Erfahrungen für Wulff 
im Weißen Haus

Von Klaus Wallbaum

Christian Wulff ist sichtlich angetan von dem, was er gerade erlebt hat. Fröhlich geht er auf die Journalisten zu, scherzt und nimmt sich viel Zeit für Interviews. Soeben hat der niedersächsische Ministerpräsident das Weiße Haus verlassen, den Amtssitz des US-Präsidenten.
Christian Wulff

Christian Wulff

© ddp

Barack Obama hat er zwar nicht getroffen, aber immerhin seinen Sicherheitsberater James Jones. Eine halbe Stunde war für das Gespräch angesetzt, 50 Minuten sind es geworden.

Hier in Washington weiß man, wie nah Wulff an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel steht. So muss er auf einmal zu Details in Themen Auskunft geben, mit denen er sonst weniger zu tun hat – Deutschlands Beteiligung am Einsatz in Afghanistan, die neue Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation, der Nahe Osten.

Nach dem Termin bei Jones, als Wulff vor dem Weißen Haus in die Fernsehkameras spricht, werden die Teilnehmer einer Protestkundgebung auf ihn aufmerksam. Ein älterer Mann mit Transparent unterbricht ihn und skandiert: „America and Germany – out of Afghanistan“. Wulff stutzt eine Sekunde und spürt – nun ist er im internationalen Politikgeschäft angekommen. Der Mann aus Hannover genießt das wenig später sichtlich, als ihn die versammelten deutschen Journalisten in Amerikas Hauptstadt eingehend zu Deutschlands Rolle bei Friedensmissionen befragen.

Ein anderes Thema plagt viele in der 60-köpfigen Begleitgruppe von Wulff, vor allem viele Unternehmer und auch Wissenschaftler. Sie sehen offenbar wachsende Tendenzen in den USA, den Markt gegen ausländische Firmen abzuschotten. Siemens etwa wollte die Wagen für die geplante Schnellbahntrasse von San Francisco nach Los Angeles bauen, lag mit dem Angebot sogar weit vor der italienischen Konkurrenz. Dann aber wurde das Gerücht gestreut, Siemens treibe Geschäfte mit dem Iran – und prompt verpasste das deutsche Unternehmen in dem iran-kritischen Kalifornien den Zuschlag.

„Ich habe Sorge vor einem solchen subtilen Protektionismus“, meint Wulff und erwähnt die Probleme von MTU in Langenhagen bei Hannover: Ein im Kongress vorgelegter Gesetzentwurf sieht vor, jedem Unternehmen, das Triebwerke von Flugzeugen wartet, einen verbindlichen Alkoholtest aller Mitarbeiter abzuverlangen. Da das deutsche Recht solche Drogentests – im Unterschied zu den USA – nur auf freiwilliger Basis vorsieht, würde sich eine derartige Vorschrift gegen die deutsche Konkurrenz richten. Die weltweite Vernetzung sei längst so fortgeschritten, dass jede Abwehr gegen ausländisches Kapital wie aus einer anderen Zeit wirke, sagt Wulff.

Umso stärker widmet er sich am letzten Tag seiner US-Reise einem angenehmen Projekt, bei dem die amerikanischen Stellen jede nur mögliche Erleichterung gewährt hätten: In Chattanooga in Tennessee entsteht derzeit ein neues VW-Werk, in dem von 2011 an jährlich bis zu 150.000 neue Mittelklassewagen vom Band laufen sollen. 2000 Arbeitsplätze sollen entstehen, und Wulff ist überschwänglich voller Lob für die Politiker in Tennessee.

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