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Neue Geflügelmast-Studie deckt Tierschutzmängel auf

Arbeitsgruppe „Tierwohl“ Neue Geflügelmast-Studie deckt Tierschutzmängel auf

Die Tierschutzdebatte in Niedersachsen ist erneut angeheizt worden: Eine neue Geflügelmast-Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) hat Tierschutzmängel aufgedeckt. Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) kündigte derweil die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „mit der Überschrift „Tierwohl“ an.

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Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) stellte die Landwirtschaft in Niedersachsen erneut als vorbildlich dar.

Quelle: dpa

Eine neue Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) beschreibt gravierende Mängel in der Geflügelmast und heizt damit die Debatte über den Tierschutz in Niedersachsen an. Zwischen 58 und 100 Prozent der Masthühner leiden der Untersuchung zufolge unter entzündeten Fußballen, wenn sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben. Das wären in Niedersachsen nach Ministeriumsangaben jährlich bis zu 28,5 Millionen Tiere. Die Studie ist gestern auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht worden, nachdem Teile des Inhalts durchgesickert waren. Verfasst hat sie der Direktor des Instituts für Tierhygiene an der TiHo, Professor Jörg Hartung, gemeinsam mit einer Mitarbeiterin im Auftrag des Ministeriums.

Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) kündigte noch am selben Tag die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „mit der Überschrift „Tierwohl“ an. Während einer Verbandsversammlung des niedersächsischen Landvolks sagte die Ministerin, die Landwirtschaft in Niedersachsen sei vorbildlich. Landvolk-Präsident Werner Hilse sieht die Geflügelbranche zu Unrecht in Verruf gebracht. Es werde der Eindruck vermittelt, als gehe es in den Ställen nur noch um Tierquälerei.

Der Studie ist in zwei Ställen des TiHo-Forschungsguts Ruthe angefertigt worden. Ihr zufolge verursacht der Untergrund in den Ställen die schmerzhaften Entzündungen der Tiere: „Bereits ab Mitte der Mast“, schreiben die Verfasser, bildete sich im Stall „pappig-matschige Einstreu, und zwischen den Futter- und Wasserbahnen entstanden verkrustete, feste Platten aus Einstreu-Kot-Gemischen“.

Am letzten Masttag bewegten sich die Tiere gleichsam nur noch auf ihrem eigenen Kot. Die so beschriebenen Verhältnisse verstießen gegen geltendes Recht, das den „ständigen Zugang zur trockener, lockerer Einstreu“ vorschreibt, „die zum Picken, Scharren und Staubbaden geeignet ist“. Die Einstreu ist nicht das einzige Problem, das die Studie beschreibt: Auch die Vorschriften über den Raum, der den Tieren zur Verfügung stehen muss, über Licht und Belüftung werden kritisch gesehen: „Unklar ist, ob unter diesen Umständen eine verhaltensgerechte Unterbringung gemäß Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes möglich ist.“ Während der Hälfte der zehn beobachteten Mastdurchgänge seien mehr Tiere gestorben als erlaubt.

Die Landtagsopposition argwöhnte, das Agrarministerium habe die Studie wegen ihres Inhalts unterschlagen wollen, da sie bereits zwei Monate im Ministerium gelegen habe. Tatsächlich hat Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke die Untersuchung Ende Oktober in einer Sitzung des Agrarausschusses angesprochen und daraus Schlussfolgerungen für eine Überarbeitung des Tierschutzes gezogen. Von seinem Vorstoß musste Ripke später jedoch wieder Abstand nehmen.

Karl Doeleke

Dieser Artikel wurde erneut aktualisiert.

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