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Niedersachsen 1671 Schultoiletten müssen saniert werden
Nachrichten Politik Niedersachsen 1671 Schultoiletten müssen saniert werden
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19:47 27.09.2018
„Toiletten, die schon die Großeltern genutzt haben“: Die sanitären Anlagen in vielen niedersächsischen Schulen sind in einem katastrophalen Zustand. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Die Toiletten in vielen niedersächsischen Schulen sind teilweise in einem katastrophalen Zustand. Das Land hat deshalb vor einigen Wochen bei den Kommunen nachgefragt, wie viel Schulklos marode oder verdreckt sind – und dringend saniert werden müssen. Bisher haben sich 30 Kreise und Städte zurückgemeldet. Das erschreckende Ergebnis: 1671 Toilettenanlagen in 513 Schulen in Niedersachsen sind sanierungsbedürftig. Das Land schätzt die Kosten dafür auf 93,5 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP im Landtag zurück, die jetzt vorliegt.

„Hoher Investitionsstau“

„Das zeigt, dass es einen hohen Investitionsstau gibt, der jetzt abgearbeitet werden muss“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling der HAZ. „Die Bundesmittel werden dafür nicht ausreichen.“ Denn noch hätten sich viele Kommunen gar nicht gemeldet. Försterling warf der rot-schwarzen Landesregierung vor, bei der Sanierung der Toiletten getrödelt zu haben. Die Bundesmittel hätten viel schneller an die Kommunen durchgereicht werden können. „Jetzt müssen die Schüler noch ein Jahr lang auf die Toiletten gehen, die ihre Großeltern schon benutzt haben.“

Der Bund stellt von 2017 bis 2022 insgesamt 3,5 Milliarden Euro aus der Kommunalförderung für den gesamten Bereich der Schulsanierungen in den Ländern bereit. Auf Niedersachsen entfallen davon 280 Millionen Euro. Das Geld kann aber erst seit 30. Juni dieses Jahres abgerufen werden, weil bis dahin eine gesetzliche Regelung in Niedersachsen fehlte.

Nach Angaben des Innenministeriums haben bislang nur acht Kommunen Anträge im Umfang von rund 773 000 Euro beim Land gestellt. Nur zwei dieser Vorhaben hätten auch die Sanierung von Schultoiletten beinhaltet. „Von einer Sanierungsbedürftigkeit wird ausgegangen, wenn die Schultoiletten aufgrund von Beschädigungen und Abnutzungen des Materials oder starker und dauerhafter Verunreinigungen als abgängig zu bezeichnen sind“, erklärte das Ministerium in seiner Antwort auf die FDP-Anfrage.

Die Stadt Hannover hatte im Januar dieses Jahres ein Millionenprogramm zur Sanierung von Schultoiletten beschlossen. Insgesamt 24,3 Millionen Euro sind dafür bis 2022 vorgesehen. Die Liste der Schulen, die neue Toiletten bekommen sollen, ist lang. Sie umfasst mehr als 50 Standorte, dazu kommen mehr als 40 Standorte, bei denen bereits eine Sanierung oder ein Ersatzneubau geplant ist, so dass es dort erstmal nur eine verstärkte Grundreinigung mit Reparaturen geben wird. Eine Arbeitsgruppe hatte dafür sämtliche Schultoiletten begutachtet und sich rund 1000 WC-Anlagen angeschaut.

Erfolgreiche Klassentoiletten

Der Schulleitungsverband Niedersachsen fordert pragmatische Lösungen für die Klokrise. „Ich muss keine teure Sanierung haben“, sagte Verbandschef Frank Stöber der HAZ. „Es geht in erster Linie um Sauberkeit.“ Stöber schlug vor, sich bei der Sanierung eher an Raststättentoiletten an Autobahnen zur orientieren, die aus Materialien gebaut seien, die leichter zu reinigen sind. Man könne auch über Toilettenfrauen oder Kameras in Vorräumen oder auf Fluren nachdenken. „Das kostet zwar Geld, beugt aber dem Vandalismus vor.“ Auch „Klassenklos“ seien relativ erfolgreich, weil damit besser umgegangen werde. „Toiletten sind leider das, was Schüler am ehesten zerstören“, sagte Stöber.

Von Marco Seng

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