Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ministerium verbietet Füttern von Wölfen
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerium verbietet Füttern von Wölfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 16.07.2018
Zwei Wölfe stehen im Wisentgehege. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Anzeige
Hannover/Göttingen

In Niedersachsen soll künftig das Füttern, Fotografieren oder Streicheln von wildlebenden Wölfen untersagt werden. Das Umweltministerium kündigte an, dass noch in diesem Jahr eine entsprechende Verordnung beschlossen werden soll. Umweltminister Olaf Lies (SPD) will mit dem Verbot verhindern, dass sich Wölfe zu sehr an den Menschen gewöhnen. Bei Verstößen droht ein Bußgeld.

„Das Wildtier Wolf hat eine natürliche Scheu vor dem Menschen und hält deshalb grundsätzlich Distanz“, sagte Ministeriumssprecherin Lotta Cordes der HAZ. Es werde aber von den Naturschutzbehörden immer wieder über Menschen berichtet, die versuchten, „aktiv Kontakt zu Wölfen aufzunehmen, indem sie wiederholt deren Nähe suchen, sie mit Futter ködern, um sie fotografieren oder möglicherweise sogar körperlich kontaktieren zu können“, sagte Cordes.„Dieses Verhalten kann dazu führen, dass die betroffenen Wölfe, vor allem Jungtiere, ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verlieren.“ Es könne dann, wie die Vergangenheit gezeigt hat, auch dazu kommen, dass Wölfe sich dem Menschen aktiv annäherten.

 Anlocken und Füttern von Wölfen schaden den Tieren

„Um dieser provozierten Entwicklung von Wölfen und damit einer möglichen Gefährdung von Menschen frühzeitig entgegenzuwirken, soll es unterbunden werden, Wölfe durch Anlocken und Füttern an den Menschen zu gewöhnen“, sagte Cordes. Dies solle mit der Verordnung erreicht werden. „Den Naturschutzbehörden wird damit ein Mittel an die Hand gegeben, auf bekannt werdendes Fehlverhalten angemessen reagieren zu können.“

Auch die stellvertretende Leiterin des niedersächsischen Wolfsbüros, Verena Harms, kritisierte das Verhalten von Waldbesuchern, die Wölfen hinterhergingen, um bessere Fotos machen zu können. „Das führt zu einer noch stärkeren Gewöhnung an den Menschen“, sagte Harms bei einer Podiumsdiskussion des Wissenschaftsministeriums zum Thema Wölfe am Mittwochabend in der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Wer einem Wolf im Wald begegne, solle sich kräftig bemerkbar machen, riet sie. „Der Wolf soll merken, dass mit Menschen nicht gut Kirschen essen ist“, sagte die Biologin.

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) bezeichnete die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen bei der Podiumsdiskussion als möglichen „Sprengstoff für die Gesellschaft“. Der Wolf löse unterschiedliche Befindlichkeiten aus. „Wie gehen wir damit um?“

„Angst vor Wölfen ist eine jahrhundertealte vererbte Urangst“

Nach Ansicht des Göttinger Angstforschers Borwin Bandelow ist die Angst vor Wölfen eine jahrhundertealte vererbte Urangst. Ängste würden über Generationen vererbt, um die Menschheit vor „Totalausfällen“ zu schützen. Dabei sei etwa das Risiko, an einem verschluckten Kugelschreiber zu ersticken, heute deutlich höher als von einem Wolf getötet zu werden. Bandelow betonte, dass es aber auch eine reale Angst vor dem Wolf gebe: bei den Nutztierhaltern, bei denen es um die Existenz gehen könne. Einen hundertprozentigen Schutz für Weidetiere gebe es allerdings nicht, räumte Harms ein.

Die Tiermedizinerin Friederike Gethöffer plädierte für eine breitere wissenschaftliche Aufklärung über Wölfe. „Fakten können helfen, Ängste zu reduzieren“, sagte Getthöfer. So bevorzugten Wölfe Wildtiere wie Rehe, Wildschweine oder Rothirsche als Nahrung. Nutztiere wie Schafe reiße ein Wolf dagegen nur, wenn es an Alternativen mangele oder es ihm nicht genug verwehrt werde.

13 Rudel leben in Niedersachsen

In Deutschland sind nach Angaben der Landesjägerschaft Niedersachsen derzeit 60 Wolfsrudel, 13 Wolfspaare und drei Einzelwölfe bekannt. Als Wolfsländer haben sich Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen etabliert. In Niedersachsen können 13 Rudel, vier Paare und ein Einzelwolf bestätigt werden. Die meisten Wölfe leben in der Lüneburger Heide.

Ursprünglich zählte der Wolf weltweit zu den am weitesten verbreiteten Säugetieren und kam auch in ganz Europa flächendeckend vor. Nach und nach wurden die Populationen von den Menschen jedoch stark dezimiert. Deutschland war um 1850 weitestgehend wolfsfrei. Einzelne, in den folgenden Jahren einwandernde Tiere wurden erlegt.

Seit 1980 gilt der Wolf in Deutschland als streng geschützte Art und mit der Wiedervereinigung 1990 gilt dieser Status auch in Ostdeutschland. So konnte sich 1998 das erste Wolfspaar wieder in Sachsen, im Bereich der Muskauer Heide, ansiedeln.

Von Marco Seng

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Landesbischof Ralf Meister plädiert für mehr Menschlichkeit in der Asyldebatte. Außerdem fordert er ein Einwanderungsgesetz und kritisiert Seehofers Masterplan.

15.07.2018

Eine verschwundene Mail im Büro von Innenminister Pistorius beschäftigt den Innenausschuss. Der Minister spricht von einer ärgerlichen Panne – die Opposition glaubt an Vertuschung.

14.07.2018

Im Bamf-Skandal um illegales Asyl für Flüchtlinge hat die FDP ihre Kritik an Innenminister Boris Pistorius (SPD) verschärft.

12.07.2018
Anzeige