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20:37 05.04.2011
Von Klaus Wallbaum
Wegen des Bevölkerungsrückgangs müssen Zwergschulen in Niedersachsen, wie hier in Hohegeiß im Harz, um ihre Existenz bangen. Quelle: Plümer
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„Aber auch bislang boomende Regionen werden zumindest von der enormen Alterung der Einwohnerschaft betroffen sein“, sagt Hans-Ulrich Jung, Experte des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW). Das Ausmaß der Probleme werde vielerorts unterschätzt, beklagt er.

Das NIW hat die neuesten Prognosen für eine aktuelle Analyse der N-Bank entwickelt. Danach wird die Einwohnerzahl Niedersachsens von derzeit knapp acht Millionen bis 2030 um neun Prozent oder 704 000 Menschen sinken. Dies geschehe regional unterschiedlich. Der Kreis Vechta werde der einzige landesweit sein, der noch einen Zuwachs verbucht, nämlich um sechs Prozent. Schon der Nachbarkreis Cloppenburg, sonst kraftstrotzend, bekomme Probleme. Im Harz und im Weserbergland schrumpfe die Bevölkerung rapide, im Kreis Holzminden gar um 27 Prozent. Diese Prognose geht von der optimistischen Vermutung aus, dass jährlich 4300 Menschen von außerhalb eine neue Heimat in Niedersachsen finden. Sollte die Zuwanderung geringer ausfallen, werden die Probleme noch größer.

Am Beispiel des Weserberglands werde deutlich, so betont Forscher Jung, welche Folgen diese Entwicklung für die Schulen hat: In den kommenden 14 Jahren werde dort die Zahl der Grundschüler um ein Drittel abnehmen. Knapp die Hälfte aller Grundschulen werde dann weniger als 80 Schüler haben, was eine „kritische Größe“ sei. Kleine Grundschulen seien auch in anderen Gegenden verbreitet, so in Südniedersachsen mit Ausnahme des Raumes Göttingen, im Emsland und im Kreis Leer, in Diepholz und im östlichen Kreis Cuxhaven. In sehr kleinen Schulen aber könne ein vernünftiges pädagogisches Angebot kaum gewährleistet werden. An Schulschließungen, dem Aufbau von Mittelpunktschulen und damit auch an längeren Schulwegen für viele Kinder werde man in Zukunft nicht vorbeikommen.

In der Untersuchung der N-Bank wird auf die unangenehmen Begleiterscheinungen von ausgeprägt starken Neubauten in den Gemeinden mit erheblich sinkender Bevölkerungszahl hingewiesen. Sobald ein neues Haus errichtet werde, drohten Leerstände in anderen, weniger attraktiven Wohngebieten. Das „Leerstandsrisiko“ werde künftig in der Baupolitik größer. Vor allem Siedlungskerne, also alte Ortszentren, seien stark davon betroffen. Der Wettbewerb der Kommunen untereinander, Einwohner im Ort zu halten oder neue anzulocken, nehme auf der anderen Seite zu, schätzen die Fachleute.

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