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00:17 09.01.2016
Eine kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ könnte im niedersächsischen Schulunterricht verwendet werden. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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 „Wir werden den Schulen jedoch nicht vorschreiben, die Schrift als historische Quelle verpflichtend einzusetzen.“ Lehrerverbände sowie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) haben sich dafür ausgesprochen. „Mein Kampf“ kann nun wieder in Deutschland verlegt werden, weil die Urheberrechte ausgelaufen sind. Das Institut für Zeitgeschichte in München hat deshalb eine kommentierte Fassung erstellt, die am Freitag vorgestellt werden soll. Darin werden Hitlers Behauptungen eingeordnet, und wenn inkorrekt, auch widerlegt.

Originalfassung darf nicht eingesetzt werden

„Auch nach dem Auslaufen des Urheberschutzes erfüllt das unkommentierte Verbreiten dieser Hetzschrift den Tatbestand der Volksverhetzung“, warnt Heiligenstadt. Die Originalfassung dürfe daher weiterhin nicht an Schulen eingesetzt werden. „Das finde ich auch richtig, vor allem, wenn ich daran denke, wozu dieses Hetzwerk beigetragen hat und was es noch heute bei den Überlebenden des Holocaust auslöst“, sagte die Ministerin.

Die kritisch kommentierte Version wiederum biete sich als Material für den Geschichtsunterricht an, meint Heiligenstadt. „Wir haben Vertrauen in unsere Lehrkräfte, dass sie kritisch kommentierte Textauszüge angemessen in den Unterricht einbinden.“

„Genauso wie man Goethe lesen muss, muss man auch diesen Schmähkönig lesen“

Johannes Heinßen, Vorsitzender des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbands, begrüßt das: „Ich bin der Meinung, dass das Buch im Schulunterricht eingesetzt werden muss.“ Das Werk sei „verquaster Blödsinn“, habe aber eine hohe Verbreitung in der NS-Diktatur gefunden, auch wenn es „vermutlich häufiger gedruckt als tatsächlich gelesen worden ist“, sagte Heinßen. Auch Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands, spricht sich für den Einsatz im Unterricht aus: „Es ist besser, das Buch im Unterricht zu analysieren als der Entwicklung auf dem Markt freien Lauf zu lassen.“ Die Lektüre für alle Schüler verpflichtend zu machen, halten die beiden Lehrervertreter aber für falsch.

Der hannoversche Politikwissenschaftler Joachim Perels geht ein Stück weiter: „Genauso wie man Goethe lesen muss, muss man auch diesen Schmähkönig lesen“, meint der Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Friedrich Justus Perels. Hitlers Schmähschrift sei durch das Verbot nur stärker gemacht worden. Das Erscheinen einer kommentierten Ausgabe sei daher längst überfällig.

Auch andere Bundesländer haben bereits signalisiert, dass sie der Arbeit mit der kommentierten Fassung von „Mein Kampf“ im Schulunterricht aufgeschlossen gegenüberstehen. Unter anderem wollen Berlin, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz ihren Geschichtslehrern den Einsatz erlauben. Das Thema soll auch bei einer Kultusministerkonferenz besprochen werden.

Hitlers Hetzschrift

„Irres Gebräu“: Nach seinem Umsturzversuch im November 1923 in München wurde Adolf Hitler in der Festung Landsberg inhaftiert. Dort schrieb er das Buch „Mein Kampf“.  In der Hetzschrift sind die Grundlagen für Hitlers Antisemitismus und Rassismus sowie seine spätere Eroberungspolitik bereits angelegt. Manchen Gegnern Hitlers fiel das bereits früh auf, die demokratischen Parteien nahmen das Werk aber zunächst nicht ernst.

Bis Herbst 1944 erreichte „Mein Kampf“ eine Auflage von 12,4 Millionen Exemplaren, danach gab es keine Neuauflage mehr. Die US-Militärregierung übertrug die Urheberrechte nach Ende des Zweiten Weltkriegs an den Freistaat Bayern, der seitdem eine Neuveröffentlichung verhindert.

Weil die Urheberrechte Ende 2015 ausliefen, 70 Jahre nach dem Tod des Diktators, bringt das Münchner Institut für Zeitgeschichte nun eine kommentierte Fassung auf den Markt. Projektleiter Christian Hartmann hatte das Werk als „Irres Gebräu“ bezeichnet.

Von Michael B. Berger Und Heiko Randermann

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