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Niedersachsen hat zu wenig Krippenplätze

Eltern unzufrieden Niedersachsen hat zu wenig Krippenplätze

In vielen niedersächsischen Großstädten wächst die Unzufriedenheit von Eltern, weil sie keinen Krippenplatz für ihre Kinder finden. „Die Städte bauen und bauen und bauen, aber der Bedarf wächst immer weiter“, sagte Heiger Scholz, Hauptgeschäftsführer beim Niedersächsischen Städtetag, am Freitag der HAZ. 

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Quelle: dpa/Symbolfoto

Hannover. Der Rechtsanspruch auf eine Tagesbetreuung der unter Dreijährigen werde zwar formal erfüllt – die Städte hielten dennoch nicht ausreichend öffentliche Betreuungseinrichtungen vor.

Das Problem: Ein Großteil der Eltern besteht darauf, die Kinder in einer öffentlichen Einrichtung unterzubringen. Angebote, auf Gruppen mit Tagesmüttern zurückzugreifen, werden oft abgelehnt. In Hannover gibt es, wie berichtet, massive Beschwerden über Engpässe bei Krippenplätzen. Die Stadtverwaltung will kurzfristig mehr Betreuungsplätze schaffen.

Engpässe werden auch aus Göttingen gemeldet, obwohl dort das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen weit über dem Landesdurchschnitt liegt. 60 Prozent der Ein- und Zweijährigen wird ein Betreuungsplatz angeboten, doch dies reicht noch nicht. Bis zum Jahr 2020 sollen 144 Krippenplätze geschaffen werden. Den Bedarfsberechnungen zufolge werden mindestens 320 Plätze benötigt.

Auch Oldenburg und Hildesheim kommen mit der Einrichtung von Krippenplätzen nicht nach. In Oldenburg wollten in diesem Jahr deutlich mehr Eltern ihre Kleinen in eine Krippe bringen, als Plätze vorhanden waren. Die Nachfrage lag bei 40 Prozent der Ein- und Zweijährigen, das Angebot reicht nur für 34 Prozent. „Bis Mai nächsten Jahres wollen wir durch Neubauten bei 38,7 Prozent ankommen“, sagt Stadtsprecherin Juliane Pflugmacher.

In Hildesheim ist ähnlich wie in Hannover von einem unerwarteten „Babyboom“ die Rede, auf den man sich einstellen müsse. Alle Träger von Kindertagesstätten seien aufgefordert worden, kurzfristig Anträge für Erweiterungen zu stellen, erklärte die Verwaltung. Die Krippen seien so verteilt, dass es jetzt in mehreren Stadtteilen Engpässe gebe. Besser sieht es offenbar in Braunschweig und Osnabrück aus. In kleineren Orten sei der Bedarf gedeckt, sagt Berthold Ernst vom Städte- und Gemeindebund. „Es wird aber vermehrt Betreuungsbedarf für Flüchtlingskinder geben, denn sie können so am besten integriert werden.“

In Hannover sollen nun an zwei Standorten im Stadtgebiet Container für Betreuungsplätze aufgestellt werden und noch in diesem Jahr für Entlastung sorgen. Wo genau die provisorischen Kitas entstehen, ist noch unklar. Zudem erhöht die Stadt ihre Ausgaben für Kinderbetreuung im kommenden Jahr um 10 auf 166 Millionen Euro. Darin enthalten sind die Investitionen in neue Einrichtungen, aber auch Personalkosten für Erzieher.

„Wir haben noch immer eine der höchsten Betreuungsquoten in westdeutschen Großstädten“, betont Kämmerer Marc Hansmann (SPD). Das Angebot von Krippenplätzen sei deutlich besser als noch vor vier Jahren. Die Ratsopposition hält sich mit Kritik zurück: „Die Stadt bemüht sich“, sagt der jugendpolitische Sprecher der CDU, Lars Pohl. Er befürchtet aber einen „Kampf um Grundstücke“. „Dort, wo Flüchtlingsheime gebaut werden, könnten auch Kitas entstehen.“

Von Gabriele Schulte und Andreas Schinkel

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

Seit August 2013 haben Eltern bundesweit einen Rechtsanspruch auf einen staatlich geförderten Betreuungsplatz für unter dreijährige Kinder – von deren erstem Geburtstag an. Städte und Gemeinden müssen Plätze in öffentlichen Tageseinrichtungen (Krippen) oder bei Tagesmüttern oder -vätern anbieten. Ab dem Alter von drei Jahren gibt es einen solchen Anspruch seit 1996. Die Bundesregierung ging davon aus, dass Eltern höchstens 35 Prozent der Ein- und Zweijährigen außerhalb der Familie betreuen lassen wollen. Land und Kommunen in Niedersachsen vereinbarten vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs eine etwas höhere Zielmarke von knapp 40 Prozent (62.000 Plätze). Dieses Ziel ist nach Angaben des Kultusministeriums erreicht – allerdings könne es zu „regionalen Ungleichgewichten“ kommen. In Großstädten mit vielen voll berufstätigen Eltern liegt der Bedarf deutlich höher als auf dem Land, wo die Ein- und Zweijährigen häufiger von Familienangehörigen zuhause betreut werden.  gs

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