Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Niedersachsen hat zu wenig Krippenplätze
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsen hat zu wenig Krippenplätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 26.10.2015
Quelle: dpa/Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Der Rechtsanspruch auf eine Tagesbetreuung der unter Dreijährigen werde zwar formal erfüllt – die Städte hielten dennoch nicht ausreichend öffentliche Betreuungseinrichtungen vor.

Das Problem: Ein Großteil der Eltern besteht darauf, die Kinder in einer öffentlichen Einrichtung unterzubringen. Angebote, auf Gruppen mit Tagesmüttern zurückzugreifen, werden oft abgelehnt. In Hannover gibt es, wie berichtet, massive Beschwerden über Engpässe bei Krippenplätzen. Die Stadtverwaltung will kurzfristig mehr Betreuungsplätze schaffen.

Engpässe werden auch aus Göttingen gemeldet, obwohl dort das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen weit über dem Landesdurchschnitt liegt. 60 Prozent der Ein- und Zweijährigen wird ein Betreuungsplatz angeboten, doch dies reicht noch nicht. Bis zum Jahr 2020 sollen 144 Krippenplätze geschaffen werden. Den Bedarfsberechnungen zufolge werden mindestens 320 Plätze benötigt.

Auch Oldenburg und Hildesheim kommen mit der Einrichtung von Krippenplätzen nicht nach. In Oldenburg wollten in diesem Jahr deutlich mehr Eltern ihre Kleinen in eine Krippe bringen, als Plätze vorhanden waren. Die Nachfrage lag bei 40 Prozent der Ein- und Zweijährigen, das Angebot reicht nur für 34 Prozent. „Bis Mai nächsten Jahres wollen wir durch Neubauten bei 38,7 Prozent ankommen“, sagt Stadtsprecherin Juliane Pflugmacher.

In Hildesheim ist ähnlich wie in Hannover von einem unerwarteten „Babyboom“ die Rede, auf den man sich einstellen müsse. Alle Träger von Kindertagesstätten seien aufgefordert worden, kurzfristig Anträge für Erweiterungen zu stellen, erklärte die Verwaltung. Die Krippen seien so verteilt, dass es jetzt in mehreren Stadtteilen Engpässe gebe. Besser sieht es offenbar in Braunschweig und Osnabrück aus. In kleineren Orten sei der Bedarf gedeckt, sagt Berthold Ernst vom Städte- und Gemeindebund. „Es wird aber vermehrt Betreuungsbedarf für Flüchtlingskinder geben, denn sie können so am besten integriert werden.“

In Hannover sollen nun an zwei Standorten im Stadtgebiet Container für Betreuungsplätze aufgestellt werden und noch in diesem Jahr für Entlastung sorgen. Wo genau die provisorischen Kitas entstehen, ist noch unklar. Zudem erhöht die Stadt ihre Ausgaben für Kinderbetreuung im kommenden Jahr um 10 auf 166 Millionen Euro. Darin enthalten sind die Investitionen in neue Einrichtungen, aber auch Personalkosten für Erzieher.

„Wir haben noch immer eine der höchsten Betreuungsquoten in westdeutschen Großstädten“, betont Kämmerer Marc Hansmann (SPD). Das Angebot von Krippenplätzen sei deutlich besser als noch vor vier Jahren. Die Ratsopposition hält sich mit Kritik zurück: „Die Stadt bemüht sich“, sagt der jugendpolitische Sprecher der CDU, Lars Pohl. Er befürchtet aber einen „Kampf um Grundstücke“. „Dort, wo Flüchtlingsheime gebaut werden, könnten auch Kitas entstehen.“

Von Gabriele Schulte und Andreas Schinkel

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

Seit August 2013 haben Eltern bundesweit einen Rechtsanspruch auf einen staatlich geförderten Betreuungsplatz für unter dreijährige Kinder – von deren erstem Geburtstag an. Städte und Gemeinden müssen Plätze in öffentlichen Tageseinrichtungen (Krippen) oder bei Tagesmüttern oder -vätern anbieten. Ab dem Alter von drei Jahren gibt es einen solchen Anspruch seit 1996. Die Bundesregierung ging davon aus, dass Eltern höchstens 35 Prozent der Ein- und Zweijährigen außerhalb der Familie betreuen lassen wollen. Land und Kommunen in Niedersachsen vereinbarten vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs eine etwas höhere Zielmarke von knapp 40 Prozent (62.000 Plätze). Dieses Ziel ist nach Angaben des Kultusministeriums erreicht – allerdings könne es zu „regionalen Ungleichgewichten“ kommen. In Großstädten mit vielen voll berufstätigen Eltern liegt der Bedarf deutlich höher als auf dem Land, wo die Ein- und Zweijährigen häufiger von Familienangehörigen zuhause betreut werden.  gs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Abschiebungen werden nicht mehr angekündigt, Niedersachsen will aber am humanitären Umgang mit Flüchtlingen festhalten - auch nach der am Sonnabend in Kraft tretenden Verschärfung des Asylrechts. So soll es auch künftig kein massenhaftes Abschieben von abgelehnten Asylbewerbern geben.

23.10.2015

Die für Sonnabend angemeldete Demo der rechtsextremen NPD in Bad Fallingbostel darf stattfinden. Sie wurde von der Verwaltung des Landkreises Heidekreis genehmigt - ebenso wie mehrere Gegenveranstaltungen. In der Nähe der Stadt liegen zwei große Notunterkünfte für Flüchtlinge.

23.10.2015

Die von der niedersächsischen Staatskanzlei angekündigte strengere Linie bei Abschiebungen wird von führenden Grünen bedauert, aber nicht mehr offensiv bekämpft. Das heiße aber nicht, dass man nicht auch künftig darauf achten werde, dass humanitäre Regeln eingehalten würden.

Michael B. Berger 23.10.2015
Anzeige