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Niedersachsen Land muss 3000 minderjährige Flüchtlinge betreuen
Nachrichten Politik Niedersachsen Land muss 3000 minderjährige Flüchtlinge betreuen
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16:20 27.10.2015
Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Weil allein eingereiste junge Flüchtlinge vom 1. November an bundesweit verteilt werden, muss Niedersachsen weit mehr dieser Kinder und Jugendlichen aufnehmen als bisher. Für kommendes Jahr rechnet das Land mit rund 3000 zu betreuenden Fällen. Dagegen kümmerten sich die niedersächsischen Jugendämter 2014 erst um knapp 600 Minderjährige, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen waren. Das Sozialministerium hat jetzt in Absprache mit den Kommunen eine Verwaltungsvereinbarung erarbeitet, welche die Verteilung der häufig traumatisierten Flüchtlinge unter 18 Jahren regelt.

Dabei stehe das Kindeswohl im Vordergrund, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Falls bereits Verwandte oder Geschwister in Niedersachsen lebten, sollten die Neuankömmlinge möglichst bei ihnen untergebracht werden. Ist das nicht der Fall werden Pflegefamilien beziehungsweise ein Platz in einem Heim oder einer Wohngruppe gesucht. Zudem bekommt jeder Minderjährige einen gesetzlichen Vormund, der für ihn beispielsweise den Asylantrag stellt.

Bisher waren die Jugendämter jener Kommunen, in denen die jungen Flüchtlinge ankommen, auch für sie zuständig. Weil Grenzorte in Bayern oder dem Saarland zunehmend überlastet waren, beschloss der Bundestag ein Gesetz zur besseren Betreuung und Versorgung der jungen Flüchtlinge. Die Minderjährigen werden nun unter anderem wie erwachsene Asylbewerber nach einem bestimmten Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Knapp 9,4 Prozent der jungen Neuankömmlinge werden jetzt nach Niedersachsen geschickt.

Das Landesjugendamt muss dann die Kinder oder Jugendlichen innerhalb von zwei Tagen dem Jugendamt einer Kommune oder eines Landkreises zuweisen, wie die Sozialministerin erläuterte. Somit müssen etwa 30 Flüchtlinge pro Jugendamt betreut werden, größere Ämter wie in der Region Hannover werden sich um rund 180 Jugendliche kümmern.

"Wir werden die Verteilungsprozesse kritisch begleiten", sagte Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat der dpa. Generell könne ein Flüchtlingskind auch auf dem Land gut gefördert werden. In Metropolen wie Hamburg gebe es auch Fälle von Missbrauch der auf sich allein gestellten Kinder durch kriminelle Banden. Die Kommunen erhalten pro Kind eine Verwaltungspauschale von 2000 Euro. Die Kosten für die Unterbringung in Familien oder Heimen übernimmt das Land. Für das kommende Jahr sind hierfür rund 92 Millionen Euro eingeplant. 

dpa

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