Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 12° Regenschauer

Navigation:
Land setzt sich bei Gasförderung durch

Energiegewinnung durch Fracking Land setzt sich bei Gasförderung durch

Einigung in Berlin: Das in Niedersachsen übliche Fracking soll gegen den Willen anderer Bundesländer erlaubt bleiben – eine umstrittene neue Methode darf vorerst aber noch nicht angewendet werden.

Voriger Artikel
Unis fordern Bafög-Ersparnis für sich
Nächster Artikel
Tod des Sozialexperten Böhlke erschüttert die CDU

Konventionelles Fracking ist schon lange Praxis – und ist immer noch umstritten.

Quelle: dpa

Berlin/Hannover. Die seit den sechziger Jahren übliche konventionelle Art des Fracking, bei der Gas mit chemischen Hilfsmitteln aus der Tiefe gepresst wird, bleibt unter Auflagen erlaubt. Das sieht ein am Freitag bekannt gewordenes „Eckpunktepapier“ vor, auf das sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) geeinigt haben. Demnach soll die umstrittene Gasfördermethode Fracking künftig verlässlich geregelt werden. Die Landesregierung in Hannover zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

95 Prozent des deutschen Erdgases werden in Niedersachsen gefördert, zwölf Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases stammen aus Niedersachsen.
Dagegen darf das bisher vor allem in den USA eingesetzte unkonventionelle Fracking mit Querbohrungen relativ dicht unter der Erdoberfläche zunächst bis zum Jahr 2021 wirtschaftlich nicht genutzt werden. Eine wissenschaftliche Erprobung unter strengen Bedingungen soll aber möglich sein. Während die Bundesregelung sich insgesamt weitgehend an einer Bundesratsinitiative aus Niedersachsen orientiert, kommen Gabriel und Hendricks in diesem Punkt den Energiekonzernen entgegen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies kündigte am Freitag an, dass er keine Erprobung des unkonventionellen Frackings im Land zulassen werde. Er hatte das Landesbergamt bereits per Erlass angewiesen, keine solche Fördermethode zu genehmigen. „Es ist aber klug, den einzelnen Bundesländern hier Spielräume zu lassen“, meinte er.

Strikter auch gegen konventionelles Fracking hatte sich zuvor unter anderem Schleswig-Holstein positioniert. Der Entwurf, den Gabriel und Hendricks an die „lieben Genossinnen und Genossen“ in der SPD-Fraktion im Bundestag verschickten, lässt jedoch die niedersächsische Praxis weitgehend unangetastet. Rechtlich geregelt wird vor allem der Trinkwasserschutz. In „Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten, Einzugsgebieten von Talsperren und Seen, die unmittelbar der Trinkwassergewinnung dienen“ ist jegliches Fracking verboten.

Gerade die Klarstellung im Wasserrecht sei notwendig, um die unteren Wasserbehörden zu stärken, sagte dazu Landesumweltminister Stefan Wenzel (Grüne). „Auch Bürgerbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfungen sind überfällig.“ Die nun eröffnete Möglichkeit eines Pilotversuchs für unkonventionelles Fracking lehnte Wenzel ab.

Kritischer äußerte sich Volker Bajus, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. „Uns sind da zu viele Schlupflöcher“, sagte er der HAZ. Dies betreffe vor allem die Möglichkeit, das unkonventionelle Fracking in Schiefergaslagerstätten zunächst als Versuchsprojekt und von 2021 an möglicherweise sogar industriell einzusetzen. „Wenn wir konsequent auf erneuerbare Energien setzen, brauchen wir das Gas aus Schiefergaslagerstätten nicht“, sagte Bajus. Der Naturschutzbund Nabu forderte ebenfalls strengere Regelungen. „Die Einigung ist ein fauler Kompromiss zulasten des Schutzes von Mensch, Natur und Trinkwasser“, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. „Statt einer Lex Niedersachsen brauchen wir ein dauerhaftes Fracking-Verbot.“ Nicht zuletzt die Häufung von Erdbeben in Gasfördergebieten sei besorgniserregend.

Gero Hocker von der FDP im Landtag wies darauf hin, dass bereits im Dezember 2012 die damalige CDU/FDP-Regierung einen Antrag mit „fast im Wortlaut“ identischen Wasserschutzrichtlinien auf den Weg gebracht habe. Dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung gehen die in Berlin geplanten „bürokratischen Hürden“ zu weit. „Diese gefährden die Erdgasindustrie in Deutschland“, sagte Hauptgeschäftsführer Josef Schmid in Hannover.

Eine umstrittene Fördermethode

Fracking ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischem Druck aufgebrochen. Dank moderner Bohrtechniken, bei denen erst nach unten gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, lohnt sich dieses aufwendige Verfahren. Vor allem die USA setzen auf Fracking - auch, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden.
In Niedersachsen gibt es nennenswerte Vorkommen dieser Erdgaslagerstätten (siehe Grafik). Man findet sie zum Beispiel in Schiefertonformationen, Kohleflözen und dichten Sandsteinformationen. Um dieses Gas fördern zu können, wird in der Regel ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann. Umweltschützer fürchten durch die Chemikalien eine Verunreinigung des Trinkwassers.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.