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Niedersachsen wird Ganztagsschulland

111 weitere Einrichtungen Niedersachsen wird Ganztagsschulland

Niedersachsen macht Fortschritte beim Ausbau des Ganztagsangebots an den Schulen. Die Kultusministerin genehmigt Anträge von 111 weiteren Einrichtungen. Kritik kommt von der Opposition: Sie bemängelt einen noch immer ausstehenden Erlass, der klare Vorgabe macht.

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Im laufenden Schuljahr haben rund 1600 der knapp 2800 allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen Ganztagsunterricht angeboten.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Niedersachsen wird Ganztagsschulland. Ab dem nächsten Schuljahr sind knapp 1700 der rund 3000 Schulen im Land Ganztagsschulen. Das entspricht einem Anteil von 60 Prozent. "Damit rückt Niedersachsen im Bundesvergleich auf in die erste Liga, zusammen mit den ostdeutschen Ländern und der Stadt Berlin", sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Freitag in Hannover. 

Sie sprach von einem „Paradigmenwechsel“: Die Ganztagsschulen sind künftig deutlich besser ausgestattet. „Das sind keine Halbtagsschulen mehr mit Nachmittagsbetreuung, das sind Ganztagsschulen, die den Namen auch verdienen“, betonte Heiligenstadt. Durch die dreifach bessere Ausstattung könnten Lehrer auch am Nachmittag eingesetzt werden, beispielsweise zur Hausaufgabenbetreuung, für Förder- und Forderstunden, Lern- und Entspannungseinheiten könnten über den ganzen Tag verteilt werden, Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie Sportvereinen und Musikschulen blieben aber weiterhin möglich. Durch Ganztagsschulen werde Chancengleichheit erhöht, sagte die Ministerin, und Beruf und Familie ließen sich dadurch besser vereinbaren. 70 Prozent der Eltern wünschten sich schließlich Ganztagsschulen.
Der Ganztagszuschlag des Landes berechnet sich künftig nicht mehr pro Klasse, sondern nach den Schülern und der Anzahl der Tage mit Nachmittagsangebot. Dabei sei es egal, ob die Schulen freiwillige oder verpflichtende Ganztagsangebote machten. „Die Organisationsform entscheidet nicht mehr über die Ausstattung“, sagte die Ministerin. 

Derzeit gibt es landesweit nur 400 gebundene Ganztagsschulen, an denen die Kinder auch nachmittags zur Schule gehen müssen, häufig sind dies Integrierte Gesamtschulen aus den siebziger Jahren. Die meisten anderen Ganztagsschulen im Land haben sogenannte offene Angebote. 

111 neue Ganztagsschulen

Unter der schwarz-gelben Landesregierung waren aus Kostengründen gar keine verpflichtenden Ganztagsschulen genehmigt worden. Eine Ausnahme bildeten die Oberschulen, vormals zusammengelegte Haupt- und Realschulen, die oft teilgebundene Nachmittagsangebote an zwei oder drei Tagen in der Woche haben.
Heiligenstadt hat jetzt erstmals auch gebundene Gesamtschulen zugelassen. Dennoch sind die meisten der 111 neuen Ganztagsschulen (mit insgesamt 12.000 Schülern), die zum neuen Schuljahr genehmigt wurden, offene Ganztagsschulen. Die meisten der Schulen sind Grundschulen, sehr viele im Raum Osnabrück. Die Region Hannover sei hier schon gut aufgestellt, sagte Heiligenstadt.

Unter den neuen Ganztagsschulen sind auch 20 Oberschulen, zehn Integrierte Gesamtschulen und sieben Gymnasien. Gerade Eltern, die von Krippe und Kindergarten her eine ganztägige Betreuung gewohnt seien, erwarteten dies auch von den Grundschulen, sagte Heiligenstadt.
18 Schulen wollen ab Sommer von einem freiwilligen hin zu einem verpflichtenden Ganztagsangebot wechseln, 17 davon sind eine IGS, in Hannover etwa die IGS Südstadt, IGS Bothfeld und IGS Stöcken. Erstmals können auch einzelne Klassenzüge einer Schule auf den Ganztagsbetrieb umgestellt werden, davon macht das Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar Gebrauch.
Das Land stellt in diesem Jahr 23 Millionen Euro zusätzlich für den Ganztagsausbau zur Verfügung, insgesamt fließen bis 2018 in den Bereich 260 Millionen Euro. Lehrer müssen sich laut Heiligenstadt künftig auf Nachmittagsunterricht einstellen, die Unterrichtsverpflichtung werde - mit Ausnahme der Gymnasiallehrer, die ab August eine Stunde mehr unterrichten sollen - aber nicht erhöht. 

Dennoch könnten die Schultage für viele Pädagogen deutlich länger werden, wenn sie etwa vormittags drei Stunden unterrichten müssen, dann drei Freistunden haben und nachmittags wieder im Klassenzimmer stehen. Es sei die Sache der Schulträger entsprechende Räume zur Verfügung zu stellen, in denen Lehrer Klausuren korrigieren oder Unterricht vorbereiten könnten, sagte die Ministerin: "Wer die räumliche Ausstattung nicht schaffen kann, stellt gar nicht erst den Antrag auf Ganztagsschule-" Im Übrigen bedeute eine Stunde Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag für die Lehrer weniger Vorbereitung als eine Stunde Fachunterricht am Vormittag, beides werde aber als Unterrichtsstunde gezählt.
Während SPD und Grüne den Ganztagsausbau lobten, kritisierten CDU und FDP, dass der entsprechende Erlass immer noch nicht verabschiedet sei. 

Viele Schulen seien verunsichert, zudem sei unklar, wie die Kooperation mit Vereinen und Verbänden künftig laufen soll, bemängelte Kai Seefried (CDU). Björn Försterling (FDP) sprach von einem "Rohrkrepierer".

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