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Happy Birthday, Niedersachsen!

70 Jahre Happy Birthday, Niedersachsen!

Küste, Heide, Berge - so abwechslungsreich Niedersachsen ist, so unterschiedlich und stolz sind auch die Regionen. Am Dienstag feiern wir Niedersachsens 70. Geburtstag - ein Rückblick auf die Geschichte eines Bundeslandes, die nicht immer einfach war.

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Freier Blick für das Wesentliche – von der Küste bis zum Harz. Die Niedersachsen lieben ihre Landschaften.

Quelle: HAZ/M

Hannover. So richtig krachen lassen, wie im benachbarten Nordrhein-Westfalen, will es die rot-grüne Landesregierung nicht, wenn sie am Dienstag den 70. Geburtstag des Landes feiern will. Es stehe im Gegensatz zu Düsseldorf keine Landtagswahl an, das rundere Niedersachsen-Jubiläum sei doch der 75. Geburtstag, heißt es lakonisch aus der Staatskanzlei. Also kein strahlender Prinz William zum 70. Geburtstag wie im August in Düsseldorf, auch keine Toten Hosen und Bürgerfeste ohne Ende. Stattdessen ein Symposium im wiederaufgebauten Schloss in Hannover-Herrenhausen – und die Frage, wie es um die Zukunft dieses Bundeslandes bestellt ist. „Thesen, Fragen, Suchbewegungen“ stehen auf dem Programm sowie Vorträge zur „postmigrantischen Gesellschaft“.

Postmigrantisch – auch wenn man sich damals einfacher ausdrückte: So war die Lage zweifellos im Jahr 1946, als sich die Briten mit tatkräftiger Hilfe des preußischen Oberpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf daran machten, aus der norddeutschen Trümmer- und Splitterlandschaft ein neues Staatsgebilde zu zimmern. Mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge hungerten und froren gemeinsam mit den Einheimischen, als die britische Militärregierung aus der bisherigen preußischen Provinz Hannover sowie den bis dahin selbstständigen Ländern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe ein völlig neues Staatsgebilde zimmerte, das den alten Namen Niedersachsen tragen sollte.

Das Land Niedersachsen wird 70 Jahre alt. Hier sehen Sie die wichtigsten Ereignisse in einer Chronik.

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Lippe-Detmold hätte ebenfalls beitreten können, entschied sich aber für Nordrhein-Westfalen. Am 8. November 1946 trat mit der Verordnung Nr. 55 der britischen Militärregierung das neue Land Niedersachsen ins Leben. Aber weil für Gründungen neuer Staaten der Monatsbeginn einfach schlüssiger erschien, wurde die Landesgründung später auf den 1. November rückdatiert. „Weil’s runder ist, dafür gibt es keinen sachlichen Grund“, sagt der Historiker Thomas Vogtherr, langjähriger Vorsitzender der Historischen Kommission Niedersachsen. „Lower-Saxony“, wie die Briten sagten, oder Neddersassen, wie es in Plattdütsch heißt, war übrigens ein seit mehr als 600 Jahren eingeführter Begriff, der im 19. Jahrhundert „in Buchtiteln eine erstaunliche Karriere machte“, wie Vogtherr berichtet. Denn noch vor der Herrschaft der Briten gab es vermehrte Überlegungen, dem als zu übermächtig erscheinenden Preußen etwas entgegenzusetzen.

Im hannoverschen Rathaus, das vorübergehend als Domizil in der weitgehend zerstörten Landeshauptstadt diente, fand Ende 1946 die konstituierende Sitzung des neuen, noch von den Briten ernannten Landtages statt. Beeindruckend aus heutiger Sicht sind die Portionen des Festessens zur Landtagseröffnung: 50 Gramm Fleisch, 25 Gramm Nährmittel, dazu 50 Gramm Brot mit zehn Gramm Fett als Eintopf auf Lebensmittelkarten.

Das Essen fiel also spärlich aus. Noch schlechter stand es damals um die „niedersächsische“ Identität. Die Oldenburger maulten, die Ostfriesen auch. Von Braunschweig war für Hannover ohnehin wenig Gutes zu erwarten. Da konnte Hinrich Wilhelm Kopf, der das Land mit dem Hirn und auch der Leber regierte, noch so oft mit Besuchern persönlich das „Niedersachsen-Lied“ einstudieren. „Sturmfest und erdverwachsen“ waren sie zwar schon, die Niedersachsen, aber sie lebten, litten und fühlten als Bückeburger, Cuxhavener, Celler oder Braunschweiger. Noch Anfang der 2000er Jahre, als Hannover wirklich eine Weltausstellung ausrichtete und den Messeplanern mit diesem Jahrtausendprojekt die Untertunnelung der Pferdeturmkreuzung gelang, wurden führende SPD-Politiker in Braunschweig ausgebuht, nur weil sie aus Hannover kamen.

Es brauchte Jahrzehnte, bis sich die regionalen Rivalitäten allmählich abschliffen. Parteien wie auch die protestantischen Kirchen zelebrierten in ihren noch immer bestehenden Landesverbänden die Lust an der Differenz. Die besteht, wenn auch abgeschwächt, bis heute fort. Der Versuch, jemals eine zweite Nordkirche aus Braunschweig, Hannover, Schaumburg und Oldenburg zu zimmern, dürfte zum Scheitern verurteilt sein. Margot Käßmann (Hannover) und Friedrich Weber (Braunschweig) haben es versucht – sie scheiterten.

Bis 1975 blieb Niedersachsen ein fragiles Gebilde, wie auch ein Volksentscheid zeigte. So stimmten damals die Bürger Oldenburgs gegen den Verbleib im Land Niedersachsen und für die Eigenständigkeit. Der Bund vereitelte 1976 per Gesetz die Loslösung. „Das ging haarscharf daran vorbei, dass man Niedersachsen zum Platzen brachte“, sagt Historiker Vogtherr. Aber heute, gut 40  Jahre später, seien die meisten „Gewohnheitsniedersachsen“ geworden. Selbst Oldenburger.

Nein, eine niedersächsische Identität gebe es wohl nicht, meint Margot Käßmann, die früher als hannoversche Landesbischöfin unheimlich viel herumgekommen ist. Aber eine hohe Identifizierung mit dem jeweiligen Herkunftsort gebe es und mit der Landschaft, die in Niedersachsen sehr viel prägender sei als in anderen Bundesländern. „Es gibt hier eine sehr große Heimatverbundenheit. Und in Niedersachsen ist, im Gegensatz zum Osten, wo ich jetzt lebe, die Kirche wirklich noch im Dorf.“

Hannover 96 wird Deutscher Meister: Am 23. Mai 1954 gewinnt Hannover 96 mit einem 5:1-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern zum zweiten Mal den Titel – nach 1938. Im gleichen Jahr wird das Niedersachsenstadion gebaut.

Quelle: Archiv

Das sieht auch der Historiker Vogtherr so, der die Rolle der regionalen Landschaftsverbände als ebenso positiv betrachtet wie andere Zugeständnisse eines aus mehreren Teilen zusammengesetzten Landes. „Auch wenn Niedersachsen eine ideale Größe hat und nicht mehr zerfallen wird, so wäre doch jeder Ministerpräsident erledigt, der glaubt, keine regionalen Rücksichten mehr nehmen zu müssen.“

Wallonien ist eben überall. Auch in Niedersachsen.

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