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Land will 900 Schulsozialarbeiter

Ministerin stellt Konzept vor Land will 900 Schulsozialarbeiter

Um die Schulen in der Inklusion und in der Flüchtlingskrise zu unterstützen, will Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt insgesamt 900 feste Stellen für Schulsozialarbeiter schaffen. Profitieren sollen davon alle Schulformen, bis auf das Gymnasium.

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Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt

Quelle: Lukas Schulze

Hannover. Die Opposition wirft der Ministerin vor, damit lediglich bestehende Mittel umzuschichten. „Durch gesellschaftliche Veränderungen nimmt Schulsozialarbeit für alle Schulformen einen immer größeren Stellenwert ein“, sagte Heiligenstadt im Landtag. Deshalb werde das Land erstmals seit Langem dauerhafte Stellen für Sozialarbeiter schaffen.

Bislang hatte Heiligenstadt bereits die Schaffung von 267 Stellen angekündigt, von denen allerdings erst 100 ausgeschrieben wurden, und das mit monatelanger Verspätung. Diese Stellen können nur von Grundschulen beantragt werden, da diese besonders stark mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu tun haben. Nun will Heiligenstadt die verbliebenen 167 Stellen mit Mitteln aus dem Hauptschulprofilierungsprogramm zusammenwerfen, das jährlich 13 Millionen Euro kostet, um insgesamt 900 Stellen zu ermöglichen. Dieses Programm war noch von der schwarz-gelben Vorgängerregierung auf den Weg gebracht worden, um diese Schulform attraktiver zu machen. Unter anderem bekam damals jede Hauptschule einen Sozialpädagogen. Das Programm läuft in diesem Jahr aus.

„Da wir schrittweise vorgehen, wollen wir als Nächstes die Hauptschulen, Oberschulen, KGSen und IGSen sowie einen Teil der Realschulen mit Stellen für Schulsozialarbeit ausstatten“, sagte Heiligenstadt. Das seien die Schulformen, die bei der Inklusion, aber auch bei der Aufnahme geflüchteter Kinder die Hauptlast tragen würden. Gymnasien bleiben von dem Programm ausgenommen, bekommen aber die Möglichkeit, Sozialpädagogen aus ihrem Ganztagsbudget zu finanzieren. „Wir erkennen schulische Sozialarbeit als Landesaufgabe in Ergänzung zur Jugendhilfe und stellen sie auf sichere konzeptionelle Füße“, sagte die Ministerin.

Die Opposition war von dem Konzept der Ministerin in der Landtagssitzung überrascht worden, fing sich aber rasch und warf ihr Augenwischerei vor. Die Ministerin versuche den Eindruck zu erwecken, ihr sei ein großer Wurf gelungen, sagte FDP-Schulexperte Björn Försterling. „Deutlich wurde aber, dass im Haushaltsjahr 2017 vermutlich kein einziger Euro mehr zur Verfügung stehen wird im Vergleich zu 2016.“ CDU-Schulexperte Kai Seefried befürchtete, dass durch den Schritt die Angebote freier Träger wie in Gehrden vor dem Aus stehen. „Statt den Schulen endlich die dringend benötigte Unterstützung zur Verfügung zu stellen, zerstört die Ministerin gute bestehende Konzepte und schafft Perspektivlosigkeit für viele verdiente und anerkannte Pädagoginnen und Pädagogen“, so Seefried.

Tatsächlich könnte es schwierig werden, die Stellen überhaupt zu besetzen, da das Land an den Tarifvertrag der Länder gebunden ist und daher geringere Löhne zahlt als mancher freier Träger. Außerdem sind Sozialarbeiter derzeit sehr begehrt. Auf die im Februar ausgeschriebenen 100 Stellen für die Grundschulen gab es aber nach Angaben von Ministerpräsident Stephan Weil „rund 1000 Bewerbungen“. Mit den Trägern bestehender Projekte will das Land nun über Übergangsregelungen reden.

8000 junge Migranten sind Analphabeten

Ministerium ohne Sorge: Etwa 8000 Flüchtlinge oder Migranten in Niedersachsen sind nach einer Befragung vom November 2015 Analphabeten. Das Kultusministerium findet diese Tatsache aber nicht Besorgnis erregend. Schließlich, so das Ministerium gestern, gehen davon 6500 Kinder in Grundschulen oder Schulkindergärten, wo sie die Grundbegriffe erst lernten. „Auch deutschsprachige Kinder kommen nicht alphabetisiert in die Grundschule“, erklärte das Ministerium gestern. Die jüngeren Zugewanderten ohne Lese- und Schreibkenntnisse könnten da leicht mitgenommen werden. Die Grundschullehrer seien zudem Experten im Alphabetisieren von Kindern.

Dem Ministerium zufolge, müssten Kinder zuerst sprechen und danach schreiben lernen. „Deshalb sind die nicht alphabetisierten Kinder und Jugendlichen in der Regel in Lerngruppen gemeinsam mit bereits alphabetisierten Kindern untergebracht.“

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