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Wenzel will alte Meiler öfter vom Netz nehmen

Stromproduktion Wenzel will alte Meiler öfter vom Netz nehmen

Wenn viel Strom aus Windkraft- und Solaranlagen produziert wird, steigen die Preise für die Verbraucher – weil das Netz stark reguliert werden muss. Umweltminister Stefan Wenzel will da eingreifen.

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„Folgekosten für Verbraucher“: Atomkraftwerke wie in Grohnde produzieren auch Strom, wenn die Windkraft- und Solaranlagen auf Hochtouren laufen. Foto: dpa

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Der 8. Mai 2016 war ein Muttertag wie aus dem Bilderbuch: Das Hoch „Peter“ über der Ostsee bescherte Deutschland einen blauen Himmel mit viel Sonne und einer ordentlichen Brise an den Küsten. Weil Windkraft- und Solaranlagen zu Höchstleistungen aufliefen und gleichzeitig der Absatz gedämpft war, stürzte der Preis an der Strombörse erst in die Tiefe und dann ins Minus - zeitweise mussten Kraftwerksbetreiber 130 Euro je Megawattstunde bezahlen, um ihren Strom loszuwerden.

Während Gaskraftwerke ihre Leistung tagsüber deutlich herunterfuhren, liefen Atommeiler und Braunkohleblöcke durch - für deren Betreiber wäre es nach eigener Ansage teurer, die Kraftwerke runter- und wieder hochzufahren. Der sonnige Sonntag hat die Stromkunden rund 21 Millionen Euro zusätzlich gekostet. Die Summe wurde fällig, weil die Betreiber der Stromnetze zu deren Stabilisierung in den Fahrplan anderer Kraftwerke eingreifen mussten - die dadurch entstehenden Kosten werden auf alle Verbraucher umgelegt. Gleiches gilt, wenn Windmühlen „abgeregelt“ werden. Im Jahr 2015 summierten sich die Kosten für beide Notfallmaßnahmen auf eine Milliarde Euro.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sind diese Belastungen zu hoch. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass Braunkohle- und Atomkraftwerke kaum auf Lastschwankungen und negative Strompreise reagieren, sagt der Grünen-Politiker. „Der Einspeisevorrang der Erneuerbaren wird ignoriert - mit erheblichen Folgekosten für die Verbraucher.“

Wie der Energiebranchenverband BDEW sieht auch Wenzel den Hauptgrund für die hohen Sonderkosten im schleppenden Netzausbau - wären die Stromautobahnen vom windreichen Norden in den Süden schon in Betrieb, gebe es die Probleme nicht, heißt es von beiden Seiten. Bis es so weit ist, dringt der Minister auf eine Entlastung der Netze durch eine Absenkung der Mindestleistung fossiler und nuklearer Kraftwerke.

Diese Mindestleistung läuft in der Branche unter der Bezeichnung „Must-Run“: Gemeint ist damit jene Kapazität an konventionellen Meilern, die für einen stabilen Betrieb des Netzes unabdingbar ist. Unter Experten gehen jedoch die Meinungen darüber auseinander, wie hoch diese Dauerleistung sein muss. Aktuell liegt sie zwischen 20 und 25 Gigawatt - nach Einschätzung von Wenzel und des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen würden auch zehn Gigawatt ausreichen.

Um das Ziel zu erreichen, fordert der Minister insbesondere Anreize für einen flexiblen Betrieb konventioneller Kraftwerke. Die Kosten für die Eingriffe der Netzbetreiber in deren Fahrplan sollen künftig nicht mehr allein die Stromkunden tragen - Wenzel möchte sie per Umlage jenen Meilern in Rechnung stellen, „die auch in Engpasssituationen Strom produzieren und das Netz entsprechend belasten“. Das stärke die Wettbewerbsposition insbesondere von effizienten Gaskraftwerken.

Hilfen für Gaskraftwerke

Der BDEW hatte erst bei der Hannover Messe davor gewarnt, die prekäre Lage vieler konventioneller Kraftwerke aus den Augen zu verlieren. Im Zuge des Atomausstiegs und der Stilllegung großer Braunkohleblöcke werde innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Kapazität von rund 26 000 Megawatt aus dem Markt verschwinden, heißt es beim Verband. Im gleichen Zeitraum würden aber nur neue Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 1832 Megawatt neu ans Netz gehen. In der Branche gibt es deshalb Forderungen nach Zuschüssen für Meiler, die für die Stabilität des Netzes unabdingbar sind. Zahlen sollen diese jedoch nicht andere Kraftwerke, sondern die Stromkunden.

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