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Niedersachsen Ex-Umweltminister Sander ist gestorben
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00:15 26.04.2017
Von Michael B. Berger
Der ehemalige niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander. Quelle: dapd (Archiv)

Er war sicherlich einer der ungewöhnlichsten Umweltminister Deutschlands, herzte die Bauern, legte sich mit Umweltschutzverbänden an, provozierte, aber handelte auch mit einer ganz eigenen Entschlossenheit. Am Sonnabend ist Hans-Heinrich Sander, Niedersachsens früherer Umweltminister, gestorben, kurz nach seinem 72. Geburtstag.

"Er war durch und durch ein Liberaler, einer, der sich nie von anderen etwas hat vorschreiben lassen – eine echte Kämpfernatur, die zugleich sehr herzlich sein konnte", sagt Niedersachsens FDP-Landesvorsitzender Stefan Birkner, der Sanders Staatssekretär aber auch Nachfolger im Umweltministerium war.

Dass Hans-Heinrich Sander einmal Umweltminister werden sollte, zählte nach dem Wahlsieg von CDU und FDP im Jahre 2003 zu den echten Überraschungen. Denn der rustikale Freidemokrat aus dem idyllischen Weserbergland Örtchen Golmbach (Kreis Holzminden) war eher als Fachmann für Landwirtschaftsfragen bekannt – und nicht als Umweltexperte. Kein Wunder, der studierte Lehrer und Rektor einer Grund- und Hauptschule war auch ausgebildeter Landwirt, doch hatte umgesattelt, nachdem er bei einem Arbeitsunfall den linken Unterarm verloren hatte. Doch weil die Christdemokraten 2003 im ersten Kabinett Christian Wulffs das Landwirtschaftsressort beanspruchten, kam Sander, der mit seiner Frau in Golmbach noch einen Obsthof betrieb, ins Umweltressort – und brachte mit seiner absolut unkonventionellen Vorgehensweise Ministeriumsmitarbeiter sowie das allgemeine Publikum zum Erstaunen.

Schnell machte sich der Freidemokrat als Befürworter der Kernkraft bundesweit bekannt, für seine Umweltkollegen eher ein Angriff auf das Allerheiligste: So griff der Minister, als ihm bei einem Besuch des Atomlagers Schacht Konrad Betriebsratsmitarbeiter ein T-Shirt mit der Aufschrift "Kerngesund" reichten, ohne Rücksicht auf Verluste beherzt zu – da mochte seine Pressesprecherin noch so sehr mit den Augen rollen. Drei Jahre später – im Biosphärenreservat Elbtalaue bereitete man sich gerade wieder auf größere Überflutungen vor – stach Sander erneut mit einer spektakulären Aktion hervor, die ihm das Attribut eines "Kettensägemonsters" eintrug. Er gab höchstpersönlich mit der Kettensäge einer stattlichen Zwillingsweide den Rest. Der Baum müsse weg, damit das Wasser bei Hochwasser besser abfließen könne, begründete Sander die umstrittene Aktion, die ihm im Elbegebiet Beifall aber im niedersächsischen Landtag Rücktrittsforderungen eintrug. Sander sagte später, er hätte die Aktion durchaus wiederholt, weil sie im Sinne des Gewässerschutzes geschah. Überhaupt lebte Sander, der von einer zupackenden wie auch bauernschlauen Art geprägt war, nach der Maxime: Ich bereue nichts. Das bescherte ihm im Landtag zeitweise Kultstatus.

Eine beachtliche Bodenhaftung bewies Sander in seiner Heimatregion im Weserbergland, in der er der FDP erheblichen Zulauf bescherte. Gut 33 Jahre war Sander Kreistagsmitglied in Holzminden – und örtlicher Parteivorsitzender. Im FDP-Landesvorstand war er lange Zeit Vizevorsitzender. Gesundheitliche Schonung legte sich der Freidemokrat, der einige Bypässe hatte, nie auf.

Ein tiefes Misstrauen hegte der frühere Rektor, der sich achtmal erfolglos um ein Landtagsmandat beworben hatte, gegen alle Formen von Bürokratie. Als Minister setzte er sich oft einfach über sie hinweg, was Niedersachsen manche Klage von Umweltschutzorganisationen aber auch europäischen Gremien eintrug. "Sander ging stets nach der Maxime vor, Politik mit den Menschen zu machen – das tat er mit einem ausgezeichneten Gefühl für die Stimmungslage. Er war ein echter Typ mit Ecken und Kanten", sagt Birkner, der als ruhiger Staatssekretär wie ein Gegenstück zum impulsiven Sander wirkte.

Im Jahr 2012, ein Jahr vor der Landtagswahl, die zur Abwahl der schwarz-gelben Regierungskoalition führte, gab Sander sein Amt an Birkner ab. Ein Jahr später ist in Alt Garge bei Bleckede ein Deich nach dem Minister benannt worden, der mit der ihm eigenen Beharrlichkeit den Hochwasserschutz in der Region vorangebracht hatte. Er war auch als Minister eine Art Deichgraf in Niedersachsen.

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