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„Runden Tisch Integration“

Özkan will neue Nähe von Migranten und Medien – doch Journalisten wahren Distanz

Von Dr. Daniel Alexander Schacht

„Die deutschen Medien sind unabhängig, das ist uns bewusst – und das soll auch so sein.“ Dass Aygül Özkan (CDU) den „Runden Tisch Integration“ mit diesen Worten eröffnet, zeugt vom Wissen der Sozialministerin um die Irritationen, die ihr Plan einer „Mediencharta“ ausgelöst hat.
„Menschen mit Migrationshintergrund für die Medien öffnen“: Aygül Özkan.

„Menschen mit Migrationshintergrund für die Medien öffnen“: Aygül Özkan.

© Rainer Surrey

Denn darin haben viele den Versuch erblickt, Journalisten ans Gängelband der Politik zu nehmen – im Dienst der Integration. Am Montag aber haben die 60 an der Gesprächsrunde teilnehmenden Medien- und Migrantenvertreter gleichwohl einen offenen Austausch erlebt.

„Menschen mit Migrationshintergrund und überhaupt bildungsferne Schichten für die Medien zu öffnen, ist eine wichtige Aufgabe“, sagt Özkan unter Hinweis darauf, dass 16 Prozent aller Niedersachsen und 30 Prozent der unter Sechsjährigen, „also die Fachkräfte von morgen“, einen Migrationshintergrund haben. „Wir müssen diese Menschen für die Wahrnehmung der und durch die Medien gewinnen“, ergänzt die Ministerin unter beifälligem Nicken der Teilnehmer.

Zum guten Gesprächklima trägt bei, dass der Programmpunkt „Unterzeichnung der Mediencharta“ ersatzlos gestrichen ist. Noch ein Programmpunkt bleibt uneingelöst: Ministerpräsident David McAllister zieht dem runden Tisch einen Kurztrip nach Bremervörde vor, wo er mit Justizminister Bernd Busemann Signale für „heimatnahen“ Strafvollzug setzt – dort wird seit 2005 Niedersachsens erstes Privatgefängnis geplant, es soll nicht vor 2012 in Betrieb gehen.

In der entspannten Debatte zwischen Journalisten und Migranten treten gleichwohl Unterschiede im Rollenverständnis hervor. „Medien sind die treibende Kraft der Integration“, sagt Banafsheh Nourkhiz vom Migrantenverband AMFN. „Medien sind nicht Motor, sondern allenfalls ein Transmissionsriemen gesellschaftlicher Entwicklungen“, hält Thorsten Hapke, Vorsitzender der Landespressekonferenz, dagegen.

Neben hohen Erwartungen äußern die Migranten auch einige Kritik an den Medien. Zu oft, sagte Nourkhiz, zeigten sie Migranten unvollständig, unsachlich und vereinfachend. Obwohl drei von vier türkischen Frauen kein Kopftuch trügen, zeigten deutsche Medien Türkinnen meist mit Kopftuch, hat Zahra Deilami, die Integrationsbeauftragte der Stadt Peine, beobachtet. „Wir wollen keine privilegierte, sondern eine differenzierte Darstellung“, fordert Muammer Duran vom Rat Türkischer Vereine.

Gewiss sei Sensibilität nötig, räumt NDR-Hörfunkchef Eckhart Pohl ein, gewiss sei auch die Förderung von Migranten in den Medien zu begrüßen, wie es sie beim ZDF schon längst gebe, sagt Landesstudio-Chef Hans-Peter Trojek. Aber beide wahren, ebenso wie die anderen anwesenden Journalisten, Distanz gegenüber Özkans Forderung nach einer weiteren Kooperation. „Wir brauchen eine Plattform, um zwischen Medien und Migranten, Verwaltung und Politik Themen zu definieren“, sagt die Ministerin zum Schluss der Gesprächsrunde, bietet sich selbst dabei als Mittlerin an – und lobt die Journalisten für eine Teilnahmebereitschaft, die diese gar nicht erklärt haben.

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