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Niedersachsen Oskar Lafontaine besucht die Genossen in Hannover
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21:51 02.12.2012
Von Klaus Wallbaum
„Abgrundtief dumme Politik“: Oskar Lafontaine scheut nicht das klare Wort, wenn es gegen andere Parteien geht. Quelle: dpa
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Hannover

Nun auch das noch. Nicht genug, dass die Linke aus dem Konsens der großen Parteien ausschert und bewusst auch in der Vorweihnachtszeit Wahlkampf treiben will. Es werden außerdem noch Weihnachtslieder politisiert - von niemand Geringerem als dem Bundestagsabgeordneten, Liedermacher und Strippenzieher Diether Dehm.

Beim landesweiten Wahlkampfauftakt in Hannover-Misburg, dem Wahlkreis von SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil, trug Dehm mit kräftiger Stimme seine Neuvertextung alter Klänge vor: „Morgen, Banker, wird’s was geben“, heißt es jetzt, oder „Traurig, traurig, trallalallala“. Immer geht es um böse Spekulanten, die von der Politik mehr beschenkt würden als die armen Leute, denen man das Weihnachtsgeld wegnehme.

Die Umdichtung der Lieder ist nur eine Besonderheit im Wahlkampf der Linken. Zwei andere wurden bei der Auftaktveranstaltung im Bürgerhaus vor 400 Mitgliedern geboten: Erstens schart sich die Partei wieder um Oskar Lafontaine, zweitens gibt Spitzenkandidat Manfred Sohn die Leitlinie für die Zeit nach der Landtagswahl vor - und dabei hält er die Option einer Beteiligung an einer rot-grünen Regierung durchaus offen. Im Mittelpunkt des Tages jedoch steht Lafontaine. Der einstige Parteichef, jetzt nur noch Fraktionsvorsitzender im Saarland, tritt als Weltökonom auf, der die Bankenkrise „schon vor 15 Jahren vorhergesagt“ habe und damals belächelt worden sei.

In Hannover beklagt sich Lafontaine über die „beschränkte, abgrundtief dumme Politik“, die Reichen nicht besteuern zu wollen. Er beschwert sich über „hirnverbrannte“ Ökonomen und „gedankenloses Gequatsche“. Die meisten Politiker, Kanzlerin Merkel eingeschlossen, hätten die einfachsten ökonomischen Regeln nicht begriffen. Und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sei „leider ein Mann der Banken“. Neben dieser ökonomischen Radikalkritik lässt ein landespolitischer Gedanke des Saarländers aufhorchen: Eine ökologische Energieversorgung müsse „dezentral und kleinteilig“ sein, deshalb halte er nichts von den geplanten Offshore-Windparks in der Nordsee.

Neben Lafontaine ist noch eine andere bundesweit bekannte Figur zum Wahlkampfauftakt der Linken gekommen - der frühere Kaufhaus-Erpresser Arno Funke, der den Künstlernamen Dagobert trägt und heute als Karikaturist arbeitet. Für die Linken hat er ein Wahlplakat entworfen, das mehrere Politiker am Roulettetisch zeigt. „Keine Steuermilliarden für Spekulanten“, lautet der Titel.

Die landespolitischen Forderungen trägt der Spitzenkandidat Sohn vor. Die Linke sei eine „Sozialversicherung dagegen, dass SPD und Grüne sich nach rechts entwickeln“, sagt er. Denn die Linke werde Rot-Grün ständig an gegebene Wahlversprechen erinnern. Das gelte etwa für die Überlegung, die Studiengebühren rasch abzuschaffen. Die Mitwirkung an Rot-Grün nach der Landtagswahl hält Sohn für möglich, aber „nicht für das Maximalziel“. Der schönste Wahlausgang wäre für ihn der, dass es für SPD und Grüne allein reicht und zwei Oppositionsparteien wirken - die Christdemokraten und die Linken.

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