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AfD wählt Hampel mit 56 Prozent wieder zum Chef

Öffentlichkeit ausgeschlossen AfD wählt Hampel mit 56 Prozent wieder zum Chef

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat die niedersächsische AfD ihren Vorsitzenden Armin-Paul Hampel am Sonntag im Amt bestätigt – mit 56 Prozent der Stimmen allerdings sehr knapp. Der teilt gegen „Maulwürfe“ in der Partei aus.

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Die Öffentlichkeit musste draußen bleiben: Armin-Paul Hampel wurde als Vorsitzender der AfD bestätigt, aber nur knapp.

Quelle: dpa

Hannover. Der Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD), Armin Paul Hampel, hat die Kampfabstimmung um den Chefposten in der Partei gewonnen. Der Streit der vergangenen Wochen hat aber Spuren hinterlassen: Hampel bekam nur 56,5 Prozent der Stimmen beim Landesparteitag in Hannover.

Seine Herausforderin Dana Guth aus Göttingen erhielt 22,7 Prozent, der dritte Kandidat um den Vorsitz, Siegfried Reichert aus dem Verband Hannover-Land, bekam 20,8 Prozent. „Das ist ein ehrliches Ergebnis, und es zeigt, dass die AfD gut aufgestellt ist“, sagte Hampel sichtlich erleichtert nach der Wahl. Jetzt wolle man in den Wahlkampf gehen und nicht mehr über Satzungs- und Personalfragen sprechen.

In den vergangenen Monaten hatte die AfD vor allem mit Skandalen und persönlichem Streit Schlagzeilen gemacht. Mehrere Kreisvorstände warfen Parteichef Hampel schlechte Organisation und einen autoritären Führungsstil vor. Der wiederum bezichtigte seine Kritikern, die Partei zerstören zu wollen. Es gebe „U-Boote in der AfD“, lässt Hampel seine Partei in einer Rede wissen.

Presse darf Saal nicht betreten

Die Gräben in der Partei sind tief, das Misstrauen groß. Das zeigt sich auch daran, dass die Presse von der Veranstaltung im Bürgerhaus Misburg ausgeschlossen bleibt – erst nur vorläufig, dann endgültig. Aufkleber, die im Vorraum auslagen, warnten zudem Parteimitglieder in schiefem Deutsch davor, mit Medienvertretern zu sprechen: „Nein! Zu Schmutzkampagnen über die Presse!“ stand auf den Stickern. Intern deutete Hampel an, AfD-Mitglieder mit Parteiordnungsverfahren überziehen zu wollen, wenn sie sich gegenüber der Presse negativ über die Partei oder Parteimitglieder äußern sollten. Doch längst nicht alle lassen sich davon einschüchtern, und so ergibt sich auch bei Gesprächen draußen vor der Tür ein Bild davon, was hinter den geschlossenen Saaltüren passiert.

Und da zeigt sich schnell, dass der Landesparteitag am Wochenende kein Versöhnungstreffen war. Nachdem Hampel seinen Rechenschaftsbericht als Vorsitzender abgegeben hatte, wirken seine Kritiker entsetzt. „Das war eine Hetzrede“, eine „persönliche Abrechnung“, heißt es. Hampel habe die Rede genutzt, um schwere Anschuldigungen gegen seine Gegner zu erheben.

Im Sitzungssaal geht der Machtkampf derweil weiter. Die Rebellen wollen nach der Rede von Hampel mit eigenen Anträgen ihre Sicht der Dinge kundtun. Doch dazu kommt es nicht, weil auf Antrag aus dem Landesvorstand die Tagesordnungspunkte der Rebellen einfach von der Tagesordnung gesetzt werden. „Dadurch war das alles sehr einseitig“, beklagt sich der Osterholzer Kreisvorsitzende und Rebell Thorben Freese. Holger Pieters aus Ostfriesland meint, mit diesem Parteitag „ist die bürgerliche Mitte aufgerieben“.

Für Hampel selber sind diese Querelen Geburtswehen: „Wir sind immer noch eine Partei im Werden“, sagt der 59-Jährige. Doch auch nach seiner Wiederwahl sieht er „Maulwürfe“ in der Partei, die er auf Nachfrage nicht benennt. Es seien „Profis“, die von „äußeren Kräften“ gesteuert würden, um die Parteiarbeit permanent zu blockieren. Hampel hofft, dass die Niederlage der Rebellen ihre Wirkung haben wird: „Ich gehe davon aus, dass die Herrschaften nun die entsprechenden Konsequenzen ziehen werden“, so der 59-Jährige.     

Die Wagenburg schließt sich

Ein Kommentar von Heiko Randermann

Als neue Volkspartei würde Armin Paul Hampel die Alternative für Deutschland gerne sehen. Eine Partei also, in der verschiedene Strömungen einander dulden – und dadurch eben die Breite der Bevölkerung repräsentieren. In Wahrheit führt Hampel seinen Verband in die andere Richtung: Die AfD Niedersachsen radikalisiert sich.

Kritiker werden von Hampel zu Maulwürfen erklärt, die die Partei verlassen sollen, oder ihre Anträge werden einfach von der Tagesordnung der Versammlung getilgt. Der Landeschef selber kolportiert Verschwörungstheorien über „äußere Kräfte“, die dem Landesverband schaden wollen. Wenn man dann auch noch die Medien vom Parteitag ausschließt, zeugt das ebenfalls nicht von Offenheit und Selbstbewusstsein. Die AfD-Niedersachsen wird gestrafft und auf den Chef zugeschnitten, der zunehmend Gefallen an einem autokratischen Führungsstil findet. Als Partei für aufgeklärte Bürger hat sich die AfD damit disqualifiziert.      

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