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Nachfolge

Philipp Rösler wird neuer Wirtschaftsminister


Der Wickeltisch, den Philipp Rösler noch am Montag für seine beiden vier Monate alten Töchterchen Gritje und Gesche verwendet hat, bleibt in den Räumen der FDP-Landtagsfraktion.
Hat Talent zum Schauspielern und die Managementfähigkeiten eines Politikers: Der neue niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

Hat Talent zum Schauspielern und die Managementfähigkeiten eines Politikers: Der neue niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

© Rainer Surrey

Ist ohnehin Fraktionsbesitz. Aber seine neue Wirkungsstätte will Philipp Rösler, der Fraktionsvorsitzende a. D., als familienfreundliches Ministerium zertifizieren lassen, wenn er erst sein neues Amt angetreten hat. Gegen 15 Uhr, so sieht es der Fahrplan des Landtags vor, wird Doktor med. Philipp Rösler als neuer niedersächsischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident vereidigt – erst 36 Jahre alt.

Das Erstaunliche daran: Kaum jemand im Leineschloss wundert sich darüber, dass ausgerechnet der Augenarzt Rösler ins Wirtschaftsressort wechselt, auch wenn er selbst darüber witzelt, sich mit Kurz- und Weitsichtigkeit ebenso gut auszukennen wie mit „Blindfischen“. Aber als besonderer Wirtschaftsexperte ist Rösler, der seit 2003 die Geschicke der FDP-Landtagsfraktion leitet, selten in Erscheinung getreten.

Das ausgebliebene Wundern hängt wohl mit der Tatsache zusammen, dass schon vor Jahren zwei Männer auf spektakulär unspektakuläre Art untereinander ausgemacht haben: Du wirst einmal mein Nachfolger. Nur der Zeitpunkt, wann sich Walter Hirche aufs Ruheteil begibt, schien bis Anfang dieses Jahres offen.

Bis Hirche plötzlich zu Jahresbeginn seinen Rücktritt für Februar ankündigte. Dass die Opposition wie auch die Medien schon vor Jahren wegen Pannen beim Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven oder massiven Unzulänglichkeiten beim inzwischen eingestellten Testbetrieb des Transrapids im Emsland Hirche zur Demission rieten, hat den alten Politikstrategen eher länger im Amt gehalten.

Auch wenn Philipp Rösler heute mit leichter Aufregung die Regierungsbank besetzen wird, die er auch gestern bei seiner Vorstellung vor der CDU-Landtagsfraktion verspürte, kann er als politisches Glückskind gelten. Selten gelangt einer so unberührt vom sonst üblichen internem Parteigerangel, von Intrigen und Konkurrenz in ein hohes Amt wie der in Vietnam geborene Deutsche. Mit Adoptivvätern hat Rösler, der seinen Vater, einen ehemaligen Bundeswehroffizier, auch vor Dritten noch ganz unbefangen „Pappi“ nennt, Glück gehabt.

In Hirche fand er einen politischen Paten, der vor neun Jahren extra die FDP-Satzung änderte, um seinen neuen ehrenamtlichen FDP-Generalsekretär zu installieren: Philipp Rösler aus Hannover, der später auch das Amt des FDP-Landesvorsitzenden übernahm und heute am vorläufigen Höhepunkt einer berechenbaren Karriere steht, die, so sagt er selber, mit 45 schon beendet sein soll. Wer da weiterfragt, der wird an Röslers „Pappi“ verwiesen und den Satz: „Gute Schauspieler und Politiker haben eins gemeinsam: Sie gehen, wenn noch jemand klatscht.“

Rösler, der bis vor Kurzem noch mit einer Handpuppe als Bauchredner auftrat, hat beides in sich: Das Talent eines Schauspielers, ja Unterhalters, der die Pointen an der richtigen Stelle setzt, wie auch die Managementfähigkeiten eines Politikers, der weiß, wann man charmieren, und wann man drohen muss. Das hat er mit dem CDU-Landesvorsitzenden David McAllister gemein, den er seinen „Freund“ nennt, während der zwölf Jahre ältere Christian Wulff als „fairer Partner“ tituliert wird.

Nun ist Rösler, der sich nach eigenen Worten zwei Jahre auf sein neues Amt vorbereitet hat, dem Talentschuppen entwachsen. „Kraft für Entscheidungen“ brauche man in so einem Amt, man müsse gut zuhören „und Ratschläge auch annehmen können“, sagt er zu den Voraussetzungen, die er für den Ministerposten mitbringt: „Das ist schließlich eine politische Führungsaufgabe.“ Schließlich sei das Physikstudium auch keine Voraussetzung fürs Bundeskanzleramt, merkt der Medikus an, dessen große Gabe im Landtag war, für fast jede Frage einen allgemeinen Leitsatz zu haben, nach dem man sich richtet. Oder zumindest eine Pointe.

Vorsichtig ist Rösler mit großen Ankündigungen. Natürlich will er den Mittelstand fördern. Begeistert berichtet er vom Besuch eines Müsli-Herstellers in Lüneburg. Natürlich will er Niedersachsen modernisieren – und sieht in den 35 Millionen Euro für Breitbandanbindung, die das Konjunkturprogramm der Bundesregierung bietet, da gut angelegtes Geld.

Skeptisch ist er gegenüber den Großen. An einem Familienunternehmen wie Schaeffler, das sich bei der Übernahme des Conti-Konzerns verhoben hat, dürfe sich der Staat nicht beteiligen. Bürgschaften ja, aber auf keinen Fall eine Staatsbeteiligung, sagt Rösler. „Dann müssen Sie jeden Handwerksmeister, der vor der Pleite steht, auch unterstützen“, sagt er – und kommt im Gedanken an den kleinen Handwerksmeister kurz in Fahrt. „Unser Kurs ist da ganz klar: Wenn es darum geht, das wirtschaftliche System als Ganzes zu retten, dann trägt man das mit – aber nicht, wenn es darum geht, Managementfehler auszubügeln.“

Als herausragender Vertreter einer Partei, die in Berlin in der Opposition sitzt, versteht es Rösler aber auch gut, kurz vor Amtsantritt noch einmal die Manager der Großen Koalition zu reizen, etwa mit der Forderung einer Senkung des Einkommenssteuerfreibetrages oder der knappen Abfuhr an CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der einen gemeinsamen Entschließungsantrag von Großer Koalition und Freien Demokraten zum Thema Konjunkturpaket anbot. Ohnehin findet es Rösler, zu dessen Repertoire das Hohelied auf die Provinz gehört, äußerst reizvoll, auf der Berliner Bühne mitzupokern.

Doch am Mittwoch erst einmal der große Einführungsakt in Hannover – der Pate Hirche geht, und alle aus der Röslerschen Familie nehmen Anteil: Frau Wiebke Rösler, Ärztin und Freidemokratin, der „Pappi“ genannte Adoptivvater, natürlich auch Schwiegereltern. Schließlich wird ein Familientier Minister. Und wenigstens die Unterlage vom FDP-Wickeltisch wandert mit ins Ministerium.

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    Jetzt wird alles noch besser.:-)
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    Bei den sogenannten Bürgerlichen Parteien ist es offensichtlich jetzt in Mode geraten. Der Jugendwahn, der langsam in der Wirtschaft abflaut ist mitten in der Krise dort angekommen. Nun haben wir bei den Wirtschaftsministern die Generation Yupie.
    Hauptsache man ist Telegen - Fachkenntnis stört eher, das erledigen ja schon andere für die neuen Herrschaften.
    Am besten wir casten die nächsten Minister!
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