Er hatte einen 45 Millionen Euro teuren Glastempel neben dem historischen Leineschloss vorgesehen. Neben Kritik an der Gestaltung werden Hinweise laut, der Kostenrahmen drohe überschritten zu werden, und der Bau könne nicht, wie geplant, zur Landtagswahl 2013 fertig sein.
Für den morgigen Dienstag werden Entscheidungen in den Landtagsfraktionen erwartet. Am Wochenende verstärkten sich die Anzeichen, dass zumindest die großen Fraktionen von der Zustimmung zu Yis Entwurf abrücken wollen. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte sich, wie jetzt bekannt wurde, bereits vergangene Woche in einem Gespräch zwischen Landesregierung und Architektenkammer betont zurückhaltend gezeigt. Wulff hat nach Angaben von Teilnehmern gesagt, dass er zwar die Entscheidung der Parlamentsfraktionen respektieren werde, persönlich als Abgeordneter aber für eine „sehr bescheidene Lösung“ plädiere und anstelle eines Neubaus auch einen „Umbau im Bestand“ für möglich halte. In der CDU gibt es außerdem Stimmen, die auf die angespannte Finanzlage des Landes hinweisen und feststellen, dass der Siegerentwurf von Yi in der Öffentlichkeit bislang „keine Begeisterung ausgelöst“ habe. Auch das Ziel von Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU), eine breite Mehrheit im Landtag für eine Lösung herzustellen, scheine mittlerweile unrealistisch.
Aus der SPD-Fraktion heißt es, immer mehr Abgeordnete würden den zweiten Preisträger befürworten, der lediglich einen maßvollen Umbau des alten, von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals vorsieht. Andere Stimmen in der SPD empfehlen gar, auf den Sieger des Architektenwettbewerbs von 2002 zurückzukommen. Dieser hatte vorgesehen, den Oesterlen-Bau äußerlich fast unverändert zu lassen, jedoch den hölzernen Plenarsaal im Innern umzugestalten und auch Tageslichteinfall in der Decke des Gebäudes vorzusehen. Rechtlich ist aber umstritten, ob das Land nach Abschluss des aktuellen Architektenwettbewerbs auf die alte Variante zurückgreifen darf.
In der CDU-Fraktion wird nun die Sorge laut, der Siegerentwurf könne finanziell ausarten, zumal dort auch eine Tiefgarage vorgesehen ist, die wegen der Nähe zur Leine nur sehr aufwendig zu bauen wäre. Auf der anderen Seite will die CDU aber ihren Landtagspräsidenten Dinkla nicht im Regen stehen lassen, der sein politisches Schicksal mit dem Umbau des Parlaments verknüpft hat.
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Kommentare
Entscheidung Arnulf Neumann – 02.03.10
"Nur nicht den 'Palast' bauen - und alles andere wäre dann fast egal?" - das wird nicht reichen, zumindest nicht für Architektur (!)Wegen Unzufriedenheit mit dem Ergebnis des 1. Wettbewerbes (Koch Panse) war seinerzeit mit stichhaltigen Argumenten ein weiterer Wettbewerb ausgelobt worden. An dieser Unzufriedenheit hat sich, zumindest bei mir, nichts geändert!
Sollte nun am Ende, aus juristischen Gründen etwa, doch noch ein 'unbefriedigendes Ergebnis' reale Gestalt gewinnen? Ein Ergebnis, welches sich dem Denkmalschutz-Gedanken einfach nur noch total unterwirft, obwohl es hierzu eine überzeugende architektonische Alternative gibt, nämlich den 2. Preis?
Was wäre das für ein Fortschritt (!)
Neubau Franxman – 01.03.10
Opa Harry hat recht,wer keine Kohle hat,kaputte Strassen und Infrastrukur,kann kein Geld für solche Prunkbauten ausgeben.Obwohl,für das teure Regionsgebäude war ja auch Geld trotz Schulden da,warten wirs ab!!mfg
Dumm gelaufen ,Herr Dinkla Schorse – 01.03.10
Herr Dinkla hat sein politisches Überleben mit dem Neubau verknüpft,die CDU will ihn nicht im Regen stehen lassen?! Mir kommen die Tränen! Dann soll er doch zurücktreten, auch er ist austauschbar! Lieber so,als Steuergelder der Bürger sinnlos verbrennen.Ich bin für den 2. Vorschlag, wenn nicht der Plan von 2002 verwirklicht werden kann.
Dumm gelaufen,Herr Dinkla Steinorth – 01.03.10
Es ist nicht fair, die negativen Seiten der Entwicklung zum Lantagsneu- oder umbau auf Hermann Dinkla abzuladen.Ein Parlamentsgebäude sollte kein Allerweltsbau sein. Entscheidungen über öffentliche Bauten in einer Demokratie brauchen Zeit und führen mitunter auf Holzwege. Das ist gut so.
Wäre der Entwurf Koch-Panse seinerzeit weiter verfolgt worden, hätte die Diskussion über einen Neu- statt eines Umbaus immer noch kein Ende gefunden. Der zweite Wettbewerb war sinnvoll, weil er gezeigt hat, dass der Weiterbau des Oesterlenbaus nach dem Entwurf Koch-Panse die angemessene Lösung ist. Hier gibt es keine Verlierer, von den Teilnehmern des zweiten Wettbewerbs einmal abgesehen. Aber das ist nun einmal das Berufsrisiko von Architekten.
Von der Form zur Funktion Bürger – 01.03.10
Das Architektur im öffentlichen Raum auch immer etwas mit Politik zu hat, gilt für jedes bauliche Vorhaben. Das die Entscheidungsträger jetzt von Formfragen (Symbolik etc.) hin zu Funktionsfragen (baulicher Aufwand/Wirtschaftlichkeit) kommen, ist sehr zu begrüßen. Das ist modern und entspricht dem Zeitwillen. Architektur als raumbildende Gestaltung bleibt an ihre Zeit gebunden. Auch alte Vorstellungen infrage zu stellen und neuen Ideen gegenüberzustellen ist positiv zu bewerten. Lösungen, die der individuellen Aufgabe in der jeweiligen Situation gerecht werden, sind der neue Ansatz, vor diesem Hintergrund ensteht dann die zeitgemäße Form.Exklusivität der Säulen nolimit – 01.03.10
Der Entwurf von Kim Young IL- oder wie immer er heißen mag- ist formalästhetisch so nicht hinnehmbar. Die Säulen des Portikus dürfen exklusiv nur dort stehen und den Eingang markieren und sich nicht in einer Säulenfassade fortsetzen.Lernt man im Grundstudium oder hat es im Gespür!
De 2. Preis ist leider auch nicht viel besser. In die gleichmäßig aufgeteilte Oesterlen- Fassade (auch noch mittig!) eine Großöffnung zu implantieren pervertiert den Grundgedanken des Altmeisters. Wie's geht zeigt der Siegerentwurf aus 2002 vom Büro Koch|Panse. Einfach, effizient, kostengünstig! Dazu noch mit Feingefühl und Respekt vor dem Altbau. Alles Attribute, die ich dem Büro Gebhardt nicht zusprechen kann.
Ceterum censeo:
Der Abriss des den Zeitgeist hervorragend dokumentierenden Bauwerks ist ein klarer Rechtsbruch des nds. Denkmalschutzgesetzes und wird in Zukunft als erstklassiger Berufungsfall für jeden Denkmalfrevler dienen...
Alles kaputt, aber protzen Opa Harry – 01.03.10
Alles kaputt, Staatshaushalt im Arsch, Straßen kaputt, öffentliche Gebäude einsturzgefährdet, Schulen marode, kein Geld für Lehrer, aber billig in die USA fliegen, nicht wahr Herr Wulf?Und dann noch protzen mit einem Prachtbau, Holz, Glas, Marmor, Sitze mit eingebauter Massagebank und Minibar am Sitz. Ein Denkmal für Wulff und Konsorten. Hoch lebe die Koalition aus CDU und SPD.
Wo leben wir eigentlich?
Gegen Volkeswille Ein Noch-Wähler – 01.03.10
Der Landtagspräsident gilt als oberster Volksvertreter. Seine Aufgabe wäre es eher gewesen, den Abgeordneten bewusst zu machen, dass hier nur eine wirtschaftliche, für das Volke tragfähige Lösung in Betracht kommt und nicht ein Prunkbau. Wenn dieser dann in finanzwirtschaftlich sehr schlechten Zeiten gegen den Willen des Volkes ein geldverschwenderisches Projekt durchziehen will, dann ist er für dieses Amt nicht auch nicht geeignet.Und noch etwas, wenn sich die Abgeordneten schon die schärfste Bannmeile gönnen wollen, dann können sie nicht dann auch im „Bunker“ sitzen bleiben.
Dumm gelaufen, Herr Dinkla WillmaNord – 01.03.10
Die CDU sollte nicht aus Mitleid mit ihrem Landtagspräsidenten (oder aus welchen Gründen auch immer) dazu beitragen, das nicht vorhandene Geld mit vollen Händen rauszuwerfen. Das Thema ist brisant genug, auch bis zum nächsten Landtagswahlkampf nicht in Vergessenheit zu geraten (im Gegensatz zu Herrn Dinkla, den eeh keiner kennt).