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Gauck eröffnet „Woche der Brüderlichkeit“

Rede in Hannover Gauck eröffnet „Woche der Brüderlichkeit“

Bundespräsident Joachim Gauck hat am Sonntag in Hannover vor Fremdenfeindlichkeit und Hassparolen gewarnt. „Wer glaubt, das sogenannte christliche Abendland mit der Herabsetzung Anderer, mit Ausgrenzung Andersgläubiger, mit Hassparolen und Säuberungsfantasien verteidigen zu sollen, hat es schon verraten“, sagte Gauck in Hannover. 

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„Das Leid unserer Tage nicht bequem auf andere abwälzen“: Bundespräsident Joachim Gauck.

Quelle: dpa

Hannover. Diese Haltung sei nicht zu akzeptieren, sagte Gauck vor 1000 Gästen im „Theater am Aegi“. Hier eröffnete der Bundespräsident die „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

In der Feierstunde wurde dem 68-jährigen Erziehungswissenschaftler und Publizisten Micha Brumlik die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Mit ihr werden Beiträge für die christlich-jüdische Verständigung geehrt.
Bei einem ökumenischen Gottesdienst zu diesem Anlass in der Marktkirche rief die frühere hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann dazu auf, sich stärker für den Frieden einzusetzen. „Wir können das Leid unserer Tage nicht bequem auf andere abwälzen“, sagte die Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. Sich für den Frieden einzusetzen könne auch bedeuten, gegen Rassisten und Hetzer die Stimme zu erheben – oder Geflüchtete zum Essen einzuladen.

In Hannover ist am Sonntag die Woche der Brüderlichkeit eröffnet worden. Auch Bundespräsident Joachim Gauck sprach bei der zentralen Eröffnungsveranstaltung.

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Gauck erinnerte in seiner Festrede an die großen Kriege in Europa, die den Wunsch nach einem brüderlichen oder geschwisterlichen Zusammenleben geweckt hätten. Doch die Errungenschaften der vergangenen Jahre sieht Gauck durch Krieg und Terror gefährdet. „Gehört es nicht zu den deprimierendsten Erfahrungen der Gegenwart, dass in unseren Tagen ungeheuerliche Schreckenstaten verübt werden, vorgeblich im Namen Gottes?“, sagte der Bundespräsident. Angeblich im Namen Gottes würden Menschen vergewaltigt und gekreuzigt, verbrannt und enthauptet, erschossen und in die Luft gesprengt. Uralte Kulturgüter würden von fanatisierten islamistischen Gotteskriegern vernichtet, beklagte der Bundespräsident. „Um Gottes Willen“ möge man da rufen, sagte Gauck unter Anspielung auf das Motto der „Woche der Brüderlichkeit“.

Gauck richtet sich auch an Fundamentalisten

Gauck warnte in seiner Rede: „Was uns sicher schien, die Einigung Europas etwa, droht vor unseren Augen wieder Risse zu bekommen.“ Der Bundespräsident betonte, er habe nichts gegen ein Bekenntnis zur eigenen Tradition oder Kultur einzuwenden. „Aber die wachsende Unbarmherzigkeit gerade auch von selbsternannten Verteidigern des christlichen Abendlandes, die sich längst nicht mehr nur verbal äußert, ist nicht akzeptabel.“ Gauck unterstrich ausdrücklich den Wert der Religionsfreiheit, zu dem aber auch zähle, frei von Religion leben zu dürfen. Dies gehöre „zu den nicht verhandelbaren Grundlagen unseres Zusammenlebens“, sagte Gauck an die Adresse von Fundamentalisten jeglicher Art.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) warnte in der Feierstunde vor einer neuen Art von Fremdenfeindlichkeit, in der sich Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit „zu einem gefährlichen Gebräu“ mischten. „Antisemitismus ist immer falsch“, betonte der Ministerpräsident.     

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