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Niedersachsen Rückendeckung für Althusmann
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20:52 07.07.2011
Im Fokus von Plagiatsjägern: Niedersachsens Bildungsminister Bernd Althusmann soll bei seiner Promotion geschummelt haben. Quelle: dpa
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Hannover

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann gerät die Arbeit der Prüfer an deutschen Hochschulen in die Kritik. Prof. Jürgen Hesselbach, Landesvorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz, sagte am Donnerstag: „Wir sollten nicht immer nur mit dem Finger auf Doktoranden zeigen, die bei ihrer Dissertation unsauber gearbeitet haben, sondern uns auch fragen, wie es die Universitäten mit wissenschaftlichen Standards halten.“ Der Präsident der Technischen Universität Braunschweig mahnte einen kritischeren Umgang der Universitäten mit externen Doktoranden an.

Althusmann hatte am Mittwoch eingeräumt, dass ihm bei seiner 2007 bei der Universität Potsdam eingereichten Promotionsschrift „möglicherweise handwerkliche Fehler“ unterlaufen sind. Zuvor hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ auf ihrer Online-Seite eine Analyse der Hälfte von Althusmanns Arbeit vorgelegt. Danach finden sich auf 88 von 114 Seiten Hinweise darauf, dass sich der CDU-Politiker aus fremden Quellen bedient hat, ohne dies in der vorgeschriebenen Weise anzugeben.

Der Fall Althusmann ist auch deswegen heikel, weil der CDU-Politiker derzeit nicht nur Bildungsminister ist, sondern auch den Vorsitz der Kultusministerkonferenz innehat – des Gremiums also, dass über die bildungspolitischen und wissenschaftlichen Standards im Lande zu wachen hat. Für seine Dissertation im Fach Betriebswirtschaft erhielt Althusmann die Note „rite“ – ein „ausreichend“ also, das 270-Seiten-Werk genügte gerade noch den Anforderungen.

„Diese Note ist die absolute Ausnahme bei Doktoranden, die im wissenschaftlichen Betrieb eingebunden sind“, sagte Hesselbach. Bei externen Doktoranden aber, die wie Althusmann neben ihrer beruflichen Tätigkeit an ihrer Dissertation schreiben, komme dies immer mal wieder vor. „Sie schreiben ihre Arbeit im stillen Kämmerlein, ohne viel Kontakt zum Doktorvater – wenn Professoren schließlich das Zustandekommen der Schrift beurteilen sollen, fühlen sie sich oft überfordert“, sagte Hesselbach: „Wir müssen mehr Kontrollstationen in die Betreuungs- und Begutachtungsprozesse einbauen.“

„Althusmanns Glaubwürdigkeit hängt vom Urteil der Uni Potdam ab“

Der Professor für Maschinenbau warnt vor „verfrühten Rücktrittsforderungen“ im Fall Althusmann: „Man sollte das Prüfungsergebnis der Uni Potsam abwarten.“ Auch die Bildungsverbände reagierten zurückhaltend auf die Plagiatsvorwürfe gegen den Minister: „Althusmanns Glaubwürdigkeit hängt vom Urteil der Uni Potdam ab“, sagte der niedersächsische GEW-Vorsitzende Eberhard Brandt. Unter den Lehrern im Lande mache sich jedoch eine gewisse Unruhe breit: „Wir haben mehrere E-Mails erhalten, in denen Lehrer vom Minister dieselben Maßstäbe redlichen Arbeitens einfordern, wie sie an Lehrer gestellt werden“, sagte Brandt.

Der niedersächsische Philologenverband, die Vertretung der Gymnasiallehrer, forderte eine zügige Überprüfung der Arbeit Althusmanns, um Schaden von seinen Ämtern abzuwenden. „Ich rechne Althusmann aber hoch an, dass er sich selbst um Aufklärung bemüht“, sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz. Heidrun Korsch, Vorsitzende der Direktorenvereinigung, sagte, sie könne sich nicht vorstellen, dass Althusmann „intensiv plagiiert“ hat: „Als Bildungspolitiker hat er sich immer fundiert Sachkenntnis angeeignet.“

Von einer Plagiatsaffäre ist derzeit auch die TU Braunschweig betroffen, wenn auch indirekt: Die frühere Direktorin der NordLB und jetzige Beraterin von Außenminister Guido Westerwelle, Margarita Mathiopoulos, ist dort Honorarprofessorin. Nach Plagiatsvorwürfen wird ihre Dissertation derzeit von der Uni Bonn überprüft. „Wenn die Universität Frau Mathiopoulos ihren Doktortitel aberkennt, wird sie bei uns nicht mehr Honorarprofessorin sein können“, sagte Uni-Präsident Hesselbach.

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