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00:15 21.02.2014
Von Saskia Döhner
Mit dem Turboabitur könnte es in Niedersachsen bald vorbei sein. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Nach langer Debatte erfüllt die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen die Wünsche von Eltern, Lehrern und Schülern: Die Gymnasien im Land haben vermutlich vom Sommer 2015 an die Möglichkeit, zum Abitur nach 13 Schuljahren zurückzukehren. Das Turbo-Abitur wäre damit Geschichte. „Die Tür zu G 9 steht offen“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag der HAZ. Man wolle weg vom „Dauerstress“ vor allem in den Jahrgängen 7 bis 9.

Wie die Reform der Reform genau aussehen soll und welche Kinder wann wieder länger zur Schule gehen, kann die Ministerin aktuell noch nicht sagen. Klar ist aber: Besonders leistungsstarke Schüler sollen weiterhin die Möglichkeit haben, auch in acht Jahren das Abitur zu schaffen. Sie würden dann in den Jahren vor der Oberstufe spezielle Förderstunden erhalten und könnten ein Schuljahr überspringen.

Heiligenstadt machte zugleich deutlich, dass ihre Reform nicht das Gymnasium alten Zuschnitts wiederbeleben soll. Ein „Zurück zum alten G 9 der neunziger Jahre wird es nicht geben“. 70 Prozent der Gymnasien seien mittlerweile Ganztagsschulen. Gerade am Nachmittag könnten Schüler künftig individuell gefördert werden. Kinder, die zu Hause nicht die entsprechende Unterstützung bekämen, sollten diese in der Schule erhalten. Die Ministerin kritisierte, dass viele Familien sich heute teure Nachhilfestunden nicht leisten könnten. Die soziale Herkunft dürfe nicht länger entscheidend für den Schulerfolg sein: „Jeder, der an einer Schule einen Bildungsgang antritt, muss diesen dort unter den gleichen Bedingungen auch beenden dürfen.“

Einen konkreten Vorschlag zur Ausgestaltung des neuen G 9 will die Ministerin vorlegen, wenn die seit September 2013 im Ministerium tagende Expertenrunde ihren Abschlussbericht herausgegeben hat. Dies wird vermutlich Ende März sein. Das Gremium prüft derzeit drei Varianten: das verkürzte Abitur mit weniger Klausuren und Prüfungsfächern, ein Abitur im eigenen Takt (gemeinsamer Unterricht bis Klasse 9 und dann die Aufspaltung in einen langsameren und einen schnelleren Zweig) und die Rückkehr zu G 9. Nur das Abitur nach 13 Jahren bedeute aber tatsächlich weniger Unterricht für die unteren Jahrgänge, sagte Heiligenstadt. Bis Klasse 10 sollen nicht mehr als sechs Stunden Unterricht am Tag die Regel sein. Heiligenstadt sprach von einem „Systemwechsel“. Dies dürfe allerdings nicht in einem „Hauruckverfahren“ geschehen wie bei der Einführung von G 8 vor zehn Jahren. „Schwarz-Gelb hat das Turbo-Abitur schlecht umgesetzt, dauerhaft schlecht fortgeführt und bis zuletzt mit Klauen und Zähnen verteidigt.“ Rot-Grün habe erstmals die öffentliche Diskussion angestoßen. Die Expertenrunde, an der Vertreter der Bildungsverbände, der Gewerkschaften und der Schulen teilnehmen, sei deshalb kein „Kaffeekränzchen“.

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien könnte Teil einer großen Schulgesetznovelle sein, die auch die Abschaffung der Laufbahnempfehlung nach Klasse 4 und eine Aufwertung der Gesamtschule einschließt. Sie könnte  dann auch eine „ersetzende Schulform“ sein, die alle anderen Schulen an einem Ort überflüssig machen kann.

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