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Niedersachsen Schlesier müssen um Zuschüsse aus Niedersachsen bangen
Nachrichten Politik Niedersachsen Schlesier müssen um Zuschüsse aus Niedersachsen bangen
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08:38 07.07.2011
Von Klaus Wallbaum
Der Vorsitzende der Schlesischen Landmannschaft Pawelka steht erneut in der Kritik. Verschiedene Seiten fordern eine Entschuldigung. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Eigentlich hat sich Rudi Pawelka, der streitbare Vorsitzende der Schlesischen Landsmannschaft, vor zehn Tagen in Hannover nur so verhalten wie sonst auch: Nach Lust und Laune zog er vor 3000 Zuhörern über die Polen her, schob ihnen eine Mitschuld am Holocaust zu und scherte sich überhaupt nicht darum, dass diese ausländerfeindlichen Töne Empörung auslösten und viele Zuhörer vorzeitig gingen, einschließlich des Ministerpräsidenten David McAllister. Jahrelang hatte Pawelka so auftreten können, ohne dass er Konsequenzen befürchten musste. Er fühlte sich wohl in der Pose dessen, der einmal ganz ungeschminkt seine eigenen Ansichten verbreiten wollte. Jetzt aber darf der Funktionär um seine Zukunft an der Verbandsspitze bangen.

Gegen Pawelka, einen ehemaligen Polizeidirektor und Ratsherrn aus Leverkusen, braut sich einiges zusammen. Als der Schlesier-Vorsitzende beim Treffen in Hannover seine Schimpftiraden losließ, löste er damit tiefe Nachdenklichkeit aus. Die niedersächsische Landesregierung, die bisher alle zwei Jahre das Schlesiertreffen mit 50 000 Euro bezuschusst, denkt nun über eine Streichung dieser Summe nach. „Noch ist nichts entschieden, aber wir sind in Gesprächen“, sagte ein Sprecher von Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Der Zuschuss hänge von der „weiteren Entwicklung bei der Landsmannschaft“ ab.

Deutlicher drückt sich der Vertriebenenbeauftragte der Landesregierung, der Landtagsabgeordnete Rudolf Götz (CDU) aus Seesen im Harz, aus: „Als Mitglied der Landsmannschaft kann ich Herrn Pawelkas Auftreten nicht mehr ertragen. Er schadet dem Ansehen der Vertriebenen und zerstört das Vertrauen, das die Vertriebenen bei ihrer Aussöhnung mit den Polen erworben haben.“ Pawelkas Worte seien „rückwärtsgewandt“, er müsse sich für seine Ansichten öffentlich entschuldigen – oder zurücktreten.

Auch die evangelische und die katholische Kirche, die bei den Schlesiertreffen regelmäßig Gottesdienste anbieten, wollen nicht in rechtsextremes Fahrwasser geraten. Wie es heißt, überlegen auch sie Konsequenzen für künftige Treffen. Dies ist für die Landsmannschaft ein schwerer Schlag, zumal sich die Organisation kurz vor dem diesjährigen Treffen schon von ihrer Jugendorganisation trennen musste – wegen einer rechtsextremen Ausrichtung dieser Gruppe.

Der Landeszuschuss für das Schlesiertreffen ist ein Lebenselixier für den Verband. Ohne die Unterstützung aus dem niedersächsischen Landeshaushalt kann die Organisation ihre für die Pflege der Kultur so wichtigen Treffen kaum ausrichten – denn wegen rückläufiger Teilnehmerzahlen geht auch die Einnahme aus den Eintrittsgebühren zurück, und die großen Veranstaltungshallen kosten auch Geld, ebenso wie die Organisation einer solchen Großveranstaltung. Pawelka stört das bisher nicht.

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