Vor Jahren schufteten dort noch Arbeiter der Kokerei. Am Montag Abend schwitzten bei hochsommerlichen Temperaturen SPD-Anhänger. Die guten alten Zeiten, dies wurde schnell klar, eignen sich nun mal bestens, um daran zu erinnern, dass ein Ministerpräsent namens Schröder bereits vor Jahren das tat, was heute der politische Gegner als richtig entdeckt.
Eine staatliche Industriepolitik? „Unser Konzept hieß, der Staat steht an der Seite der Arbeitnehmer“, sagte Schröder. Viel Kritik habe er einstecken müssen, als sich das Land 1998 für den Kauf der Salzgitter AG entschieden hatte. Heute sei der Anteil an der Salzgitter AG auf etwa 25 Prozent geschrumpft; ein Anteil, der mehr wert sei, als die damalige Investition. „Wir haben ein verdammt gutes Geschäft gemacht“, rief Schröder unter dem Beifall der Zuhörer. Und nun Bürgschaften für Opel, Arcandor oder Conti? „Arbeitnehmer müssen in Notzeiten Hilfe vom Staat erwarten dürfen.“ Wer jedoch von Insolvenz redet, gefährde Arbeitsplätze, warnte Schröder - „so wie es der Baron aus Bayern macht“.Schnell müsse etwas geschehen, um Opel zu erhalten.
Folgt man Schröder, so war man damals in Vielem der Zeit voraus. Die Umweltindustrie habe Rot-Grün mit „Schmackes“ verteidigt. Bei Treffen der Industrienationen habe er als Kanzler für mehr Kontrolle und mehr Transparenz der Finanzmärkte geworben. Deutschland sei damals ausgelacht worden. Und sogar als Juso war er der heutigen Politik voraus. „Wir waren für die Verstaatlichung der Banken und für freie Liebe.“ Die Verstaatlichung plane nun eine CDU-Kanzlerin, und für das andere werbe der amtierende CSU-Vorsitzende.
Und nun? In seiner gut halbstündigen Rede warnte Schröder vor einer Abschottung des Marktes, warb für die EU-Mitgliedschaft der Türkei, für eine strategische Partnerschaft mit Russland und eine europäische Kontrolle der Banken. Banken müssten endlich wieder ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen - „Konsumenten Kleinkredite geben und den Unternehmen das Investieren ermöglich“. Überraschend war dies nicht.
Für die amtierende Regierung gabs Lob und Tadel. Die Konjunkturprogramme der Großen Koalition seien vernünftig, meinte der Altkanzler. Nur etwas früher hätte man damit beginnen sollen. Er glaube, den Kladeradatsch der 20er Jahre werde man nicht erleben. Aber mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage rechne er erst Anfang 2011.
Am Ende war er dann noch mal der Wahlkämpfer. Wer Steuererleichterungen verspreche, der betrüge die Leute, sagte Schröder. Ratschläge an seine Nachfolgerin gabs dann auch noch. Manchmal brauche man den Mut, um zu sagen: „Basta, jetzt kommt was!“
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Kommentare
Basta harrybo – 26.05.09
Gabriele Stief, dieser Artikel ist überflüssig. Die Ära Schröder ist vorbei, auch wenn das SPD-Kampfblatt HAZ sie nochmal herbeischreiben will. Es hat mich gewundert, dass nich Jüttners Hofberichterstatter Wahlbaum diesen Artikel schrieb. Der ist sonst der Meister überlüssiger SPD-Duddelei.dem Beitrag der beiden Vorschreibern Fleur – 26.05.09
ist nichts hinzu zu fügen"Und ob er der SDP als "Wahlhelfer" einen Gefallen tut, sei dahin gestellt.Er soll einfach nur seine Klappe halten und sich um seine Pfründe kümmern.Ich bin in Hannover geboren und alte Hannoveranerin und habe die Entwicklung von Herrn Schröder und der SPD erlebt.Ich kann mich nur mit Grausen abwenden.Und den haben sie zum Ehrenbürger gemacht.
Schröder und kein Ende! unknown – 26.05.09
Man sollte endlich bei der SPD die Ära Schröder mit einem „basta, das war’s aber nun wirklich“ beenden!Hier scheint man aber derzeit seitens Teilen der Parteispitze der SPD, aus offensichtlich eigennützigen Motiven, an einer "Legendenbildung" zu der Ära Schröder interessiert zu sein, die aber objektiv gesehen der Ära Schröder gar nicht zusteht!
War es nicht die Regierung Schröder, die durch ihre Fehlentscheidung zur Freigabe des Derivathandels zur Verschärfung der Krise beigetragen hat; war es nicht die Regierung Schröder denen das Risiko zu geringer Eigenkapitalquoten der Banken in 2003 nachdrücklich aufgezeigt wurde; war es nicht die Regierung Schröder, die durch die Vermögens- und Unternehmenssteuerreform die Anlage von Kapitalüberschüssen in den Finanzmärkten zusätzlich angeheizt hat?
Nun kann man sicher dem Herrn Schröder nicht die globale Finanz- u. Wirtschaftskrise anlasten.- Andrerseits wäre es sicherlich dennoch interessant zu wissen, in welchem Maße sich die Finanz- und Wirtschaftskrise in Deutschland tatsächlich auswirken würde, wenn man rechtzeitig durch Regulierung der Finanzmärkte und Abschöpfung der Kapitalüberschüsse seitens der Regierung Schröder gehandelt hätte!
Den Herrn Schröder nun auch noch aufs Schild heben zu wollen, für das was er (nicht) getan hat, scheint etwas verfehlt!
Die SPD täte gut daran nun endlich einen Schlussstrich unter das Kapitel Schröder zu ziehen.- Die ALG I und ALG II Empfänger mit ihren Familien, die von Arbeitslosigkeit bedrohten der Finanz- u. Wirtschaftskrise und die zukünftigen Rentner mit 67 wären sicherlich dankbar dafür!
Falsche Spur! Dieter Eckhard Wolf – 25.05.09
"Dass ein Ministerpräsent namens Schröder bereits vor Jahren das tat, was heute der politische Gegner als richtig entdeckt."Was mal wieder zeigt, dass dieser sich wohl in der Partei geirrt hat.
Vielleicht sollte er sich mal die Rede des großen August Bebel, auf dem Parteitag - in Dresden (1903) anhören, dann könnte er vielleicht erahnen, was ein Sozialdemokrat ist!
Er kommt mir halt vor wie ein Kuckucks-Ei - Basta!