In den meisten Städten gehören Überwachungskameras mittlerweile zum Stadtbild.
Keinesfalls gehe es darum, unbescholtene Bürger oder Passanten zu beobachten. Insgesamt liefern drei im Stadtzentrum installierte Kameras, die sich um 360 Grad schwenken lassen, hochauflösende Bilder. Gleichzeitig werden die Bilder aufgezeichnet, damit sie zum Beispiel für Fahndungen verwendet werden können. Nach fünf Tagen sollen die Aufnahmen automatisch gelöscht werden.
Gegner kritisieren die Kameras als zu starken Eingriff in den Datenschutz. Aufgerufen zur Demonstration hatte die Piraten-Partei Niedersachsen. Die Gruppierung setzt sich unter anderem für eine transparente Verwaltung und besseren Datenschutz ein. „Diese Kameras helfen in keiner Weise, auch nur eine Straftat zu vereiteln oder frühzeitig einzugreifen, wenn etwas passiert“, sagt Christian Koch, Landesvorsitzender der Piraten-Partei.
Auch der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Hans-Joachim Wahlbrink sieht die Kamera-Überwachung im öffentlichen Raum sehr skeptisch: „Das Ganze ist meiner Meinung nach ein Geschäft mit der Angst.“ Der Bevölkerung werde so Sicherheit vermittelt. Dabei müsse zunächst nachgewiesen werden, dass die Kameras tatsächlich Gewalt verhindern, meint der Datenschützer: „Meist sind es Leute, die betrunken sind und nicht daran denken, dass da eine Kamera hängt.“
Die vom Land finanzierte, 86.000 Euro teure Anlage erfasst den Angaben zufolge den Paul von Hindenburg- und den Pelizaeusplatz sowie die Wollenweber- und die Friesenstraße mit zahlreichen Gastronomiebetrieben, dem sogenannten Bermuda-Dreieck. Laut Kriminalstatistik gab es 2007 in diesem Bereich 143 Straftaten von teilweise erheblicher Bedeutung, deren Zahl sich im vergangenen Jahr gar auf 171 erhöhte.
Die jetzt in Betrieb gegangene Anlage ist bereits die zweite im Bereich der Polizeiinspektion Hildesheim. Die erste Videoüberwachungsanlage läuft seit April vergangenen Jahres an einer Straßenbahnwendeschleife in Sarstedt. Dort hatte es den Angaben zufolge in den Jahren 2005 bis 2007 durchschnittlich 227 Straftaten pro Jahr gegeben. Im vergangenen Jahr verringerte sich deren Zahl dort auf 57.
Laut Polizei handelt es sich beim Bermuda-Dreieck um einen Kriminalitätsschwerpunkt. Erst vor rund zwei Wochen war hier ein 19-Jähriger mit einem Messer auf einen Gleichaltrigen losgegangen und hatte ihn schwer verletzt. Auch früher gab es hier bereits mehrere Überfälle und Schlägereien mit zum Teil lebensbedrohlichem Ausgang.
Schünemann kann daher die Kritik an der Überwachung nicht nachvollziehen: „Es gibt einige Kriminalitätsschwerpunkte, wo Videoüberwachung absolut sinnvoll ist. Wir sind weit davon entfernt, Niedersachsen flächendeckend mit Videokameras zu überwachen“, betont der Minister.
Das Innenministerium selbst hat nach Angaben von Sprecher Klaus Engemann keinen Überblick darüber, wie viele Kameras an öffentlichen Plätzen insgesamt landesweit installiert sind. Nach Angaben des Datenschutzbeauftragten Wahlbrink gab es im Jahr 2001 rund 150 polizeiliche Überwachungskameras in Niedersachsen. Dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zufolge sollen es aktuell allein in Hannover 77 sein. Noch in diesem Jahr will Schünemann bis zu 20 weitere Kameras im Land installieren lassen. Dafür wurden bereits 1,6 Millionen Euro im Landeshaushalt reserviert.
ddp/lni
Mehr Stellen und zunehmend Schwierigkeiten, diese zu besetzen: Die knapp 500 Betriebe, die im Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall zusammengefasst sind, bieten fast 2000 Ausbildungsplätze an. Im Durchschnitt könnten aber drei bis fünf Prozent der Stellen nicht besetzt werden, berichtete der Verband am Donnerstag in Hannover. mehr
Kommentare
...worte such... wuergreiz – 26.05.09
>>Das Innenministerium selbst hat nach Angaben von Sprecher Klaus Engemann keinen Überblick darüber, wie viele Kameras an öffentlichen Plätzen insgesamt landesweit installiert sind.<<Diese Aussage bedarf wohl keines Kommentars. Ich habe damals mit meinen 11 Jahren die Stasi zwar nicht wahrgenommen. Aber wenn ich durch die Straßen unserer Stadt, unseres Landes wandel, dann bekomme ich ein Gefuehl daufer was STASI bedeutet haben muss. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
versagerpolitiker ich – 26.05.09
ein paar polizisten mehr würden sicher nicht schaden. aber ähnlich wie in den schulen will sich das land gutes personal nichts kosten lassen, sondern baut sich für 50000000 euro einen neuen landtag. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenOrganisierte Kriminalität läßt sich nicht mit Kameras enttarnen Nightrider – 26.05.09
Herr Schünemann wirft das Geld zum Fenster für sogenannte Überwachung von Kriminalitätsschwerpunkten heraus. Dabei liegen die z.B. vom Rockermillieu kontrollierten Steintor und an anderen markanten Punkten vor der Haustür. Nur derartige Verbrechen werden toleriert oder nicht verfolgt. Schon gar nicht sind diese mit Kameras auszumachen. Anscheinend dürfen derartige Leute unter dem Auge des Gesetzes ihrem Treiben nachgehen. Wir erwarten keine Kameras um Kleindealer zu schnappen, sondern das nachhaltig die organisierte Kriminalität bekämpft wird. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenFähig zum Zusammenhalt.... manne – 25.05.09
Lieber Herr Dieter Eckhard Wolf:ich möchte noch mal freundlichst widersprechen.
Immerhin ist es gerade über 90.000 Bürgern aus verschiedenen Altersgruppen und Berufen gelungen, sich zu einer Meinungsäusserung bewegen zu lassen. Bei der ePetition gegen die befürchteten Zensurgesetze.
Erschreckend, ja geradezu atemberaubend ist das Forum zu diesem Thema. Da wird fleissig diskutiert, organisiert, gemacht und getan. Selbstredend auch mit viel Schwachsinn durchsetzt, der immer wieder vorkommt, wenn sich haufenweise unterschiedliche Menschen im Internet austauschen.
Dennoch finden sich auch überaus sinnvolle und lesenswerte Beiträge und völlig unterschiedliche Meinungen. Eine derartiges Engagement in diesem stark umkämpften (oder zumindest polarisierenden Zensur-) Thema finde ich schon äusserst bemerkenswert. Und fast traurig, dass dieses Thema in der Presse so totgeschwiegen wird.
Lg Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Wenn zwei (oder viele) sich streiten... Dieter Eckhard Wolf – 25.05.09
Ich glaube nicht, dass alle Bürger (oder auch nur eine Mehrheit) so dumm sind, wie sie hier oft dargestellt werden. Sie sind nur nicht mehr fähig zum Zusammenhalt, sich zu organisieren - ohne dabei an den eigenen Vorteil zu denken...Dekadent eben!
Vielen Dank (Manne) für das "Kognitive Denken" ein toller Begriff... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Unfug manne – 25.05.09
So ein ausgemachter Schwachsinn. Untersuchungen aus London u.a. Großstädten belegen bereits zur Genüge, dass massive Videoüberwachung keinerlei Rückgang von Straftaten jedweder Art nach sich zieht.Mit anderen Worten: Cameras halten Straftäter weder von ihrem verwerflichen Tun ab noch verhindern sie irgendeine Straftat.
Jeder der des kognitiven Lesens mächtig ist, weiss das. Auch ein Innenminister. Die Untersuchungsergebnisse hängen frei nachlesbar im Web. Gott sei Dank noch ohne Zensurstoppschild erreichbar.
Stellt sich nur die Frage, warum wider besseres Wissen Ammenmärchen verkündet werden. Also doch Bürgerüberwachung? Trauerspiel! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Du bist Terrorist Volker B. – 25.05.09
Der Überwachungwahn greift um sich. Die Umfrage ob ich mich nun sicher fühle ist schon witzig. Fühlt man sich sicherer wenn man Schritt für Schritt in den Überwachungsstaat geht? Ich verweise mal auf http://www.dubistterrorist.de/Vielleicht geht dann ja dem einem oder anderen ein Licht auf. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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