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Schulen nehmen 30.000 Flüchtlingskinder auf

Integration ohne Deutschkenntnisse Schulen nehmen 30.000 Flüchtlingskinder auf

In der Diskussion um die Betreuung der Asylbewerber sind am Mittwoch die Kinder ins Zentrum gerückt. Noch ist vielfach völlig unklar, wie die Schulen in den Ländern Zigtausende Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse in den Lernalltag integrieren sollen.

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30.000 Flüchtlingskinder müssen zur Schule.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Im Schnitt dauert es drei Monate, bis die Flüchtlinge vom Erstaufnahmelager auf die Kommunen verteilt werden – dann beginnt auch die Schulpflicht. Experten schätzen, dass in diesem Jahr mehr als 30 000 schulpflichtige Kinder nach Niedersachsen kommen könnten.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) preschte gestern mit einem radikalen Vorschlag vor: Er verlangt, diese Schulpflicht so lange auszusetzen, bis der Aufenthaltsstatus der Kinder endgültig geklärt ist. Das dauert derzeit viele Monate, zuweilen Jahre. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) schrieb Bausewein, der auch SPD-Chef in Thüringen ist, dass es keine Schulpflicht bei laufenden Verfahren für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern geben soll.

Seine Forderung stieß allerdings auf breite Ablehnung – auch in der eigenen Partei. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: „Ich halte diesen Vorschlag für falsch. Bildung ist Menschenrecht, vor allem aber Kinderrecht.“ Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält die Aussetzung der Schulpflicht für absurd: „Das ist eine Vorstellung, die ich nicht vertiefen möchte – und sie lenkt nur ab vom Schlüsselproblem. Wir müssen schneller werden im Asylverfahren.“ Auch Politiker von Grünen, CDU und FDP sprachen sich gegen eine Aufhebung der Schulpflicht aus.

Das niedersächsische Kultusministerium hält trotz der täglich wachsenden Aufgabe an dem bisherigen Verfahren fest. Für Sprachlernklassen, in denen die Flüchtlinge Deutsch lernen, werden weiter speziell ausgebildete Lehrkräfte gesucht, auch an den übrigen Standards soll sich nichts ändern. Für die Sprachförderung durch Honorarkräfte stehen jetzt 100 000 Euro zur Verfügung. Kreative Lösungen seien gefragt, sagte hingegen Landeselternratschef Stefan Bredehöft. Auf pensionierte Lehrer zurückzugreifen wie es einige Bildungsverbände vorschlagen, sei allenfalls ein Übergangsmodell. Lehrerverbände und Opposition kritisierten, dass die Schulen unzureichend vorbereitet seien. „Die Dimension des Problems ist vor den Sommerferien so nicht erkannt worden“, sagte Horst Audritz vom Philologenverband. Es dürfe nicht so enden wie vor 20 Jahren bei den Bürgerkriegsflüchtlingen vom Balkan: Damals hätten Kinder ohne Deutschkenntnisse im Mathe-Unterricht gesessen und gemalt.

Von Saskia Döhner 
und Jutta Rinas

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