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Schulstreik gegen einen Lehrer in Hodenhagen

Beschwerden Schulstreik gegen einen Lehrer in Hodenhagen

Die Spruchbänder sind eindeutig: „Hilfe“, steht da und: „Die Schulbehörde lässt uns im Stich.“ Schüler und Eltern haben sich am Freitagmorgen vor der Haupt- und Realschule in Hodenhagen im Kreis Soltau-Fallingbostel versammelt, um mit einem Streik gegen einen Lehrer zu protestieren, der aus ihrer Sicht untragbar ist.

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Schüler der Haupt- und Realschule Hodenhagen protestieren gegen ihren Lehrer, der Noten ausgewürfelt haben soll.

Quelle: Jens Reinbold

Der Streit schwelt schon seit vielen Monaten und erreichte einen vorläufigen Höhepunkt, als sich Schulleiter Manfred Daube vor wenigen Wochen weigerte, die Zeugnisse zahlreicher Schüler zu unterschreiben. Aus Sicht Daubes nämlich ließ der umstrittene Lehrer in manchen Klassen weder Arbeiten schreiben, noch sammelte er Mappen ein, so dass von einem rechtmäßigen Zustandekommen der Zensuren nicht die Rede sein konnte. Der Pädagoge hatte offenbar vor, Einheitsnoten zu verteilen – in einer Klasse eine Drei, in anderen eine Vier.

„Mit einigen Schülern hat er die Noten ausgewürfelt“, sagt die Elternratsvorsitzende Daniela Bohn, die noch von weiteren Merkwürdigkeiten zu berichten weiß. „Er hat während des Unterrichts die Füße auf den Tisch gelegt und Zeitung gelesen, zugesehen, wie die Schüler mit ihren Handys gespielt und sich geprügelt haben“, sagt Daniela Bohn. „Unterricht fand praktisch nicht statt, und die meiste Zeit war er sowieso krankgeschrieben.“

Viele seiner Schüler habe der Pädagoge nicht gekannt, anderen, die gar nicht in seinem Unterricht waren, eine Zwei versprochen. Darüber hinaus ist von anzüglichen Bemerkungen gegenüber Schülerinnen die Rede, von Verabredungen mit sexuellem Hintergrund. Ebenso von rassistischen Äußerungen. Als ein ausländisches Kind einem deutschen Schüler sein Schulbrot angeboten habe, soll der Lehrer gesagt haben: „Du willst doch wohl nichts aus dieser Türkendose essen.“ Empörend ist aus Sicht der Elternratsvorsitzenden, dass die Schulbehörde seit einem halben Jahr über die Vorfälle informiert ist, jedoch nichts unternimmt. „Dieser Lehrer darf einfach nicht mehr unterrichten – weder bei uns noch anderswo.“

Die Probleme begannen nicht erst in Hodenhagen. Nachdem der Lehrer seine Ausbildung 2001 in Hannover abgeschlossen hatte, unterrichtete er erst im Kreis Nienburg, bevor er in den Kreis Soltau-Fallingbostel versetzt wurde. Zunächst nach Rethem. Doch hier zeigten sich ähnliche Probleme wie jetzt in Hodenhagen. Einhellig sprachen sich daher im vergangenen Jahr die Rethemer Eltern, Schüler und Lehrer gegen eine Rückkehr des Mannes an ihre Schule aus. „Diese Schule betritt der nie wieder“, hieß es. Kollegen sprechen von einem „Wanderpokal“.

Doch die zuständige Landesschulbehörde in Lüneburg bittet immer noch um Geduld. „Wir sind über die Beschwerden informiert und prüfen sie“, sagt Sprecherin Susanne Strätz. „Wir hoffen, dass wir bald eine annehmbare Lösung für alle Beteiligten finden.“ Im Hintergrund sei bereits manches geschehen. Ob es denkbar ist, den Lehrer ganz aus dem Schuldienst zu entfernen? „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen durchaus.“ Der Lehrer weist die Vorwürfe zurück, will sich aber selbst nicht öffentlich äußern, sondern einen Anwalt einschalten.

Jens Reinbold und Heinrich Thies

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