Aber im Kohlenpott gelten vermutlich andere Regeln als im sprachlich klaren Norden. Dessen kulturelle Überlegenheit wird übrigens nur durch die Tatsache eingeschränkt, dass sich im Winter Tausende von biederen Braunschweigern dem Straßenkarneval hingeben und an derlei närrischem Tun auch noch Spaß empfinden. Bis zur Besinnungslosigkeit.
Aber ich schweife ab. Bleiben wir bei der Besinnungslosigkeit. Das ist das Stichwort – zurück nach Berlin. Nun ist die „Mutti“, wie sie die Merkelin dort nennen, also ganz allein, alle Stellvertreter im Parteivorstand weg, der Wulff, der Koch, der Rüttgers. Bleiben tut nur der Pofalla, der so herrlich näselt, dass einem schier die Kopfhaut vibrieren will, wenn man ihn denn hört.
Heute haben wir übrigens soviel Berlin in der Kolumne, weil im Land schier nix los ist und alle auf die ehemalige Reichshauptstadt starren, wo bald der Regent der Regenten, der Oberregent sozusagen, den Wogen der Bundesversammlung entsteigen wird. Wenn nicht alles täuscht, läuft es auf unseren Wulffie zu, der als „Wackel-Wulff“ oder „Wuschel-Wulff“ (in einer besonders haarigen Phase) oft in diesem Papierkorb zu Gast war.
Seriöse Beobachter meinen ja, dass Wulff das Bundespräsidentenamt aus dem einzigen Grund anstrebe, derartig niederträchtigen Betrachtungen in niedersächsischen Kolumnen zu entgehen. Dass er, der im Grunde ein Sensibelchen ist wie Ich und Du und Müllers Kuh, sich in die Würde des Bundespräsidentenamtes geradezu flüchtet. Aber wir haben ja schon bei Horstie Köhler gesehen, dass das alles nicht hilft, wenn der Grüne Trittin den Herrn Bundespräsidenten mit einem losen Deckgeschütz auf einer alten Kogge vergleicht. Und wenigstens von Koggen und Deckgeschützen hat der Bremer Trittin Ahnung.
Aber wir sind ziemlich sicher, unseren Wulff bald im Bundespräsidentenamt wie auch fürderhin in dieser Wahrheits-Ecke begrüßen zu können – jedenfalls immer dann, wenn er öffentlich Pinguine streichelt, zu verschwurbelte Sätze schmiedet oder auch anderswie für Material in dieser absolut frohstoffarmen Zeit sorgt. Da kann der gute alte „Siggi“ Gabriel den coolen Prediger aus dem Osten noch so sehr hochgaucken.
Unser „Siggi“ (übrigens auch ein gern gesehener Gast in dieser Kolumne) „tobt“, haben wir gelesen, weil auch BP das Fest des Bundespräsidenten sponsere. „Ich würde mich schämen, mich im Bellevue von der BP bewirten lassen“, zürnt der große, junge Mann der SPD. Und wir stellen uns Sigmar Gabriel schon am Zapfhahn vor, wie er mannhaft die letzte Ölung ausschlägt, die ihm British Petroleum anbieten will.
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