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Niedersachsen Schon mit 5 in die Schule? So diskutieren HAZ-Leser
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17:13 14.01.2017
Symbolbilder Quelle: dpa
Hannover

Seit 2012 müssen in Niedersachsen in der Regel alle Kinder in die Schule, die in dem laufenden Jahr bis zum 30. September sechs Jahre alt werden. Zuvor war der Stichtag der 30. Juni gewesen. Nach den schlechten Ergebnissen bei der Pisa-Studie hatten einige Bundesländer begonnen, den Stichtag für die Einschulung schrittweise nach hinten zu schieben. Auch Eltern, Pädagogen und Erzieher in Niedersachsen fordern, Kinder wieder später einzuschulen: In einer Online-Petition haben sich landesweit 20 638 Menschen gegen die obligatorische Früheinschulung vor dem sechsten Geburtstag ausgesprochen. Am Donnerstag wurde im Kultusministerium die Unterschriftenliste überreicht. 

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Quelle: Tim Schaarschmidt
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"Nicht die Herkunft der Kinder ist ein Problem, sondern das Schulsystem selbst!"

"Nach dem ersten PISA-Schock sind viele Bildungsverantwortliche nach Finnland gepilgert, um herauszufinden, warum finnische Schüler im PISA-Test so gut abgeschnitten haben. Nur, dass sie Finnen sind, konnte ja nicht der einzige Grund sein. "Von Finnland lernen" war das Ziel. Aber offensichtlich geht es erwachsenen Bildungsvertretern nicht anders als Schülern. Sie nehmen nur wahr, was sie wahrnehmen wollen.

Denn anstatt von Finnland zu lernen und das Einschulungsalter eher noch heraufzusetzen, wurde es herabgesetzt. Dabei sind die Testergebnisse aus Finnland doch ein deutliches Zeichen dafür, dass eine Einschulung mit 6 3/4 oder 7 Jahren eine positive Auswirkung auf den Lernerfolg hat. Das wurde aber komplett ausgeblendet. Stattdessen wurde bemerkt, dass in finnischen Schulen nicht so viele Migranten sind. Als ob Migranten Einheimische am Lernen hindern würden...

Nicht die Herkunft der Kinder ist ein Problem, sondern das Schulsystem selbst! In Finnland wird nicht schon nach der vierten Klasse orakelt, welche Schullaufbahn die Kinder wahrscheinlich durchlaufen werden. Sie können in Ruhe in einer Schule zusammenbleiben, bis sie selbst Verantwortung für ihren Schulerfolg tragen können. Das wäre "Von Finnland lernen".

Im übrigen nicht nur von Finnland, sondern auch von anderen Ländern, die die Kinder erst nach der 8. oder 10. Klasse trennen. Aber man wollte offensichtlich gar nicht lernen. Hinzukommt noch der unsägliche Aktionismus an deutschen Schulen. Schon in der Grundschule gibt es keine Woche ohne Aktionen und zum Teil sinnfreie Projekte. Warum bekommen die Schüler nicht einfach mal echte Lernzeit, die ihnen zusteht. Rechtschreiben lernt man nur durch Rechtschreiben, nicht durch Zirkusbesuche, Schlittschuhlaufen, Traumreisen und vieles andere mehr. Bitte nicht falsch verstehen: Projekte und Exkursionen sind sehr gut. Sie müssen aber sinnvoll sein und nicht Überhand nehmen. Weniger ist mehr.

Lasst die Kinder länger Kinder sein und gebt ihnen mehr Lernzeit! (Kommentar auf HAZ.de)

"Das letzte Jahr im Kindergarten ist oft langweilig"

"Elite wird man nicht, indem man immer früher das Abc lernt und schon mit sechs Jahren bis 100 rechnen kann. Das Schulsystem, die Einschulung mit sechs Jahren zu überdenken, ist sicher nicht grundlegend falsch. Viele Kinder kommen bereits mit einem Jahr in die Kinderkrippe, spätestens mit drei Jahren in den Kindergarten. Das letzte Jahr im Kindergarten ist oft langweilig für die wissensdurstigen Kinder.

Gut wäre, verpflichtend eine Vorschule ab etwa sechs Jahren einzuführen, Schule ab sieben Jahren. Die Vorschule sollte genutzt werden, die motorische, sprachliche, musikalische Entwicklung zu fördern und zu entdecken. Die Eigeninitiative sollte gefördert werden. Kinder brauchen Zeit, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten. Ausflüge in Museen, Zoos, Wälder oder Moore fehlen oft komplett. Die diversen Themenbereiche wollen erforscht, erfühlt und ausprobiert werden.

Es gibt leider viel zu wenige Kindergärten und Schulklassen, die diesem Forscherdrang gerecht werden können. Bewegung hilft dem Kind, besser zu verstehen, was es sieht. In vielen Kindergärten wird kaum Musik gemacht. Theaterspiele, spannende Experimente mit Chemie, Physik und Kosmos fehlen oft komplett.

Warum soll ein Kind mit sechs Jahren lesen und schreiben? Entfernungen und Größen lernt man besser, indem man die Distanz zwischen sich und den betreffenden Gegenständen zu Fuß hinter sich bringt. Das Gehirn muss den Abstand durch die Körperbewegungen „fühlen“. Das und viel mehr wäre eine gute Vorbereitung auf Schule."

Iris Weber, Langenhagen, Leserbrief

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