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Niedersachsen Stefan Körner - der unbekannte Vorsitzende
Nachrichten Politik Niedersachsen Stefan Körner - der unbekannte Vorsitzende
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00:16 02.12.2016
Versteht sich als Teil eines Teams: Stefan Körner und seine Ko-Vorsitzende Meta Janssen-Kucz. Quelle: dpa
Hannover

Stefan Körner ist seit zwei Jahren Landesvorsitzender der Grünen in Niedersachsen, also einer der beiden regierungstragenden Parteien. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung ist der 39-Jährige, anders als seine Co-Vorsitzende Meta Janssen-Kucz, bislang nicht aufgetaucht. Keine Initiative, keine Reform in der Partei und kein politischer Akzent verbindet sich mit seinem Namen. Auch bei den Grünen gibt es Kritik am blass gebliebenen Chef, dennoch dürfte seine Wiederwahl beim Parteitag am kommenden Sonnabend ausgemachte Sache sein – denn einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht.

Tatsächlich hat es Körner in seiner Amtszeit nur einmal in die Zeitungen geschafft: Als der Hannoveraner sich bei der Kommunalwahl für die Regionsversammlung aufstellen ließ und auf dem Wahlzettel als Beruf „Politologe“ angab. Das Problem war nur, dass er sein Studium nie abgeschlossen hatte und deshalb die Bezeichnung nicht führen darf. Körner gestand seinen Fehler ein und erklärte schon vor der Wahl, er werde das Mandat nicht annehmen, sollte er gewählt werden. Seinen eigentlichen Broterwerb als hauptamtlicher Landesvorsitzender der Grünen habe er nicht angeben wollen: „Das klingt so wuchtig.“

Der Vorfall hatte auch bei den Grünen für Kopfschütteln gesorgt. Spricht man mit Parteimitgliedern über Körner, dann hört man auch versöhnliche Töne. Der 39-Jährige, der vor elf Jahren den Grünen beigetreten ist, sei ein guter Mediator – bei Streitfragen schaffe er es, zwischen gegensätzlichen Positionen zu vermitteln und höre allen Beteiligten zu. Doch es gibt eben auch Kritik am Chef: „Er ist kein politischer Gestalter“, heißt es.

Manche schieben das teilweise auf seine nicht ganz glatt gelaufene erste Bewerbung beim Parteitag in Stade im Februar 2015. Auch damals hatte Körner keinen Gegenkandidaten, doch nach einer eher monoton gehaltenen Rede und gestammelten Antworten auf Nachfragen bekam er nur 72,1 Prozent Zustimmung. 46 Delegierte hatten sich lieber enthalten. „Das hat ihn in die Defensive gebracht“, heißt es. Und aus der habe er nicht mehr herausgefunden.

Vielleicht liegt das Problem auch viel tiefer: „Es gibt die Tendenz in Parteien, die regieren, unkonkret zu werden“, hatte der ehemalige SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner seine Genossen bereits 2014, ein Jahr nach der gewonnenen Landtagswahl, gewarnt. Die eben noch selbstbewusste Oppositionspartei tritt lieber etwas in den Hintergrund, um den eigenen Leuten beim Regieren nicht in die Parade zu fahren. Diese Konstellation schaffe Ruhe, berge aber die Gefahr, dass die Partei irgendwann hinter der Regierung verkümmere, so Jüttner.

Auch bei den Grünen bestimmen derzeit die Minister und die Landtagsfraktion das politische Tagesgeschäft und damit die öffentliche Erscheinung. Die Partei müsse aber Thinktank bleiben, über die aktuellen politischen Entscheidungen hinausdenken und jetzt schon die Konzepte von morgen entwickeln. Wenn das nicht geschehe, drohe sehr bald eine inhaltliche Verarmung, heißt es in der Partei. Und auch persönlich kommt auf den Landesvorstand eine große Verantwortung zu: Er muss für die Grünen eine Kampagne für die Bundestagswahl im Herbst und eine weitere Kampagne für die Landtagswahl im Januar 2018 umsetzen. Und gegebenenfalls muss er für die Partei nach der Landtagswahl auch noch Koalitionsverhandlungen führen.

„Ich nehme das wahr, dass es den Wunsch an mich gibt, politischer zu sein“, sagt Körner der HAZ. Er verstehe sich aber als Teil eines „heterogenen Teams“ mit Janssen-Kucz. Während diese als Landtagsabgeordnete und innenpolitische Sprecherin mehr Präsenz in den Medien habe, falle ihm die Aufgabe zu, die Partei mitzunehmen. Zudem hätten die Grünen bereits die Arbeit am neuen Wahlprogramm auf den Weg gebracht, an dem es auch ein reges Interesse gebe: „Die Leute bringen sich ein“, so Körner. An diesem Kurs wolle er auch in den nächsten zwei Jahren arbeiten.

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