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Flüchtlingsmädchen rührt Weil

Besuch in Notunterkunft Flüchtlingsmädchen rührt Weil

Wo drückt die Flüchtlinge der Schuh? Stephan Weil (SPD) wollte es wissen und fragte die Bewohner der Notunterkunft in Sarstedt. Dort war Niedersachsens Ministerpräsident am Dienstag zu Besuch.

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„Deutschland gibt sich große Mühe, zu helfen“: Ministerpräsident Stephan Weil sucht in Sarstedt das Gespräch mit den Flüchtlingen.

Quelle: Alexander Körner/Die Johanniter

Sarstedt. Händeschütteln, Dankesworte und auch das Werben um Verständnis: In einer ehemaligen Lagerhalle am Ortsrand von Sarstedt hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil am Dienstag das Gespräch mit Flüchtlingen und Helfern gesucht. Beim Besuch der von der Johanniter-Unfall-Hilfe betriebenen Notunterkunft für insgesamt 1750 Flüchtlinge überraschte den SPD-Politiker ein Kinderchor mit einem Weihnachtslied. „Die Kinder haben unheimlich viel Spaß, Musik ist ein ganz emotionaler Träger, auch für Sprache“, erläuterte Erzieherin Daniela Ahrens dem hohen Besuch.

Nach einem Rundgang wollte Weil konkret wissen, wo die Flüchtlinge der Schuh drückt. Im Halbkreis saßen oder standen etwa 250 Männer, Frauen und Kinder um den SPD-Politiker, der zuvor die Journalisten aus dem Raum komplementiert hatte. „Deutschland gibt sich große Mühe, zu helfen, aber wie Sie alle wissen, klappt noch nicht alles“, warb er unter Applaus um Verständnis und betonte: „Hier in Niedersachsen haben wir viele Menschen, die ein ganz großes Herz haben.“ Wer aus Syrien gekommen sei, will er wissen. Viele Arme reckten sich hoch.

Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil besucht das Erstaufnahmelager der Johanniter in Sarstedt.

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Von den Flüchtlingen gab es vor allem praktische Fragen nach der Dauer des Aufenthalts. „Wir wollen uns integrieren und wir wollen, dass unsere Kinder möglichst schnell zur Schule gehen“, sagte ein älterer Mann über den Dolmetscher. Weil erläuterte, dass er mit der Dauer der Asylverfahren auch nicht zufrieden sei, meinte aber: „Mitte Januar beginnt nach und nach die Verteilung auf die niedersächsischen Kommunen von Sarstedt aus.“ Ein anderer Flüchtling bedankte sich in seiner Heimatsprache für die Aufnahme. „Die ganze Welt hat die Türen geschlossen, Deutschland hat sie aufgemacht - dafür sind wir dankbar“, übersetzte der Dolmetscher. Als ein Mädchen mit schnellen, abgehackten Sätzen ins Mikrofon sprach, rang er zunächst um Fassung. Sie wünsche sich, dass ihre Eltern so schnell wie möglich aus dem Nordirak nachziehen können, übersetzt die Dolmetscherin. „Ja, das kann ich verstehen“, sagt ein sichtlich gerührter Weil.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

Mehr Straftaten: Zwischen Oktober 2014 und Oktober 2015 hat es in Niedersachsen 59 strafrechtlich relevante Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Von Januar 2013 bis Oktober 2014 wurden dagegen nur zwölf Straftaten verzeichnet. Das geht aus Antworten der Landesregierung auf zwei Anfragen der Grünen-Fraktion hervor.
Beim Großteil der Taten, nämlich 56, vermutet die Polizei einen rechtsextremen Hintergrund. In 20 Fällen geht es um Sachbeschädigung, ­17-mal wurden verfassungsfeindliche Symbole wie Hakenkreuze geschmiert. Die Polizei ermittelt auch in vier Fällen von Körperverletzung, in zwei Fälle von Brandstiftung und in einem versuchten Mord.
Die Grünen sehen das Alarmzeichen: Die Antwort zeige, dass rechtsmotivierte Straftaten keine Randerscheinung seien, sagt der Abgeordnete Belit Onay.

 ran

Weil lobte die vielen ehrenamtlichen Helfer. „Na klar macht die schiere Menge einem Angst“, gab die Helferin Angelika Gebhard in der Kleiderkammer mit Blick auf die hohe Zahl der Flüchtlinge zu. „Man bekommt hier jedoch einen anderen Blick auf die Menschen - wir haben ganz schreckliche Schicksale hier.“ Das fand auch Weil, der den Helfern für ihr Engagement dankte und meinte: „Wenn wir über hohe Flüchtlingszahlen reden, ist das das eine - die Einzelschicksale aber sind das andere.“

Rund 950 Menschen leben in der provisorisch umgebauten Lagerhalle, darunter etwa 170 Kinder. Seit in einem Container auf dem Gelände eine Art ­Mini-Bürgeramt mit Polizeipräsenz installiert wurde, sei die Atmosphäre deutlich entspannter, sagte eine Mitarbeiterin. Über Weihnachten sollen 150 weitere Flüchtlingen kommen. Ob es denn nicht menschenunwürdig sei, in einer muffigen Lagerhalle so viele Menschen unterzubringen, wurde Weil zum Schluss gefragt. Seine Antwort: „Alles das, was wir hier sehen, ist besser als offene Obdachlosigkeit.“

Von Ralf Krüger

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