Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Warum in der SPD wieder Aufbruchsstimmung herrscht

Stephan Weil spricht im Interview über Martin Schulz Warum in der SPD wieder Aufbruchsstimmung herrscht

In Sigmar Gabriels niedersächsischer Landespartei ist die Begeisterung über den Neuanfang mit Martin Schulz als Kanzlerkandidat der SPD groß. Aber ist das gleichbedeutend mit einem Affront? Nein, sagt Ministerpräsident Stephan Weil und erklärt, warum Lob an Schulz keine Kritik an Gabriel ist.

Voriger Artikel
Pistorius: Es gab keine Vertuschung
Nächster Artikel
AfD sagt Parteitag in Hannover ab

Stephan Weil: "Viele Mitglieder sind erkennbar sehr motiviert, mit Martin Schulz für den Sieg in der Bundestagswahl 2017 zu kämpfen."

Quelle: dpa

Hannover. Herr Weil, in der niedersächsischen SPD herrscht eine Rieseneurophie über den neuen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz? Ist das für den alten nicht ein bißchen peinlich?

Nein, ich freue mich darüber, dass in der SPD wieder eine Aufbruchsstimmung herrscht. Das können wir nach schweren Monaten, die die SPD hinter sich hat, jetzt gut gebrauchen. Viele Mitglieder sind erkennbar sehr motiviert mit Martin Schulz für den Sieg in der Bundestagswahl 2017 zu kämpfen.         

Aber hat Sigmar Gabriel nicht seine eigene Partei ziemlich düpiert, in dem er sich über den eigenen Zeitplan völlig hinwegsetzte, und erst einmal im „Stern“ seinen Rücktritt erklärte, noch bevor engste Mitstreiter dies erfahren konnten?

Das ist doch jetzt nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass die SPD nach vorne schaut. Dafür war der Dienstag ein guter Start, daran lässt die Reaktion in der SPD keinen Zweifel.

Sie haben über Schulz gesagt, er verfüge  ‘über den unschätzbaren Vorzug Menschen durch eine klare Haltung zu begeistern’. Hat es daran Sigmar Gabriel gemangelt?

Wenn ich mich gut über Martin Schulz äußere, ist das doch keine Kritik an Sigmar Gabriel. Schulz verfügt tatsächlich über die besondere Fähigkeit, andere Menschen mitzureißen. Ich habe da ein kleines Beispiel. Wir hatten im vergangenen Jahr eine große Betriebsversammlung in Wolfsburg. Da waren etwa 18.000 Menschen in einer gewaltigen Halle beisammen. Martin Schulz hat über Europa gesprochen. Man sollte meinen, dies sei nicht das Thema für eine VW-Betriebsversammlung. Er hat es aber so plastisch und mitreißend getan, dass es mucksmäuschenstill in der Halle war. Er hat die Leute wirklich gefesselt - eine Gabe, die nur wenigen Menschen vergönnt ist. Der Beifall hinterher sprach Bände.

Aber ihm fällt jede innenpolitische Erdung. Ist das nicht ein Manko für einen SPD-Kanzlerkandidaten?

Er hat eine jahrzehntelange Erfahrung nicht nur in Europa, sondern als Teil der SPD-Führung. Martin Schulz ist ein hochpolitischer Kopf und spielt schon lange in der Bundes-SPD eine hervorgehobene Rolle. und man kann sich schon auf die Auseinandersetzungen mit der Kanzlerin im Wahlkampf freuen. Das wird spannend.

Warum muss Sigmar Gabriel auf seine sechs letzten Monate bis zur Bundestagswahl noch Außenminister werden?

Sigmar Gabriel hat ein großes internationales Netzwerk aus seiner bisherigen Arbeit und das ist eine gute Grundlage für die neue Aufgabe.

Sorry, Herr Weil, wenn ich da so hartnäckig bin. In Niedersachsens SPD, Gabriel selbst hat sich mitunter darüber beklagt, gab es massive Vorbehalte gegen den abgehenden SPD-Bundesvorsitzenden. Jetzt hat er selbst, wieder ziemlich überraschend, seinen Rücktritt erklärt. Gab es darüber keine Diskussionen?

Die niedersächsische SPD hat in den letzten Monaten in großer Loyalität zum Bundesvorsitzenden gestanden. Wir waren auch bereit, mit Sigmar Gabriel engagiert in den Wahlkampf zu ziehen. Das ist   vor zwei Wochen auf einer SPD-Landesklausur in Hustedt bei Cellle ausdrücklich bekräftigt worden. Wir zollen Sigmar Gabriel für seine Arbeit wie auch für seinen Rückzug Respekt.

Sollte man Sigmar Gabriel zum SPD-Ehrenvorsitzenden erklären?

Da Sigmar Gabriel noch aktive Beiträge für die deutsche Politik liefern wird, stellt sich diese Frage einstweilen nicht.  

Das Interview führte Michael B. Berger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen
Das neue Regierungskabinett in Niedersachsen

Niedersachsen wird in Zukunft von einer Großen Koalition regiert. Diese Personen sollen Minister werden. 

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr