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Strahlenschützer König sitzt zwischen zwei Schächten

Atommülllager Asse II Strahlenschützer König sitzt zwischen zwei Schächten

Die Anwohner des Atommülllagers Asse II wollen die radioaktiven Fässer endlich herausholen und loswerden, die Bürger Salzgitters wollen sie aber nicht haben.

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In Bedrängnis: Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, erläutert im Rat der Stadt Salzgitter die Pläne zur Rückholung des Atommülls.

Quelle: dpa

Die Stimmung ist wieder umgeschlagen. Noch zu Jahresbeginn hatte Wolfram König verkündet, dass der Atommüll aus dem maroden Endlager Asse II bei Wolfenbüttel herausgeholt und abtransportiert werden soll. Dafür erhielt der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) viel Zustimmung von Anwohnern und Bürgerinitiativen. Inzwischen hagelt es aus der gleichen Ecke wieder Kritik, weil das Vorhaben angeblich nicht schnell genug vorangeht. Und ausgerechnet in Salzgitter, dem Sitz von Königs Behörde, formiert sich breiter Widerstand.

Schließlich sollen die 126 000 Fässer mit radioaktiven Abfällen im ehemaligen Erzbergwerk Schacht Konrad landen, das innerhalb des Stadtgebietes von Salzgitter liegt.

So sitzt König innerhalb einer Region zwischen zwei Stühlen, keine besonders behagliche Position für den Behördenchef, der sich besonders darum bemüht, dass die Bürger der Objektivität des Strahlenschutzamtes vertrauen. Jetzt hängt König zwischen Baum und Borke. Deutlich wurde das am Montag, als er vor dem Rat der Stadt Salzgitter Rede und Antwort stand. Hier bemühte sich der gebürtige Lübecker, das Thema hanseatisch-sachlich anzugehen. Sogar er habe seine Zweifel, betonte der BfS-Präsident: „Nach jetzigem Kenntnisstand erfüllen die Atommüllfässer der Asse die Vorlagen von Schacht Konrad nicht.“ Das gelte sowohl für die Menge als auch für die Beschaffenheit der Abfälle. Sollte es damit jedoch keine Probleme geben, sei die Einlagerung „fachlich vertretbar“, meinte er und erntete dafür grimmige Blicke von den Kommunalpolitikern Salzgitters.

Das Dilemma wird dadurch nicht kleiner, dass König seine Weisungen aus dem Bundesumweltministerium erhält. Bei dem Plan, den Atommüll aus der Asse in den nur gut 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad umzulagern, handele es sich „um eine politische Zielrichtung“, sagte er und verwies auf entsprechende Äußerungen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Auch dessen Vorgänger Sigmar Gabriel (SPD), zu dessen Wahlkreis beide Endlagerstandorte gehören, hatte sich während seiner Amtszeit ähnlich geäußert.

In Salzgitter verfängt dieses Argument aber nicht. „Wir werden weiter dagegen angehen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, erklärte Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) und erntete dafür den Beifall der rund 200 Demonstranten, die sich wegen Königs Auftritt vor dem Rathaus versammelt hatten.

Auch rund um die Asse ist die Stimmung gereizt – wenn auch aus ganz anderen Gründen. Das bekommt Ralf Pätz täglich von seinen Kunden mit. Der Betreiber des Supermarkts in Remlingen weiß: „Jetzt, da die Entscheidung über die Rückholung gefallen ist, wollen die Leute wissen, wie es weitergeht. Man hat uns jahrelang hingehalten. Damit sollte endlich Schluss sein“, erklärt er.

Diese Ansicht teilt wohl die überwiegende Mehrheit der Bewohner. Das große gelbe A hängt als Symbol des Widerstands gegen das Asse-Endlager schon seit Langem an vielen Häusern in Remlingen und Umgebung. Inzwischen mehren sich Plakate mit Forderungen wie „Jetzt anfangen!“. Nach Jahrzehnten des Protestes könne sich kaum noch jemand vorstellen, wieso es noch keine konkreten Pläne für den Abtransport gebe, meint ein junger Mann, während er im benachbarten Semmenstedt sein Auto betankt. „Allmählich fühlen wir uns hier wieder verschaukelt“, sagt er. Für die Remlingerin Cornelia Fehse gibt es überhaupt nur eine Lösung: „Sofort raus damit!“ Und ihre Freundin Beatrice Schneider beweist, dass das Thema neben der Sicherheit für die Bewohner auch ganz alltägliche Aspekte hat: „Zurzeit sind die Immobilien hier nichts mehr wert. Wenn der Atommüll weg ist, wird das vielleicht wieder besser“, meint sie.

Unter den Remlingern dürfte Gisela Lison eher eine Ausnahme sein. Sie findet die Kritik unangebracht. Ein Bekannter arbeite in Asse II, und der berichte von Fortschritten: „Dort finden ständig Messungen und Untersuchungen statt. Das muss doch alles erst einmal gemacht werden.“ Auch der Koordinationskreis Asse II sieht die Kritik eher als Folge eines Kommunikationsproblems. „Die Menschen hier interessieren sich nicht für wissenschaftliche Details. Sie wollen wissen, wann und wie es weitergeht“, sagt Udo Dettmann, der Sprecher der Bürgerinitiative.

Dass angesichts der Einsturzgefahr des Asse-Bergwerks nicht viel Zeit bleibt, weiß auch Wolfram König. Vor dem Abtransport müssten die Abfälle aufbereitet werden, erklärte er. Bei der Genehmigung für die erforderliche Anlage sei allerdings Eile geboten: „Wenn das Verfahren so lange dauert wie bei Schacht Konrad oder Gorleben, können wir die Rückholung vergessen.“

Das wäre ganz im Sinne von Wolfgang Wolters. Er demonstrierte am Montag vor dem Rathaus von Salzgitter einsam für einen Verbleib des Atommülls in der Asse. „Für die Beschäftigten und für uns hier wäre das die sicherste Lösung“, gab sich der Rentner überzeugt, gestand aber: „Ich glaube, mit dieser Meinung stehe ich wohl doch ziemlich allein da.“

Jens Krone

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