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Niedersachsen Stromautobahn kann dreispurig werden
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00:15 12.04.2015
Drei Masten nebeneinander – das ginge gar nicht, meint die Landesregierung und stellt sich damit an die Seite der Südlink-Kritiker. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), der für die Raumordnung zuständig ist, lehnt ein derartiges Szenario komplett ab: „Drei Masten nebeneinander sind nicht raumverträglich und politisch nicht durchsetzbar.“ Das Land werde größten Widerstand leisten und sich dafür einsetzen, den Südlink auf kompletter Länge in Erdverkabelung auszuführen.

Der Minister und die von den Trassenplanungen betroffenen Kommunen teilen dieselben Sorgen. Ausgelöst werden diese durch das Netzentwicklungsprogramm. Es enthält Szenarien, nach denen bis 2024 drei Leitungen und bis 2034 sogar deren fünf notwendig sein könnten. Da auf einen der bis zu 70 Meter hohen und an den Auslegern etwa 40 Meter breiten Masten nur zwei Leitungen passen, müssten im Ernstfall 2024 eine zweite und zehn Jahre später dann sogar eine dritte Mastenreihe gebaut werden. Die Stromautobahn wäre dann nach derzeitigem Stand der Technik rund 150 Meter breit.

Leitungen da bauen, wo welche bestehen

„Im Netzentwicklungsplan sind bisher drei Leitungen beantragt, aber nur zwei von der Bundesnetzagentur bestätigt und vom Gesetzgeber verankert“, sagt Ulrike Hörchens, Sprecherin des Südlink-Betreibers Tennet. Sollte die Netzagentur in der Zukunft weiteren Übertragungsbedarf sehen, werde man vor einem Neubau Möglichkeiten ausschöpfen, bestehende Infrastruktur zu optimieren. Komme es trotzdem zu Neubauten, seien die mit einem vollständig neuen Planungsverfahren verbunden.

Diesem Szenario trauen Minister Meyer und Kommunalvertreter wie der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, nicht. Der Grund ist das sogenannte Bündelungsgebot. Es besagt, dass Leitungen vornehmlich dort gebaut werden sollen, wo schon welche bestehen. Mit seiner Forderung nach kompletter Erdverkabelung lehnt sich Meyer weit aus dem Fenster. Das Gesetz gewährt beim Bau von Stromtrassen der Variante mit Freileitungen an Masten Priorität – hauptsächlich, weil die Kosten für Erdverkabelung nach bisherigen Berechnungen fünfmal höher sind.

Chancen auf Erdverkabelung?

„Dieser Mehrkostenfaktor ist mittlerweile zu vernachlässigen“, sagt der ­SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch. Die Bundesregierung macht sich deshalb auf den Weg, der unterirdischen Variante mehr Spielräume zu gewähren. Ende März hat das Kabinett einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Möglichkeiten zur Erdverkabelung ausweitet und ein bis zu 20 Kilometer langes Pilotprojekt im Wahlkreis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erlaubt. „Es ist schwer nachvollziehbar, warum ein vergleichsweise dünn besiedelter Landstrich profitieren soll, nicht aber Ballungsräume wie Hannover“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt.

Bernd Haase und Heiko Randermann

Unsichere Planung

Wann wie viel Strom wohin transportiert werden muss, lässt sich nicht genau vorhersagen. Zuletzt war in den Netzen zum Beispiel weniger konventioneller Strom, Solarstrom aus Süddeutschland sowie Hochsee-Windstrom, dafür aber mehr Strom aus Rotoren an Land vor der Küste unterwegs. Deshalb wird bei der Planung für Leitungen mit vielen Szenarien gearbeitet, die den tatsächlichen Liefermöglichkeiten bei Bedarf angepasst werden müssen. Außerdem sorgt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer für Unwägbarkeiten: Er hält den ganzen Nord-Süd-Stromtransport mittlerweile für überflüssig.

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